Nur eine Ohrfeige – Christos Tsiolkas

Im Englischen lautet der Titel ein wenig passender „The Slap„. Ausgehend von dieser Ohrfeige die ein kleines Kind auf einem Barbecue unter Freunden bekommt (allerdings nicht von den Eltern) entfaltet sich anhand von 8 Episoden ein Blick auf  die unterschiedlichen Lebensentwürfe der Freunde – und vorallem ein Blick hinter die Fassade, hinter der es bei allen nicht halb so gut aussieht, wie sie vorgeben… Und anhand der Ohrfeige stellt sich die Frage: wofür stehen die Freunde? Wer hält zu wem? Welche Moral wird vertreten – und was kann man für sich selbst verantworten? Ein buntes Kaleidoskop an menschlichen Regungen, ein ziemlicher tiefer Sumpf an Vergehen, Übertretungen und Emotionen – Tsiolkas hat nicht gespart, er lotet mit einem gewissen Genuß die Untiefen aus, in die seine Figuren sich unaufhaltsam hineinmanövrieren. Das liest sich spannend, unterhaltsam, die Sprache ist manchmal derb aber wirkt nie aufgesetzt. In Australien war das Buch ein großer Erfolg und wurde für ABC TV verfilmt – kein Wunder, der Stoff überzeugt!

Harold and Maude – Colin Higgins

Hier bleibt mir nur zu sagen: ein wunderbares kleines Büchlein über das Sterben und das Leben – selten hat es jemand so gut auf den Punkt gebracht, wie diese beiden Ereignisse sich gegenseitig bedingen. Jeder sollte eine Maude in seinem Leben haben, jeder sollte singen und tanzen wenn ihm danach ist und sein ganz eigenes Leben leben. Ach, es ist einfach so ein großes JA zum Leben und nachdem ich den Film schon lange liebe, war diese Lektüre überfällig.

Margos Spuren – John Green

John Green ist so ein Autor der mich seit Jahren geradezu verfolgt. Seien es meine Kolleginnen die sich samt und sonders auf „Eine wie Alaska“ eingeschossen haben und das leidenschaftlich empfehlen, Besprechungen auf Blogs oder meine Freundin Christine von Lesemomente, die mir diesen Autor ebenso ans Herz legte. Nun lastet also gewisser Erwartungsdruck auf Herrn Green. Zum Glück weiss er ja nichts davon und hat hier ein Buch vorgelegt, das den ganzen Vorschusslorbeeren stand halten konnte. Er bevölkert das Buch mit vielen ungewöhnlichen Figuren, allen voran der geheimnisvollen Margo. Man spürt wie sehr ihm seine Figuren nahestehen, etwas was mich sehr für dieses Jugendbuch einnahm. Er hat mich mehrfach schwer grinsen lassen, weil ich die verrückte  Szenerie direkt vor Augen hatte   – um ein paar Sätze später schon fast wieder philosophisch zu werden, manchmal fast ein wenig schwermütig. Gerade diese Stellen haben es mir angetan. Es ist mehr als der typische „Roadmovie“, es ist eine temporeiche Geschichte über Abschiede, über Leben, über das Gesehen-werden und Freundschaft. Geht in Kopf, Herz und Bauch und bleibt. Empfehlung meinerseits!

Mein letzter Sommer – Cesarina Vighy

Hier habe ich etwas komplett anderes erwartet. Hinten aufgedruckt steht „Eine Hymne auf  das Leben im Angesicht des Todes“ – ich erwartete eine Auseinandersetzung mit der Krankheit ALS, dem Sterben, dem Tod. Ein Buch mit klugen Gedanken, ein Buch das mich nachdenklich macht. Vielleicht liegt es daran, das ich mit diesem Buch nicht warm geworden bin. Die Autorin schildert über weite Teile ihre Lebensgeschichte, die sich zwar ganz nett liest, mich jetzt aber auch nicht gefangennahm. Auf ihre Krankheit kommt sie erst spät zu sprechen, wirklich gedanklich auseinander setzt sie sich damit auf nur wenigen Seiten und auch diese bleiben seltsam flach, es wirkt etwas zusammengeschoben mit den Erinnerungen an ihr Leben. Es mag der Krankheit geschuldet sein, vielleicht wurde das Buch in größerer Eile fertiggeschrieben, das würde es erklären. Für mich war es in dieser Form eher sperrig zu lesen und es hinterliess keinen großen Eindruck bei mir. Sehr schade!

Cassia & Ky: Die Flucht – Ally Condie

Wie immer schwierig über eine Fortsetzung zu schreiben ohne zu spoilern, daher in gewohnter Kürze: für mich ein würdiger Nachfolger, etwas schwächer als der erste Band, damit aber immer noch packend, spannend und vorallem enthüllt sich hier einfach nochmal mehr, wieviele unterschiedliche Kräfte rund um die Gesellschaft in der Cassia & Ky leben wirken. Ich habs wieder in einem Rutsch gelesen, klasse Jugendbuch-Unterhaltung, wieder sticht die Geschichte aus den Massen der Dystopien, die der Markt gerade so hergibt heraus. Und wieder will ich wissen – wie geht es weiter?

Wiegenlied für kleine Ganoven – Heather O’Neill

Wenn man ein Buch beim Lesen immer wieder weglegt, spricht das nicht unbedingt für das Buch. Wenn man es aber weglegen muss, weil es einem ganz schön nahegeht, sieht der Fall schon wieder anders aus. Bei diesem Buch hat mich sofort das Cover angesprochen, der Titel, alles zusammen liess mich auf eine ungewöhnliche Geschichte hoffen. Die habe ich auch bekommen – allerdings ist hier wahrlich nicht mit einem launigen Handlungsverlauf zu rechnen. Ein Mann der mit 15 Vater wird und seine Tochter Baby nennt, die Mutter die es nach ihrem Tod den beiden überläßt, sich durchs Leben zu schlagen. Drogen, Sozialarbeiter, Wohnen in Absteigen die der Beschreibung spotten – aus der Sicht von Baby wird eine Kindheit erzählt, die mich ziemlich mitgenommen hat. Ob es nun der völlig überforderte, drogensüchtige Vater ist, Babys Klugheit, die durchblitzt und es ihr ermöglicht, in den Kleinigkeiten das Schöne zu sehen – es war ein ziemlich deprimierender Mix aus Faszination und Mitleid. Ich war fast ein wenig erleichtert, als ich das Buch zuklappte. Aber auch nur fast: Bücher sollen ja eigentlich genau diese Qualität haben: einen mitziehen, in die Geschichte, in die Atmosphäre, in die Gefühlswelt seiner Protagonisten. Das ich mich meist lieber in eine andere Art Geschichte ziehen lasse, kann ich dem Buch schwerlich anlasten.

Wie ein Flügelschlag – Jutta Wilke

Eine gespannte Erwar­tung erfüllte mich, als ich das neue, wun­der­bar gestal­tete Buch von Jutta Wilke end­lich in den Hän­den hielt! Vom ers­ten Moment an steckte ich in der Geschichte von Jana, die als Leis­tungs­schwim­me­rin ein Sport­in­ter­nat besucht. Als ihre Klas­sen­ka­me­ra­din Mela­nie tot in der Schwimm­halle auf­ge­fun­den wird, ist Jana  ent­schlos­sen den Tod der Freun­din auf­zu­klä­ren – denn die offi­zi­elle Begrün­dung eines Herz­ver­sa­gens schluckt sie nach eini­gen selt­sa­men Bege­ben­hei­ten zuvor nicht mehr…

Die­ser Jugend­krimi lebt aber nicht nur von der bis zum Schluss gro­ßen Span­nung, er zeich­net sich beson­ders dadurch aus, das er einen ganz nah heran lässt an Janas Gefühle. Ich spürte die Was­ser­per­len auf mei­ner Haut, tauchte unter und fühlte die Frei­heit die Jana im Was­ser emp­fin­det, weit weg von der klam­mern­den Mut­ter, dem Leis­tungs­druck und der gan­zen Welt. Die Atmo­sphäre in der Schwimm­halle, die Ver­zweif­lung Janas die gegen Mau­ern des Schwei­gens anrennt — all das hat Jutta Wilke zu einem packen­den Jugend­krimi ver­ar­bei­tet, den ich an einem Abend ver­schlun­gen habe! Die­ses Buch ist kein Sprung ins kalte Was­ser, son­dern in bes­tes Lesegewässer!

Vom Ende einer Geschichte – Julian Barnes

Es wundert mich absolut nicht, das Barnes für diesen Roman den Booker Prize bekommen hat. Von der ersten Seite an war ich in der Szenerie, es enthüllt sich nach und nach das Gesamtkunstwerk dieses Romans, es ist spannend, voller Wendungen und doch so schmerzlich nah an eigenen Erfahrungen, die man mit dem Protagonisten teilt – wow! Hier hat für mich wirklich alles gepasst – die Sprache, der Aufbau, die Geschichte, einfach alles. Das Buch hat mich berührt und begeistert zurückgelassen und jedesmal wenn ich darüber rede, gerate ich ins Schwärmen und bin ziemlich ergriffen. Wirklich, empfehlenswert, bitte kaufen, bitte ausleihen, Hauptsache – lesen!

Wie lange noch? – Hrsg. Sabine Ludwig

Ich bin ja ein großer Fan von Adventskalenderbüchern zum Vorlesen und pflege diese Tradition auch schon seit Jahren. Hier habe ich nun zu einem, liebevoll von Isabel Pin illustrierten Hausbuch gegriffen mit  24 Geschichten und einer Kleinigkeit zum Basteln im Umschlag. Der Mix aus alten, klassischen Geschichten und etwas neueren Autoren und Ansätzen, eingestreuten Rezepten, Liedern und Gedichten haben mir dieses Jahr die Weihnachtszeit versüßt. Das ist so ein Buch, das man jedes Jahr wieder hervorholen kann um seine liebsten Geschichten nochmal zu lesen. Eine gute Investition und ganz sicher nicht nur für Kinder.