Liebesgedichte – Mascha Kaléko

Ich muss zu dieser Frau eigentlich nichts sagen, außer das sie eine meiner liebsten Lyrikerinnen überhaupt ist. Sie ist absolut wunderbar, traurig, melanchonisch, trotzig, herzlich, realistisch, verträumt und so tief. Dieser wundervolle Gedichtband lohnt sich jede Seite! Ich zitiere hier einfach mal eines meiner liebsten Gedichte von ihr…

Für Einen
Die Andern sind das weite Meer.
Du aber bist der Hafen.
So glaube mir: Kannst ruhig schlafen,
Ich steure immer wieder her.

Denn all die Stürme, die mich trafen,
Sie ließen meine Segel leer.
Die Andern sind das bunte Meer,
Du aber bist der Hafen.

Du bist der Leuchtturm. Letztes Ziel.
Kannst Liebster, ruhig schlafen.
Die Andern…das ist Wellenspiel.
Du aber bist der Hafen.

(Mascha Kaléko, 1912-1975)

Ich, Adrian Mayfield – Floortje Zwigtmann

Ein historischer Jugendroman der im Dunstkreis von Oscar Wilde spielt? Schönes Cover und aus dem Hause Gerstenberg – das Buch war gekauft! Mir hat das Buch gut gefallen, es ist aber einer der Spezialfälle, die ich nicht jedem in die Hand drücken würde. Dafür das es ein Jugendbuch ist, geht es ordentlich zur Sache, das mag nicht jedermanns Geschmack sein – aber die Szenerie wirkt nie übertrieben oder voyoristisch. Adrian Mayfield ist eine interessante Figur, die historische Umgebung von London und die Beschreibungen der Gruppierung um Oscar Wilde, Künstler, Journalisten, Maler, Schriftsteller sehr bunt und „nah“ dargestellt. Ein ganz anderer Coming-Out Roman, der so endet, das ich mir die Fortsetzung definitiv zulegen werde. Ein paar kleine Längen hat das Buch, die verzeihe ich ihm aber gerne.

Schimmer – Ingrid Law

Dieses Buch hat mich wirklich begeistert! Ich habe es mir vordergründig deshalb gekauft, weil ich es vorgelesen bekam:  im Rahmen des Finales vom Vorlesewettbewerb, der in Berlin stattfand. Diese Veranstaltung dürfte ich aufgrund eines gewonnenen Schaufensterwettbewerbes besuchen – es war absolut genial. Aber zurück zum Buch: Das Mädchen das aus diesem Buch vorlas, hat mir eine Gänsehaut verpasst und ich wollte das Buch danach unbedingt lesen. Kompliment an Dich!

Mit 13 bekommen die Mitglieder der Familie Beaumont ihren „Schimmer“. Ihr Bruder Fish kann Stürme herbeirufen, Rocket verursacht Stromausfälle. Ihre Mutter ist vollkommen in dem was sie tut. Mibs kann es kaum erwarten, selbst 13 zu werden und ihren „Schimmer“ zu bekommen – das kann so gut wie alles sein. Als kurz vor ihrem Geburtstag ihr Vater, genannt Poppa einen schweren Unfall hat, braucht Mibs allerdings mehr als ihren Schimmer, um zu ihrem Poppa zu kommen.Eine abenteuerliche Reise beginnt.

Was zunächst anmutet wie Fantasy, ist sehr bodenständig. Eine Reise die alle Mitglieder der Familie Beaumont und ihre Freunde verändert, die sich dem Thema Älter werden, Verantwortung und sich selbst erkennen auf eine ganz andere Weise nähert. Die Figuren haben mir alle sehr gut gefallen und ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Tolles Jugendbuch das Spaß macht, eine tolle Grundidee hat und sich sehr angenehm von vielen anderen Neuerscheinungen abhebt!

Die Chirurgin – Tess Gerritsen

Ab und an lese ich dann ja mittlerweile doch mal Krimis. Und zum Antesten der Reihe um Jane Rizzoli habe ich mal dieses Werk von Gerritsen gelesen.Ein sehr detailreicher Krimi, mir teilweise eindeutig zuviel und zu plastisch beschrieben – es grummelte doch schon im Magen. Insgesamt mag ich es ein bisschen weniger blutig und weniger gewalttätig. Trotzdem ließ der Krimi sich gut lesen, war schnell durch und der Fall blieb auch recht spannend. Ich würde noch mal etwas von der Autorin lesen, es eilt aber nicht.

Hand aufs Herz – Anthony McCarten

Erscheint im September 2009!

Es klingt ein bisschen, ja gradezu seltsam, das Geschehen in McCartens neuem Roman. Aber dieser Autor scheint ja eine Vorliebe für ungewöhnliche Ereignisse zu haben. Ich jedenfalls liebe ihn dafür! In diesem Fall gibt es ein Auto zu gewinnen: wenn man nur lange genug die Hand darauf hält, ohne loszulassen. Das klingt schräg? Ist es auch! Und es zieht einen Haufen Menschen an, junge, alte, ehemalige Soldaten, Verlierer, reiche Yuppies und mehr. Für viele ist es Spaß oder Herausforderung – für einige Teilnehmer steht aber noch viel mehr auf dem Spiel. Wer wird gewinnen? Wer hätte es moralisch verdient, zu gewinnen? Hier wird wieder ein Geflecht gesponnen aus interessanten Figuren, einer temporeichen Handlung und vielen aufgeworfenen Fragen – und das ganze gleitet trotz Witz und Sarkasmus nicht in Slapstick ab! Diogenes hat mit diesem Autor einen echten Glückstreffer gelandet – weiter so!

Wie ein Wanderer in mondloser Nacht – Dai Sijie

Erscheint im August 2009!
Nachdem ich ja von „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ so überaus begeistert war, habe ich mich voller Vorfreude auf das Leseexemplar vom neuen Sijie gestürzt! Die Verlagsvertreterin warnte mich etwas vor, die ersten 60 Seiten wären ein wenig holprig, aber das würde sich dann geben. Es ist schwierig dieses Buch zu fassen: es hat wundervolle, sehr intensive Passagen, es ist sehr speziell, es taucht tief ein in eine Kultur und deren Künste und Eigenheiten, die mir als Westler sehr fremd sind. Und immer wieder – diese Sprache! So kunstvoll und schön. Was es für mich trotzdem schwierig machte, sind viele Geschichten innerhalb der Geschichte, viele, viele Namen, zuwenig von der (durchaus toll konstruierten) Handlung. Diese spielt zwischen einer französischen Studentin und einem chinesischen Gemüsehändler, die eine gemeinsame Suche verbindet…Manchmal musste ich mir einen kleinen Ruck geben, um weiterzulesen. Ein nicht so leichtes Buch und trotzdem bin ich froh, es gelesen zu haben – denn die kleinen Perlen innerhalb es Buches machen es lesenswert. Dazu ein wunderschöner Titel, eine tolle Gestaltung von Piper….bei Büchern gibt es eben nicht nur Gut oder Schlecht. Trotzdem reicht es einfach nicht an „Balzac…“ heran, was mich sehr begeistert hatte.

Tote Mädchen lügen nicht – Jay Asher

Dieses Leseexemplar fand ich schon in der Verlagsvorschau spannend. Hannah begeht Selbstmord und nach ihrem Ableben tauchen 7 Kassetten, in einem Schuhkarton verpackt bei ehemaligen Schulkameraden die mit ihr zu tun hatten auf. Allerdings hatten sie wohl nicht nur das…Hannah beschuldigt jeden einzelnen, Mitschuld an ihrem Tod zu haben. Die Idee allein ist sehr packend, der Ich-Erzähler Clay hört sich die Kassetten nach und nach an, vermischt die Stimme auf dem Band mit seinen Erinnerungen…ein tolles Jugendbuch, auch für eher-wenig-Leser. Einen kleinen Abzug gebe ich für die Sichtweise Hannahs, die ich zum Teil nicht nachvollziehen kann, das mag an den etwas anderen Werten in den U.S.A liegen. Das Ende hingegen fand ich im Gegensatz zu einigen anderen Lesern sehr gut & passend.

Der letzte Agent – Jaques Berndorf

Man merkt, Siggi Baumeister und seine Katze Krümel lassen mich absolut nicht los. In diesem Buch wird „Tante Anni“ vorgestellt, die wohl später noch mal eine größere Rolle spielen wird. Soso. Der Titel verrät es schon – Agenten-Krimi!. Da ich ein 86′ Jahrgang bin, musste ich mich ein bisschen in die politischen Gegebenheiten Anfang der 90′ Jahre reindenken, aber sobald das geschafft war – ein toller Krimi! Sehr undurchsichtig, ein überraschendes Ende und unterschiedlichste Ansätze, die das ganze würzen – ab und an etwas holprig, was ich aber eigentlich gerne verzeihe. Ich wiederhole mich aber – klasse Unterhaltung. Berndorf macht einfach Spaß!

Eine Reise nach Genf – Jaques Berndorf

Hier handelt es sich um einen „Siggi Baumeister“ auf Abwegen, der Fall spielt also nicht in der Eifel. Wie sich schon erahnen läßt, spielt dieser zu Großteilen in Genf und Umgebung. Ein bisschen schade ist es natürlich um das Eifel-Flair, andererseits ergibt es auch andere Facetten von Baumeister und man versteht nur noch besser, was ihn eigentlich in die Eifel zieht. Der Fall an sich ist spannend, politisch und mitunter nicht grade ungefährlich für Baumeister. Nicht der beste aber innerhalb der Reihe wieder toll! Ich denke ich würde zunächst die Reihe lesen und dann die „Auf Abwegen“ nachschieben…das geht ganz gut.

Eifel-Blues – Jaques Berndorf

So, um chronologisch korrekt zu bleiben, habe ich mir den ersten Eifel-Krimi besorgt. Was soll ich sagen? Katze Krümel kommt oft vor, wir lernen Siggi Baumeister und seine etwas anderen Arbeitsmethoden kennen (und schließen seine schnoddrige Art sofort ins Herz) und der Fall war auch schön undurchsichtig und spannend. Genau solche Krimis mag ich! Ungewöhnlich, witzig, toll zu lesen! Ich freue mich schon auf die nächsten…