Die wundersame Reise des kleinen Kröterichs – Yaakov Shabtai

Ein Kinderbuch das ich allein wegen des Anfangs kaufen musste – ein Buch indem die Hauptfigur ein kleiner Kröterich, genannt Klein-K. ist, kann doch nur wunderbar werden. Diese Geschichte, die ein wenig wie eine Fabel anmutet ist die Geschichte einer Reise, vom Erwachsen-werden, von falschen Freunden, bunten Erlebnissen, anstrengenden Tagen und der Suche nach sich selbst und dem schönsten Ort der Welt. Fast nebenbei fliessen so manche Lebensweisheiten ein und man kann diese Geschichte sicherlich mehrmals lesen und jedesmal wieder eine neue Facette entdecken. Definitiv nicht nur für Kinder sondern auch eine große Empfehlung für Erwachsene – eine besondere Perle im Kinderbuch, unangepasst, anders und erkenntnisreich.

Wachstumsschmerz – Sarah Kuttner

Wenn ich dieses Buch im Laden empfehle, beginne ich meist mit der Frage ob Sarah Kuttner bekannt ist. Oft genug bekomme ich die Antwort, Ja, wäre bekannt aber nicht soooo sehr das Ding des jeweiligen Befragten. Dann kommt meine persönliche Meinung zum Tragen: meines ist Sarah Kuttner nämlich auch nicht so unbedingt, zumindest nicht im Fernsehen. ABER die gute Nachricht: Romane schreiben – das kann sie. Wie beim Vorgänger Mängelexemplar hat sich Kuttner auch hier wieder ein Problem der heutigen twenty-something-Generation rausgepickt. Die „Quarter-Life-Crisis“, die sich in Zweifeln, Beziehungsstress, Druck und Hilflosigkeit breit macht. Mit bildhafter Sprache, ein bisschen derb-schnodderig aber durchaus ehrlich wirkend setzt sich hier ein Paar nach dem Zusammenziehen mit sich auseinander, mit seinen Erwartungen, Lebensplänen und der Herausforderung, mit jemandem wirklich so ziemlich alles zu teilen.

Obwohl ich diese Erfahrung so nicht erlebt habe, schafft Kuttner es, das ich mich reinversetzen kann in die Gefühlsachterbahn in die ihre Heldin gerät. Ein bisschen beklommen, ein bisschen deprimiert wird man beim Lesen, es ist eine traurige Geschichte mit kleinem Silberstreif am Horizont. Garniert mit markigen Sätzen und Lebensanschauungen ist es ein recht gelungener Mix geworden, den ich, wie ich oben schrieb, auch ganz gern empfehle.

Dash und Lilys Winterwunder – Rachel Cohn/David Levithan

Wenn eine süße, romantische Wintergeschichte gesucht wird, mit ein paar popkulturellen Anspielungen, einer charmanten Mischung aus überdreht-niedlicher weiblicher Protagonistin mit schräger Familie und ernsthaftem, sich selbst etwas zu ernst nehmendem männlichen Buchliebhaber – zugreifen. Die Idee des Buches, eine Art Spiel das beide quer durch New York führt, ist eigentlich ganz schön. Aber die große Verzauberung blieb nach anfänglicher Begeisterung bei mir aus. Was vorallem daran lag, das es mir irgendwann zu überdreht wurde. Lustigerweise geht es mir wohl konträr zu anderen Meinungen: viele fanden Lilly ganz entzückend und Dash eher seltsam, ich fand Dash toll und Lilly eher anstrengend. Es ist dennoch ein nettes Jugendbuch, schöner Winterschmöker und wer eine romantische Ader hat, kommt sicherlich auf seine Kosten!

Ich bin so Fry – Stephen Fry

Und weiter geht es mit der Biographie des Stephen Fry – hier werden nun seine College-Jahre und alles was danach folgt, Theater, Comedy, Radio, schriftstellerische Tätigkeiten geschildert. Fry ist recht gnadenlos mit sich selbst und im Verlaufe des Buches habe ich den Eindruck das er sich wirklich nicht gerade schont und versucht einen möglichst ungeschönten Einblick zu geben. Dieser zweite Teil seiner Biographie zog sich etwas mehr als der erste, was aber vorallem daran lag das ich die Medienlandschaft Großbritanniens zu dieser Zeit nicht besonders gut kenne und daher manchmal etwas erschlagen war von den ganzen Namen und Interna. Trotzdem – für jeden Stephen Fry Fan, für jeden Fan von feinem, britischen Humor und alle die schon immer mal wissen wollten wie Stephen Fry und Hugh Laurie Freunde wurden.

Der Mann, der kein Mörder war – Hjorth & Rosenfeldt

Hier hat mich der Titel beim Auspacken der Neuheiten angesprochen und nachdem meine Kollegin dann auch noch meinte, sie könne mir ja ihr Leseexemplar mitbringen, nahm ich das zum Anlass, doch mal wieder einen Krimi zu lesen, was ich ja zugegebenermaßen selten tue. Und oftmals sind ja diese „Zufallsbücher“, die einem so über den Weg laufen, gerade genau das richtige. Ich sage nur: über 600 Seiten, ein Sofa und ein Sonntag – und ich war durch! Ein sehr sympathisches Ermittlerteam in Schweden, dazu ein unausstehlicher, eigenbrötlerischer Polizeipsychologe der seine ganz eigenen Gründe hat, sich in die Ermittlungen einzumischen – spannend bis zur letzten Seite, toller Plot und der Leser weiss sehr lange nicht, woran er ist. Definitiv meine Krimiempfehlung für 2011!

Den Mond aus den Angeln heben – Gregory Hughes

Eine vorwitzige, altkluge Heldin namens Ratte und ihr Bruder Bob, ein irrwitziger Roadtrip nach dem Tod des Vaters, Vorhersehungen und ein fluchender Rapper – eigentlich hatte das Buch sovieles, was es für mich lesenswert machen würde. Und über weite Strecken hält es auch, was es verspricht, einige Szenen waren so schön und witzig! Es wurde am Ende einfach zuviel, zu schnell, es wirkte so als ob man auf der Landstraße unterwegs sei und dann von 100 auf 220 ging, ohne Vorwarnung und dann war auch schon Schluss. Das ist jammerschade, denn Ratte und ihr Bruder sind mir ans Herz gewachsen. Obwohl ab 12 empfohlen, würde ich es doch eher etwas älteren Lesern empfehlen, die Themen sind nicht ohne. Also eine vorsichtige Empfehlung mit kleineren Haken.

Apostoloff – Sibylle Lewitscharoff

Nachdem Sibylle Lewitscharoff 2011 mit Preisen und Nominierungen für „Blumenberg“ geradezu überhäuft wurde, wollte ich mit dem Werk, für das sie den Leipziger Buchpreis gewann, anfangen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Wenn diese Autorin zwei Dinge kann, sind es diese: mit ungeheurer Wucht schreiben, das ganze Buch ist ein einziger, schnellverfeuerter Rundumschlag, böse und mit vielen Spitzen versehen.

Und zum zweiten geht sie  kreativ und mit viel Verve mit Sprache um…manchmal auch geradezu zärtlich. Was für Sätze! Was konnte man in diesem Roman schwelgen!  Zeit muss man sich für ihn nehmen, das sei unbestritten, auch das etwas schräge Thema mag nicht jedermanns Sache sein. Ich aber war hingerissen, noch mehr weil ich die Autorin dieses Jahr live erleben dürfte und von ihrer Präsenz, ihrem Humor und ihrer Lesung absolut begeistert war! Ich freue mich auf alle weiteren Werke von ihr!

Einer meiner liebsten Sätze:

„Eine weitere Spezialität der Kellnerinnen, überhaupt der Bulgarinnen: sie sind parfümfreudig. So riecht mein Salätchen, sonst eher eine neutrale Angelegenheit, als hätte es im Regal einer Drogerie  übernachtet.“

Tausend kleine Schritte – Toni Jordan

Am Cover bin ich schon mehrfach hängen geblieben, der Titel klang gut und so habe ich mich gefreut als es in meinem Lesekreis gewählt wurde. Es ist ein bisschen schwierig meine Enttäuschung zu schildern ohne etwas zu verraten – insgesamt fand ich es ganz okay zu lesen, ein ungewöhnliches Thema wurde angeschnitten … aber es bleib hölzern, schwer zu fassen und ich wurde einfach mit dem ganzen Buch nicht warm. Der ein oder andere Aspekt gefiel mir gut, mein Gesamteindruck blieb aber flach.

Columbus war ein Engländer – Stephen Fry

Die Jugendjahre des Stephen Fry – ein braver Chorknabe war der Gute sicherlich nicht. Witzig, charmant erzählt und ab und an ganz schön derb – so kommt diese Biographie daher. Ein paar kleine Längen hat sie, vorallem wenn man Stephen Fry und seine Geschichte kaum kennt, trotzdem hatte ich beim Lesen gute Unterhaltung und auch die Entwicklung die Fry durch macht ist fesselnd beschrieben. Danach kam jedenfalls gleich der Wunsch auf, auch die Fortsetzung (hier beschränkt er sich auf seine Jugendzeit) zu lesen.

Acht Minuten – Péter Farkas

Sie sind schon lange ein Paar. Der Mann und die Frau. Doch eines Tages fangen die Dinge an sich zu verändern. Wer sind diese Menschen in ihrer Wohnung, die dem Mann zwar vage bekannt vorkommen, aber doch eher stören? Und warum wollen ihm alle erzählen was das Beste ist, für ihn und die Frau? Sie kommen doch gut zurecht und vor die Tür gehen…das müssen sie doch schon lange nicht mehr…

Wir alle kennen den Blick auf Demenz von aussen. Farkas wählt einen ganz anderen Ansatz – er beschreibt die Krankheit aus der Sicht des Betroffenen – und dieser sieht sich auch eher als Beobachter der ebenfalls erkrankten Frau. Die kleinen Rituale dieses Paares, der Kampf um Würde, um Selbstbestimmung – fein gezeichnet, sehr intensiv wird hier ein ganz neues Bild entworfen und die Frage, was das „Beste“ ist wird nochmal auf andere Art und Weise aufgerollt!

Ein kleines, wichtiges Buch für alle die sich mit dem Thema auseinandersetzen.