Als Finn und Chloe die Entführung von Chloe vortäuschen, geht nur anfangs alles „gut“. Und Finn befindet sich im Zwiespalt – noch viel mehr, als ein Mitschüler verdächtigt wird, Chloe etwas angetan zu haben… Zunächst mal hält man hier einen richtig gut gemachten Jugendkrimi in den Händen. Aber in dem Buch steckte, wie ich erfreut festgestellt habe, durchaus noch mehr. Die Frage, wieviel eine Freundschaft aushalten kann und auch warum sie entsteht – und wann aus Spiel Ernst wird ist hier äußerst spannend behandelt worden. Gerade dieser nachdenkliche Part macht für mich das Besondere dieses Buches aus.
Nathalie küsst – David Foenkinos
Auf dieses Buch bin ich durch eine Empfehlung von Christine Westermann gekommen. Und welch ein Glück! Man sollte meinen, eine Liebesgeschichte die mit dem Tod des Partners beginnt, wäre eher traurig. Das ist dieses Buch durchaus – aber eben nicht nur. Denn wie Nathalie sich ins Leben zurückkämpft oder eher – zurückküsst – das liest sich einfach so bezaubernd und leichtfüßig, besonders durch die spezielle Gestaltung innerhalb des Buches. Weder durch Titel, noch durchs Cover abschrecken lassen! In diesem Buch steckt eine Liebesgeschichte die man nicht verpassen sollte!
Boys don’t cry – Malorie Blackman
Eine gewagte Perspektive: Dante hat gerade seinen Abschluss gemacht, alle Türen stehen ihm offen – er will endlich das Elternhaus, das seit dem Tod der Mutter ungemütlicher wurde und den anstrengenden, stets mit ihm konkurrierenden kleinen Bruder Adam hinter sich lassen. Da konfrontiert ihn seine Exfreundin mit der Tatsache, das er eine Tochter hat – und diese ist schon fast ein Jahr alt. Als die Mutter sich, mit der Erziehung überfordert, aus dem Staub macht, steht Dante erstmal da – alleine, mit einem Baby und voller widersprüchlichster Gefühle. Seinen Weg zu verfolgen, wie aus anfänglicher Ablehnung, Überforderung und ja auch Zweifel an der Vaterschaft überhaupt, später dann langsam eine Vater-Tochter-Beziehung entsteht und Dante um seine kleine Familie kämpft – das ist so eindringlich und bewegend geschrieben, das ich mehr als einmal gerührt war. Dabei ist das Buch nicht geschönt oder kitschig – es hat harte, realistische und heftige Szenen. Besonders beeindruckend fand ich das hier mal eine sehr seltene Konstellation beschrieben wird, noch dazu von einer Autorin. Für mich hat sie die Geschichte gut eingefangen, auch die Familie um Dante herum, der Vater der für seinen Sohn eine glänzende Zukunft erhoffte und doch auch um seine neue Rolle als Großvater weiß. Der Dante unterstützen will, aber weiss – er muss seinen eigenen Weg finden. Der schwule Bruder der um Anerkennung innerhalb seiner Familie kämpft aber sofort das Herz der kleinen Tochter erobert. All das macht diesen Roman zu einem gut lesbaren, packenden Jugendbuch.
Fat Cat – Robin Brande
Eigentlich war ich zuversichtlich, das ich zu diesem Buch einen richtig tollen Leseeindruck schreiben kann. Da landete ich allerdings (wie immer gern) bei Christine von Lesemomente. Und ihre Rezension dieses ungewöhnlichen Jugendbuches ist so treffend, das ich garnicht erst versuche es ist noch passendere Worte zu kleiden und euch einfach zu Christine schicke: Bitte hier entlang! Danke meine Liebe!
Hasenleben – Jens Steiner
Im Zuge eines Lesekreises der Longlist des DPB, hier mein Diskussionsbeitrag: Also, Hasenleben. Ich war zunächst sehr angetan – eine tolle Sprache, sehr lebendige Sprachbilder vor meinem Auge – die Geschichte fand ich zu Anfangs auch spannend. Das ging so über weite Strecken und man wusste nicht so genau wohin der Autor steuerte. Dann gab es (auch erzählbedingt) einen Bruch im Buch der mich überhaupt nicht ansprach. Im Nachhinein wars verständlicher, ich hab mich aber einige Seiten lang gequält. Danach wars aber wieder okay. Insgesamt also immer noch eine gute Note, wäre da der Bruch nicht gewesen…irgendwie schad.
Léon und Louise – Alex Capus
Dieses Buch hat mich bezaubert – durch einen leichten (aber nicht seichten) Erzählstil und Figuren die sich einprägen – ich sehe da so viele Bilder vor meinem inneren Auge entstehen. Obwohl es zur Besatzungszeit in Frankreich spielt verliert es nie diese gewisse Leichtigkeit. Einfach ein toller, prallvoller Roman einer ganz besonderen Begegnung und Liebe. So stelle ich mir einen gelungenen Roman vor!
Zoë – Clay Carmichael
Allein das Cover dieses Buches hat mich sofort angesprochen. Noch dazu Hanser, ein toller Verlag der grade bei Jugendbüchern sehr oft bereits meinen Geschmack getroffen hat – auch hier wieder! Die zwölfjährige Zoë die nach dem Tod ihrer Mutter zu ihrem Onkel Henry (einem ausgemachten Eigenbrötler) zieht, hat es mit ihrem Onkel nicht grade einfach getroffen. Er kennt sich mit Jugendlichen nicht aus – sie ist den mürrischen, schweigsamen Mann nicht gewohnt. Wie sich zwischen den beiden nach und nach Nähe entwickelt, beide lernen die Grenzen des anderen zu erkennen und ihm einen Teil ihrer eigenen Welt zu zeigen – das liest sich sehr zart und besonders.
Der Hals der Giraffe – Judith Schalansky
Im Zuge eines Lesekreises der Longlist des DPB, hier mein Diskussionsbeitrag: Das passte für mich, jetzt mal rein von der literarischen Komponente prima auf die Longlist – vielleicht sogar die Shortlist. Ein sehr klarer, prägnanter Stil, fast schon ein wenig wütend, manchmal sehr stakkato. Von der Geschichte her (es sind 3 Tage im Leben einer Biologielehrerin) hat es mich so mittelmässig angesprochen – ein paar Dinge fand ich sehr vorhersehbar, einiges wiederholte sich ein wenig. Was aber wirklich genial gemacht ist, die Ausstattung (wunderschön, bei Suhrkamp) grafisch sehr ansprechend – auch innerhalb des Buches viele Illustrationen. Und da bekommt die Geschichte dann auch wieder einen Stern mehr von mir – die Übertragung von Biolgie und den „Arten“ auf eine Schulklasse, die Verknüpfung dieser beiden „Aufzuchtbecken“ sozusagen, das ist schon sehr gekonnt (vorallem wenn ich das Alter der Schriftstellerin bedenke). Doch, hat sich gelohnt.
Gruber geht – Doris Knecht
Im Zuge eines Lesekreises der Longlist des DPB, hier mein Diskussionsbeitrag: In einigen Einschätzungen kommt der ja nicht so gut weg. Ich verstehe auch durchaus wieso, allerdings habe ich mehrfach gelesen, das nur die ersten 30 Seiten angelesen werden und das wird dem nicht gerecht. Meiner Meinung nach bekommt das Buch später noch einiges mehr an Facetten. Ich finde es ist böse, zynisch, natürlich mit Übertreibung als Stilmittel. Ich finde es aber auch erfrischend, mal eine wirklich so unsymapthische Hauptfigur zu erleben. Auch die kurzen Episoden die eingestreut sind von den Menschen um ihn herum, ergeben nochmal ein runderes Bild. Ich habs an einem Abend gelesen und mich gut unterhalten gefühlt. Für die Longlist ein guter Kandidat, auf der Shortlist sehe ich ihn (bisher) eher nicht, dafür fehlt wahrscheinlich dann doch noch ein Quentchen.(Und damit hatte ich dann ja auch recht).
Bitte 2x Wolke 7 – Jutta Wilke
Wie war das eigentlich nochmal, so mit 15? Der ganze Sommer liegt noch vor einem, die Träumereien sind groß und vielleicht steht einem ja endlich mehr bevor als nur Küssen….wären da nicht noch so anstrengende Aspekte eines Teenie-Lebens wie die geschiedenen Eltern, des Vaters neue Freundin, der Schwarm der sich als seltsam unperfekt erweist und nerviger Nachhilfeunterricht. Und überhaupt: wie ist das eigentlich mit dem ersten Sex? Ich erinnere mich noch gut an die Sommer meiner Jugend und kann nur sagen, Jutta Wilke hat dieses Gefühl perfekt eingefangen!
Das leichte Kribbeln, das Gefühl auch mal von allem verlassen zu sein, aus dem Bauch zu handeln ohne an die Konsequenzen zu denken. Ihrer Hauptfigur haften sehr sympathische, lebendige Züge an und das Buch hat soviele liebenswerte Einfälle. Das perfekte Sommer-Ferien-Buch für alle die jung sind. Oder nochmal wissen möchten, wie sich das damals angefühlt hat…Danke für die Zeitreise ;-)