Ein Apfel ist ein komischer Pfirsich – Cynthia Lord

Catherine hat ein Regelbuch. Dort sammelt sie alle Regeln, die ihr kleiner Bruder David nicht behalten kann. David ist autistisch und solche Dinge wie „Hosen anlassen“ „Kein Spielzeug ins Aquarium“ „Nicht alles was man denkt, muss man sagen“ sind für ihn schwer zu merken, Pünktlichkeit hingegen ist fast überlebenswichtig. Catherine liebt ihren Bruder, fühlt sich aber wie sein Schatten und nicht wahrgenommen. Als sie im Therapiezentrum Jason kennenlernt und seine spezielle Art der Kommunikation, lernt Catherine nicht nur, was Freundschaft ist, sondern auch sehr viel über sich selbst und ihre Familie.

Ein ganz tolles Jugendbuch über das „Anders-Sein“, das „Akzeptiert-Werden“ in Gesellschaft, über Ausdruck – sehr sensibel erzählt, ohne jeglichen moralischen Zeigefinger! Dieses Buch möchte ich meinen Kindern gerne vorlesen!

Ich bin dann mal weg – Hape Kerkeling

Über dieses Buch ist bereits viel geschrieben worden. Ich habe es in der Weihnachtszeit täglich zig mal über den Ladentisch geschoben. Nun wollte ich es endlich auch selbst lesen… Was für mich heraus stach war weniger der Aspekt des Pilgerns, noch die Beschäftigung mit Religion (obwohl ich die auch nicht erwartet hätte und sehr angenehm überrascht war). Für mich war es: Freundschaft. Sowohl mit sich selbst als auch mit den anderen, die diesen Weg gepilgert sind. Die meisten pilgern wohl um zu Gott zu finden. Wenn man der Meinung ist, das Gott auch in einem selbst ruht, dann muss man Freundschaft mit sich selbst schließen um Gott zu treffen. Das muss passieren,  bevor man mit anderen gute Beziehungen anfangen kann. Dort hat Hape Kerkeling einen Nerv getroffen, den hoffentlich noch viele andere herauslesen. Das Buch war ehrlich. Das imponiert mir gerade in der heutigen Zeit sehr.
Ein tolles Erzähltalent, ein gut geschriebener Bericht, Zeugnis eines Menschen, der losgegangen ist. Und last but noch least – ich habe sehr geschmunzelt und lief ein kleines Stück weit mit.
Ein tolles Buch!

Irisches Tagebuch – Heinrich Böll

Die verlorene Ehre der Katharina Blum gefiel mir ja in der Schule wirklich. Klar, hart &  gut. Irland ist ein wunderbares Stück Erde, die Beschreibungen von Böll treffen meiner Meinung nach zum Teil auch wunderbar den Alltag zu dieser Zeit, kleine skurrile Ereignisse die nur dieses Land zutage bringt. Trotzdem hatte ich mit einigen Abschweifungen, Verschachtelungen zu kämpfen, manches erschien mir doch recht wahllos aneinander gereiht. Wer sich für das Irland dieser Zeit interessiert und sich nicht an diesem Episoden/Tagebuch-Stil stört, für den ist es ein schönes, kleines Buch. Ich würde ihm eine 3 geben – nicht schlecht aber für mich auch nicht herausragend.

Englischer Harem – Anthony McCarten

Oft kommt die Anfrage: Ich brauche was zu lesen. Es soll Witz haben, gut erzählt und spannend sein. Aber nicht zu seicht, nicht zu hohe Literatur – eine packende Geschichte mit ungewöhnlichem Thema. Ab heute kann ich all diesen Menschen dieses Buch nur ans Herz legen.Ich habe einen herrlichen Urlaubstag damit verbracht und finde es richtig, richtig toll!

Wie der Titel schon andeutet, geht es in dieser Geschichte durchaus um einen Mann und seine 3 Frauen. Allerdings ist in diesem Roman auch nichts wie es scheint – McCarten spielt mit den Klischees und den Erwartungen des Lesers, packt seine Gesellschaftskritik in schön gestaltete Szenen und auf 582 Seiten kommt kein bisschen Langeweile auf. Als Tracy Pringle, 20 Jahre und Supermarktkassiererin ihren Eltern verkündet das sie heiraten wird, sind diese entsetzt. Als sie mitbekommen das der Auserwählte Perser ist und bereits 2 Frauen hat – Schock! Aber das ist nur der Anfang dieses grandios erzählten Romans der einen in seinen Bann zieht – mit sehr viel Witz, Weisheit, einem Aufruf für Toleranz…McCarten gelingt es sehr authentisch, die verschiedenen Kulturen zu mischen und sie zu Wort kommen zu lassen – kein erhobener Zeigefinger, wohl aber ein kluges Hinterfragen der eigenen, doch allzu oft festgezurrten Meinung. Gespickt mit vielen absolut tollen Sätzen, die mich beeindruckt haben!

„Was ist denn Schlimmes daran, wenn manch einer mit dem Leben einen Kompromiss schließt? Wer hat ein Recht zu urteilen, wenn er nichts weiß über das Wie, Warum und Wozu? Das habe ich in meinem Leben gelernt – nach ein oder zwei Schiffbrüchen, da hält man sich an jedem Stück Treibgut fest, nur um zu überleben.“

Confessions of a shopaholic – Sophie Kinsella

Da mein Englisch ja doch immer mal wieder trainiert werden möchte, griff ich zu diesem Buch: nicht zu kompliziert, komisch und nicht zu schwer zu lesen. Hat alles gut gepasst, ich hatte kaum Verständnisprobleme und habe auch einige Male geschmunzelt. Rebecca Bloomwood, die Heldin dieser Reihe ist einfach so herrlich gezeichnet, das man großen Spaß beim Lesen hat…wenngleich man zwischendrin doch immer rufen möchte „Nein, lass die VISA Karte stecken!“ Aber wer hat sich nicht schon mal gerne erhaben gefühlt, gegenüber einer Buchfigur? Die absurdesten Hirngespinste und Kaufarien und vorallem – ihre erfolglosen Versuche, von „Cut Back“ oder als das nicht fruchtet „Making more Money“ sind einfach klasse.

Leichte, lockere Unterhaltung mit Witz. Ein kleines bisschen Rebecca steckt wohl in jedem von uns…

Die Macht des Zweifels – Jodi Picoult

Es war ein Doppelband und der Einfachheit halber, habe ich beide Bücher am Stück gelesen. Diesmal lautet das vorherrschende Thema Kindesmißbrauch. Die Staatsanwältin Nina Frost hat selbst schon viele Fälle von Kindesmißbrauch verhandelt. Als ihr eigener 5jähriger Sohn jedoch vergewaltigt wird, vertraut sie den Gesetzen alleine nicht mehr…Diese Picoult war etwas anders vom Aufbau her – weniger detailreich, die Figuren wurden mehr angerissen – im Mittelpunkt stand mehr die Frage nach Moral, nach Gesetz, nach Selbstjustiz – was ist richtig, wie darf man handeln? Wie gut schützt das Rechtssystem die Kinder? Die Figuren blieben für mich eher farblos, die Protagonistin erschien mir, trotz beschriebener Gefühle zu kalt, zu berechnend.  Trotzdem, das Buch las sich schnell und spannend und ist für Picoult-Fans auf jeden Fall wieder etwas!

Auf den zweiten Blick – Jodi Picoult

Als Cassie Barrett ihr Gedächtnis verliert und orientierungslos und verletzt auf einem Friedhof umherirrt, wird sie von Will, einem Polizisten aufgelesen. Ihr Mann, der berühmte Filmstar Alex Rivers identifiziert sie als seine Ehefrau…Cassie könnte glücklich sein, aber Alex kann seine Wut und Aggression nicht unterdrücken und läßt sie an ihr aus…Cassie muss sich entscheiden, was sie will und was sie verzeihen kann. Wieder eine gute Picoult, nicht so herausragend wie andere von ihr, aber ich würde wieder eine gute Note für packende Geschichte,  Perspektivwechsel und heißes Thema vergeben – wieder mal Lesefutter mit interessanten Figuren.

Also lieb ich ihn – Curtis Sittenfeld

„Eine Klasse für sich“ gefiel mir ja ausnehmend gut – locker zu lesen, schöne Intrigen und der Blick hinter die Kulissen. Also erwartete ich hier auch ähnliches – las aber einen zwar ganz netten, aber doch irgendwie sehr belanglosen Roman. Die Protagonistin hat keinen Respekt für sich selbst, keine Träume, Ziele, Erwartungen, nur dieses vage „Ich will einen Mann, geliebt werden“. Sie reflektiert zwar sehr viel, aber wirkliche Ergebnisse kommen dabei kaum heraus, zumindest empfinde ich nur am Ende eine gewisse Erkenntnis und Entwicklung. Mag sein, das es manchen so geht, das Menschen sich wirklich so entwickeln, ich jedenfalls hatte das Bedürfnis diesem Mädchen zwischendrin mal zu sagen, „Wach auf! Mach was draus, sitz hier nicht rum und verfall in eine Traumwelt!“ Insgesamt für mich nett, aber keine Empfehlung.

Afterdark – Haruki Murakami

Ich bin ja bekanntermaßen ein sehr großer Murakami Fan. Ich lese seine Bücher nur im Urlaub, mit ausreichend Zeit und Muße. Afterdark ist ja eines der dünnsten Bücher dieses Autors. Vielleicht liegt es daran – ich liebe seine so detailreichen, ausschweifenden Beschreibungen so sehr. Ich empfand keine besondere Bindung zu den handelnden Personen. Wer andere Werke von Murakami gelesen hat, dem wird Afterdark dennoch gefallen, weil er wieder einige typische Thematiken aufgreift, lose Enden zulässt und Fragen stellt, für die er so bekannt ist. Trotzdem für mich nicht der beste Murakami und als Einstieg nicht so geeignet. Ich dachte beim Lesen, es müsste ein früheres Werk sein, es ordnet sich aber eher in der Mitte ein. Vielleicht ein Experiment…;-) Weil es Murakami ist, lasse ich es ihm mal durchgehen…

Requiem für einen Henker – Jaques Berndorf

Meine liebe Kollegin A. hatte mir bei einem Besuch bei ihr letztens folgenden Anfang vorgelesen:

Leonhard Cohen sang drohend „First we take Manhattan“, die Katze Krümel raste in einem Anfall von Schwangerschaftsfieber über den Küchentisch und warf den Honigtopf um, das Telefon schrillte, die Türglocke läutete, und ein Mann brüllte: Briketts!“

Gradezu begeistert musste ich also diesen Herrn Berndorf mal lesen. Der Band ist „Siggi Baumeister auf Abwegen, die Erste“ also ein guter Einstieg, wenn man die Eifel-Krimis auch noch nicht kennt. Habe mir nach dem Genuss erstmal die anderen „Auf Abwegen“ und den ersten Eifel-Krimi (Eifel-Blues) bestellt…

Ich bin und war begeistert. Baumeister ist eine herrliche Figur, sehr in sich ruhend, aber lässt nicht locker. Ausserdem mit trockenem Humor und Liebe zu seiner Katze Krümel (was ich besonders gut finde, hat mein Kater doch den gleichen Namen!) ausgestattet – herrlich. Der Fall gefiel mir auch sehr gut, spannend und packend und kommt ohne großes „Trara“ aus. Tolle Schreibe, toller Fall, genialer Humor. Ich werde da definitiv noch mehr lesen…

Zum Abschluss noch ein Zitat…

„Also machte ich mich gemächlich auf, um zu sehen, was denn da Furchtbares geschehen war. Vermutlich hatten sie eine alte Keksdose gefunden und wussten nicht ob es eine Bombe war, oder eine Keksdose.“