Zwei Frauen – Diana Beate Hellmann

Dieses Buch ist ja schon ein wenig älter, die Thematik – die Auseinandersetzung mit Krebs, Tod, Lebenswillen allerdings immer aktuell. Auch wenn einige medizinische Details sich sicherlich heutzutage gewandelt haben, tut das der Intensivität dieses Buches keinen Abbruch. Als die junge Tänzerin Eva Martin die Diagnose Krebs bekommt, bricht eine Welt zusammen. Als sie im Krankenhaus mit Claudia Jakoby in ein Zimmer gelegt wird, kann sie mit dieser Person, die schimpft und zetert, sich über alles lustig macht und fluchend ereifert erstmal wenig anfangen. Doch gemeinsam geraten die beiden in einen Prozeß der klarmacht – so unterschiedlich sind beide nicht.

Das Buch hat mich zunächst mit seinem starken Schreibstil fasziniert. Später empfand ich ihn etwas weniger stark, was vielleicht aber auch an den Geschehnissen liegen mag. Das Buch ist teilweise ganz schön heftig, ich würde es sicherlich nicht jedem in jeder Lebensphase empfehlen. Man will es mal in die Ecke werfen, mal heult man und man ist mal voll Bewunderung für Claudia, mal ist man entnervt von Evas Höhenflügen und doch – hier kämpfen zwei Frauen und sie kämpfen um so viel.Hier geht es um Leben, Tod, um den Willen zu leben, um Schmerzen und um die Frage, was man eigentlich will.

Eine Empfehlung mit Vorwarnung, aber definitiv eine Empfehlung!

Zwei alte Frauen – Velma Wallis

Wieder ein Buch, das ich zusammen mit dem BriCom-Lesekreis gelesen habe. Mit einem Klick auf den Link könnt ihr die ganze Diskussion verfolgen.

Mir hat das Buch auch sehr gefallen. Mein Chef hatte mir das zu Anfangszeiten meiner Buchhändlerlehre ans Herz gelegt und meinte, das wäre wirklich eine Art „Klassiker„. Und wo er recht hat..;-)

Ich hatte es an einem Abend/Nacht durch. Das Buch ist so angenehm geschrieben, das man sich nicht langweilt, das man in der Geschichte steckt. Obwohl nicht viele Worte um die Gefühle gemacht werden (also schon beschrieben, aber sehr klar und ohne Ausschweifungen) finde ich das man sich sehr klar reinfühlen kann, weil auch Raum bleibt, für die eigene Fantasie. Ich fühlte mich teilweise so, als würde ich danebensitzen.

Enorm stark fand ich, das die beiden Frauen auch wahrnehmen, das ihre Haltung zu der Zeit als sie zurückgelassen wurden, falsch war. Grade in etwas höherem Alter erfordert es Mut und Kraft, soetwas zuzugeben und auch wirklich etwas zu ändern. Aber das tun die beiden – fand ich klasse!

Was ich deshalb auch aus diesem Buch mitnehme ist: Bevor ich mich ergebe und vielleicht einer Meinung von anderen über mich ergebe, will ich eben doch „handelnd sterben„. Das hat sich tief eingeprägt.

Eine der Teilnehmerinnen unseres Lesekreises schrieb, das sie dieses Buch noch oft verschenken würde. Ich kann mich nur anschliessen – ein wunderbares, kleines Geschenkbuch. Die schöne Hardcoverausgabe von Piper sieht auch toll aus!

Sunwise Turn: Zwei Buchhändlerinnen in New York – Magde Jenison

Dazu kann man nur sagen: Ein Buch das von der Liebe zu Büchern, Literatur und Kunst lebt. Erstaunlich wie wenig sich teilweise etwas geändert hat im Buchhandel, bedenkt man, das dieses Buch aus den 20er Jahren stammt. Einfach eine Hommage an Bücher und das Verkaufen derselben. Klug und klar geschrieben, sicherlich auch ein bisschen missionarisch – aber wer findet es nicht charmant, wenn man über Bücher ins Schwärmen gerät?

Mein liebster Satz: „In einer Buchhandlung kann alles mögliche passieren“

Ein kleines, besonderes Buch das ich sehr gerne ans Herz lege!

Jetzt ist Heute – Kora Decker

Kora Decker beschreibt, wie sich ihr Leben verändert, nachdem sie an Brustkrebs erkrankt ist. Solche Bücher empfinde ich als schwer zu rezensieren – sind die meisten doch keine Schriftsteller, deren Stil man vielleicht kritisieren würde – es geht viel mehr um Inhalte. Ich würde sagen: viel Einblick für Menschen, deren Freunde oder Verwandte auch an Krebs erkrankt sind. Eine ganz eigene Art von Auseinandersetzung mit der Krankheit – es gibt für jeden nur eine Art und die muss jeder für sich selbst finden. Frau Decker hat mit Humor und mit sehr viel Willen um das Leben gekämpft. Das hat mir imponiert. Ich wünsche ihr von Herzen das alles gut bleibt.

Die Stunde in der ich zu glauben begann – Wally Lamb

Als mir dieses Buch ins Haus flatterte, hatte ich noch nichts anderes von Wally Lamb gelesen.Nach der Lektüre werde ich das aber definitiv nachholen.Wally Lamb verwebt die Ereignisse von dem Amoklauf in der Columbine High School  (und dort benutzt er die echten Namen und Geschehnisse) mit der persönlichen (fiktiven) Familiengeschichte seiner Protagonisten. Maureen, eine Schulkrankenschwester die in der Bibliothek in einem Schrank versteckt miterleben muss, wie Schüler erschossen werden, leidet nach den Ereignissen, ist traumatisiert und rutscht immer mehr ab. Maureen und ihr Mann Caelum, der diese Geschichte erzählt, werden über einen langen Zeitraum hinweg begleitet, seine Figuren suchen nach Sinn und einem Neuanfang – immer wieder. Lamb hat hier ein großes Werk geschaffen, wo nicht nur ein roter Faden sondern viele gesponnen werden. Die Moral und Handlungsweisen der Menschen stellen sich in Frage und nicht zuletzt ist der Roman sehr bewegend und ich bin sicher das nicht nur mir an einigen Stellen des Romans die Tränen kamen.

Schnörkellos, dafür aber genau und detailreich beschreibt Wally Lamb diese Auseinandersetzungen mit Ereignissen, Tragödien und Geheimnissen. Auch Briefe, Emails und Erzählungen aus der Vergangenheit der Figuren haben ihren Platz und lockern so die Geschichte noch etwas auf. Dieses wirklich dicke Buch lohnt aber jede Seite – ein großer Roman über Menschlichkeit.

Die Fahrt – Sibylle Berg

Von Frau Berg erwarte ich ja schon einiges. Schnodderig-hingerotzt, mit einer Wut und im Endeffekt ist eh alles scheisse. Es wird geraucht, gesoffen, Drogen konsumiert und jeder tut es mit jedem. So ist es auch in „Die Fahrt“. Allerdings greift die Autorin hier ein etwas anderes Thema auf, die Rastlosigkeit und den Sinn des Lebens (so denn es überhaupt einen gibt). Das die Möglichkeit, alles zu tun und überall wohnen zu können, manchmal einsamer und unglücklicher macht als 30 Jahre im selben Dorf zu wohnen. Ihre Figuren sind miteinander verwoben, ohne es immer zu wissen. Jeder kennt jeden. Die Scheiss-Erde ist zu klein, so spielt dieses Buch in Berlin, Island, Amerika und noch vielen anderen Orten…. Mir hat diese, durchaus für echte Fans etwas zu gemässigte Frau Berg gut gefallen. Denn die lässt ein kleines Fünkchen Hoffnung sprühen. Und so „scheisse“ das Leben ihrer Protagonisten auch ist – irgendwo sind es doch alles Menschen mit diesem nur allzu menschlichen Durst nach Heimat.

Hühnersuppe für die Seele: Für Frauen – Canfield/Hansen

Ja, von der Hühnersuppe kann ich persönlich einfach nicht genug bekommen. Zu schön und bewegend sind diese Geschichten für mich. Hühnersuppe für Frauen speziell hat mir wieder sehr gut gefallen, viele Geschichten rühren spezielle Punkte an, ob das der Verlust ist, die Beziehung zwischen Müttern und Töchtern oder die Geschichten von beeindruckenden Frauen, die ihr Leben zu etwas besonderem gemacht haben, auch für alle Menschen um sie herum. Ich kann diese Hühnersuppe nur wieder empfehlen!