Vom ersten Buch an bin ich großer Fan der Jugendbücher von Jenny Valentine. Glücklich bin ich mit dem Leseexemplar nach Hause gestiefelt, gespannt darauf, wie sie sich diesesmal schlägt. Und meiner Meinung nach legt sie mit diesem Jugendroman das beste Buch vor, das sie bisher geschrieben hat. Eine so spannende, intensive Geschichte rund um Cassiel, der Junge von der Straße, der die Identität eines ihm extrem ähnelnden Jungen annimmt, der seit Jahren vermisst wird. Was er damit auslöst, kann keiner voraussagen – und auch ich konnte es nicht. Ich saß gebannt vor dem Buch und konnte es nicht unterbrechen – so muss Jugendliteratur sein: gut erzählt, spannend und mit glaubhaften Figuren. Würde ich Sterne vergeben: hier wäre die Höchstzahl angebracht!
Walden – Henry David Thoreau
„Ich war unabhängiger als irgendein Farmer in Concord, denn ich war nicht an ein Haus oder eine Farm verankert, sondern konnte dem Flug meines Genius, der sich jederzeit gern in Zickzacklininien ergeht, folgen.“
„Auf die Beschaffenheit des Tages selbst einzuwirken das ist die höchste aller Künste. Jeder Mensch hat die Aufgabe, das Leben selbst in seinen Einzelheiten der Betrachtung seiner höchsten und kritischsten Stunde würdig zu gestalten“
Und natürlich kennt fast jeder das wunderbare Zitat, das in diversen Übersetzungen herumgeistert, wohl am bekanntesten ist die verwendete Form in „Der Club der toten Dichter“
Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohlüberlegt leben; intensiv leben wollte ich. Das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten was nicht Leben war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, daß ich gar nicht gelebt hatte.
Was soll ich sagen? Ich habe extrem viele Zitate aus diesem Buch niedergeschrieben. Es ist mehr als nur eine romantische Auseinandersetzung mit dem Allein-Sein. Es ist philosophisch. Es geht in die Tiefe. Es ist eine Auseinandersetzung mit Arbeiten, mit Konsum, mit der Frage was und wieviel man zum Leben braucht. Es sind Naturbetrachtungen, das Leben mit dieser (ehrlicherweise der Part der mich am wenigsten ansprach, Naturbetrachtungen sind generell nicht meine Baustelle). Es ist ein Experiment. Es hat heute noch Bestand, vielleicht sogar noch mehr, obwohl sich soviel in unserer Welt geändert hat. Es ist beeindruckend, bleibt haften und ändert den Blick.
Es ist ein Buch zum Entschleunigen. Zum Nachdenken. In der Sauna lesen. Im Wald. In Ruhe. Oder zur Fastenzeit, für mehr Klarheit, für Offenheit und die ein oder andere Frage an sich selbst.
Das glücklichste Kleinkind der Welt – Dr. Harvey Karp
Mit ein wenig Abstand der Leseeindruck, weil sich bei so einem Ratgeber ja auch erstmal herausstellen muss, ob er auf lange Sicht hilfreich war. Generell war das Buch nicht verkehrt, mir gefiel der Blick auf das Kleinkind gut, viele Verhaltensweisen und Situationen waren realistisch geschildert und gaben den Alltag wieder ohne ihn zu verklären oder zu dramatisieren. Die Methoden die im Buch vorgestellt wurden, waren während des Lesens recht inspirierend – wirkten einleuchtend. Allerdings konnte ich nur wenig davon wirklich umsetzen, manches hat bei uns einfach nicht funktioniert/war nicht praktikabel/nicht nötig. Die Methoden die wir allerdings konsequent gebraucht haben, waren hilfreich. Von daher: kein Muss aber durchaus ein Kann!
Das also ist mein Leben – Stephen Chbosky
Als ich im Nachgang den englischen Titel erfahren habe, dachte ich nur: Das passt noch viel besser! „The Perks of Beeing a wallflower“. Denn genau das ist Charlie, der Protagonist – schüchtern und introvertiert, nicht unbeliebt aber er fällt auch nicht weiter auf. Das Buch besteht aus Briefen die Charlie schreibt. Man weiss nicht an wen, das ist aber auch nicht weiter wichtig.
Wie hier über das Erwachsenwerden geschrieben wird, das dazugehören wollen, die schwierigen Entscheidungen, den ganz normalen Highschool-Wahnsinn – das hat mich total durchgeschüttelt – ich habe schon lange nicht mehr bei einem Buch geweint, hier mehrfach. Chbosky schafft es einen Ton anzuschlagen der mir ganz tief durchgeht – jedem der sich mal unverstanden fühlte oder einsam war, wird es ebenso gehen. Aber nicht nur das – dieses Buch rührt auch ein äusserst sensibles Thema an, das erst nach vielen Schichten zu Tage gefördert wird. Und man möchte Charlie einfach in den Arm nehmen und sagen: Es wird gut. Du bist gut, wie Du bist. Für mich eines der Bücher die tief unter die Haut gehen und was man immer wieder aufschlagen wird. Und so schön, das man spürt wie Charlie langsam aus seinem Schatten heraustritt, je mehr Briefe er schreibt – ihn dabei zu begleiten – eine Ehre!
Paris Trout – Pete Dexter
Hier war ich eher enttäuscht. Das Buch hat sich für mich gezogen, die Geschichte kam nicht richtig in Gang und verlief sich wie Kaugummi der nicht recht vom Schuh will. Ich habe glaube ich eine ganz andere Auseinandersetzung mit Rassismus und Kleinstadt-Justiz erwartet und kam dann nicht klar. Ein bisschen schade, weil das Buch von einigen Kunden und Kollegen sehr geschätzt und oft empfohlen wurde, bei mir hat es leider nicht den Nerv getroffen.
Einmal – Morris Gleitzman
Manchmal macht man das ja so, im Urlaub…in anderen Buchläden stöbern. Da befand ich mich also in einem kleinen, gut sortierten Kinder- und Jugendbuchladen und zog dieses Buch heraus, weil mich das Cover ansprach. Las die erste Seite und fand diese erste Szene schon so eindringlich, das ich dieses Buch dann, wieder zuhause, direkt bestellt habe.
Ich glaube das es sehr schwer ist, über die Erlebnisse von Kindern zur Zeit des zweiten Weltkriegs zu schreiben, soviele Facetten die dabei bedacht werden wollen – und soviele schreckliche Dinge die passiert sind – und das für Kinder? Hier kann ich bei diesem Buch nur uneingeschränkt sagen: Ja! Lest dieses Buch mit euren Kindern und redet darüber! Felix ist 9 Jahre alt und altert innerhalb des Buches erschreckend schnell – denn er muss erwachsen werden. Ausnahmsweise möchte ich hier mal eine Paralelle ziehen zu einem anderen Buch das eine ähnliche Thematik und einen ähnlich alten Protagonisten hat, John Boyne mit „Der Junge im gestreiften Pyjama“ – dieses Buch habe ich damals ziemlich kritisch beurteilt, es erschien mir sehr naiv und unglaubwürdig. Dagegen ist Gleitzman hier etwas gelungen, was ich als deutlich realistischer empfand: ein zunächst noch naiver, vertrauender Felix, der fest an ein Wiedersehen mit seinen Eltern, jüdische Buchhändler aus Polen die ihn vor 3 Jahren in einem Waisenhaus unterbrachten um zu „reisen“, glaubt. Nach und nach merkt und lernt Felix allerdings, was es 1942 bedeutet, Jude zu sein, auf der Flucht zu sein und sich zu verstecken.Und er steht für sich ein und die Menschen die ihm helfen und beistehen. All das hält er in seinem Tagebuch fest und erzählt Geschichten und vorallem diese eine, seine Geschichte, die ihm hilft zu überleben.
Mir liefen mehrfach die Tränen. Mich hat dieses Buch so berührt und es geht mir auch noch nach Wochen so, das es mich begleitet. Für mich ist diese Reihe (dazu mehr in den weiteren Leseeindrücken) wirklich einfach nur beeindruckend. Gegen das Vergessen. Für Menschlichkeit.
Die Klatschmohnfrau – Noëlle Châtelet
Hier möchte ich mit ein paar Zitaten beginnen – da ich es mit einem Lesekreis gelesen habe, habe ich folgendes dazu notiert:
Ein Stoßseufzer der Seele im Reinzustand (S.32)
Für mich einer der schönsten Sätze des Buches!
Einfach ein ganz feines, kleines Buch. Ein schönes Geschenk. Und es kommt auch so versöhnlich daher, ohne sich dabei anbiedern zu wollen, das gefällt mir. Ich habe die wunderhübsche Leinenausgabe gekauft, die es gerade als Sonderedition gibt und diese eignet sich perfekt zum Verschenken!
Die Seelen der Nacht – Deborah Harkness
Ich habe mich wirklich gefragt: will ich noch so eine Vampir-Hexen-Geschichte lesen, noch dazu über 800 Seiten? Habe das Buch dann aufgeschlagen, eher um mich davon zu überzeugen das ich es nicht lesen muss – und mir gefiel der Anfang. Na gut, also bekam es seine Chance. Und ich las…und las…und freute mich immer abends, zu meinem Schmöker zurückzukehren…fühlte mich bestens unterhalten – alles drin: Liebe, Drama, sehr viele tolle Szenen die in der Universitätsstadt Cambridge spiele, eher ungewöhnliche Sportarten und Szenarien (und für Weinkenner die ein oder andere Empfehlung…)
Auch die Hauptfiguren sind gut gezeichnet, die Hexe eine kluge Frau mit Biss, der Vampir nicht nur unwiderstehlich sondern ebenfalls von Widersprüchen gezeichnet. Spannend, äusserst unterhaltsam und mal wohltuend anders – für jeden der noch einen tollen Roman für lange Herbstabende sucht: unbedingt zugreifen! Habe es jetzt mehrfach verliehen an Testleser und nach kürzester Zeit zurückbekommen: es wurde verschlungen ;-)
Mama, jetzt nicht! – Daniel Glattauer
Ein Band mit Kolumnen die Daniel Glattauer über die Jahre in einer Wiener Zeitung veröffentlicht hat. Ich sag mal: es war nett, einige Kolumnen haben mir sehr gefallen. Bei der einen oder anderen denke ich, wird der geneigte Österreicher sehr viel mehr lachen als ich, weil er einfach den Witz dabei versteht. Man kanns lesen, es ist jetzt aber kein Muss. Ich freu mich auf den nächsten Glattauer Roman!
Still Alice – Lisa Genova
Als die Harvard-Professorin Alice anfängt Dinge zu vergessen, kommt ihr das zunächst nicht besorgniserregend vor. Als sie sich eines Tages während dem Joggen orientierungslos auf einer Straße wiederfindet merkt sie aber – etwas ist hier ganz und garnicht in Ordnung. Die niederschmetternde Diagnose: Alzheimer. Und das mit gerade mal 50 Jahren. Alice kämpft, sie will nicht aufgeben – und ihre Familie kämpft mit ihr. Ihr Mann der zunächst nicht an die Diagnose glaubt, die Kinder die sehr unterschiedlich reagieren – und auch die Frage, wielange Alice noch weiterhin unterrichten kann – eine Frau deren Leben aus Linguistik, Vorlesungen und fachlich brillanten Tagungen bestand. Das Buch schafft es einen solchen Einschnitt ins Leben sehr eindringlich zu schildern, mehr als einmal flossen mir mit Alice zusammen die Tränen, weil man merkte: Sie muss sich von ihrem alten Leben verabschieden, ist aber doch noch da…
Der Buchtitel passt wirklich gut, die deutsche Version „Mein Leben ohne gestern“ trifft diesen Aspekt des Buches leider nicht richtig. Ein sehr aufwühlendes Buch!