Dieses Kinderbuch ist einfach durch und durch charmant geschrieben – ich habe es mit einem Lächeln im Gesicht gelesen und bei einigen Szenen konnte ich das Lachen auch nicht mehr unterdrücken. Wie aus einer kleinen Idee (Schwein im Fahrstuhl) ein so liebevoll gestaltetes Kinderbuch entsteht, das erfreut mein Leserherz. Florentine ist einfach ein tolles Schwein und ganz nebenbei erzählt Jutta Wilke hier nicht nur eine spannende Geschichte, sondern räumt noch gehörig auf, mit Vorurteilen und Klischees. Klasse!
Wahr – Riikka Pulkkinen
Ein atmosphärisch dichtes Familiendrama, welches mich von den ersten Seiten an gepackt hatte. Müssen Erinnerungen hochgeholt werden? Wäre manchmal nicht Schweigen die bessere Alternative? Doch dafür ist es irgendwann zu spät und man fragt sich, wie gut man eigentlich diejenigen, die einem am nächsten stehen, wirklich kennt. Intensiv, anrührend, dramatisch – toller Roman!
Das Hotel New Hampshire – John Irving
Wie immer nach einem Irving bin ich ziemlich platt. Man muss ihn bewundern, für sein Fabulieren, seine Fantasie, seine schrägen und doch so glaubhaften Charaktere…und diese Fähigkeit, seitenweise genauestens alles auseinanderzuklamüsern, um einem dann in 3 lapidaren Nebensätzen eine Bombe vorzusetzen. Und es ist so schräg und dermaßen überzeichnet – ich schwanke immer zwischen Lachen und Entsetzen. Und er hat die Fähigkeit, mir eine Geschichte zu erzählen die ich nach einer kurzen Inhaltsangabe nie lesen würde, und die mich doch nicht loslässt. Wahnsinn. Einfach verrückt der Mann, aber in guter Weise. Wobei ich sagen muss, seine späteren Werke wirken dann doch angepasster und „Letzte Nacht in Twisted River“ war auch unheimlich abgedreht, hat mir aber supergut gefallen.
Kein Feuer, das nicht brennt – Rayk Wieland
Ein Reisereporter der nicht reist – analog zum Titel ist der Protagonist angelegt, den einige bereits aus „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ kennen. Ich fasse mich kurz – ich habe bei keinem Titel des Frühjahres soviel geschmunzelt und bei keinem 8 Seiten meinem Mann vorlesen müssen, bei denen wir uns nur noch lachend auf dem Sofa gekringelt haben. Herrlicher Witz, tragische Komik – ganz wunderbar!
Mr. Chartwell – Rebecca Hunt
Die Idee, einer Depression eine feste Gestalt zu geben, nämlich die eines großen schwarzen Hundes, ist an sich garnicht verkehrt und ließ mich das Buch näher in Augenschein nehmen. Auf den ersten Seiten überzeugte es mich auch, allerdings – die Idee hätte sich vielleicht in einer Kurzgeschichte wohler gefühlt. Über ein ganzes Buch hinweg ist sie zu dünn und trägt nicht, weshalb ich dieses Buch eher ernüchtert zuklappte nach dem Lesen. Schade!
Das Ende der Unschuld – Megan Abbott
Meisterhaft eingefangen hat die Autorin dieses flirrende Gefühl, 13 Jahre alt zu sein – die Welt zu entdecken, die Risse in anderen Menschen, das eigene Gefühlsleben, den Empfindungen nachzuspüren und all das während eines nicht enden wollenden Sommers. Aber daneben stößt sie auch in ziemliche Untiefen des menschlichen Seins vor. Die Hälfte der Leszeit über fühlte ich mich unwohl beim Lesen, war bestürzt aufgrund der Ereignisse und Verdächtigungen. Ich tat mich sehr schwer damit, diesen Leseeindruck zu schreiben und habe ihn mehrfach umgeschrieben – denn trotz der heftigen Geschehnisse ist hier ein gutes Buch geschrieben worden.
Ada liebt – Nadine Balschun
Eine Liebesgeschichte zwischen Wörtern und Schweinen. Leichtfüßig, aber nicht seicht. Traurig und doch auf eine fragile Art und Weise schön. Ungewöhnlich und doch bodenständig. Ein Buch voller Gegensätze, die es sehr reizvoll und lesenswert machen!
Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick – Jennifer Smith
Von der Gestaltung und dem Titel her erwartete ich eine romantische Liebesgeschichte, wohl nah am Kitsch, eben was fürs Herz . Ich bekam stattdessen eine sensibel erzählte Geschichte über den Umgang mit der Trennung der Eltern UND eine Liebesgeschichte, eine wirklich toll erzählte noch dazu, in der es auch nicht an Humor mangelt. Das war wirklich eine schöne Entdeckung im Jugendbuch!
Vor dem Frost – Henning Mankell
In diesem Wallander-Krimi ermittelt nun erstmals nicht mehr nur Wallander selbst, sondern seine Tochter Linda, die sich nach einigen Jahren des ausprobierens entschloß, eine Ausbildung zur Polizistin zu machen. Der Fall an sich ist nach gewohnter Wallander-Manier recht schlüssig geschrieben, allerdings nicht allzu überraschend. Das Besondere steckt in der Sichtweise Lindas, die ihre ambivalenten Gefühle zum Vater mit sich herumträgt – man hat ein wenig das Gefühl, Wallander mal aus einer anderen Perspektive zu erleben, was nach Lektüre aller anderen Krimis einfach ein wenig wie „nach-Hause-kommen“ anmutet. Auch Linda, die ja in den Büchern rund um ihren Vater immer wieder auftaucht, wird greifbarer. Ein schönes Wiedersehen!
Die Bestimmung – Veronica Roth
Ein gutes Beispiel dafür, wie idealerweise eine Jugendbuch-Dystopie geschrieben und gestaltet sein sollte. Eine recht einfache, einteilbare zukünftige Welt, die erst nach und nach ihre Schwächen und Geheimnisse enthüllt, starke Hauptfiguren, ungewisse Gegner und stets die Frage, wer Vertrauter und wer Feind sein wird. Mit Schnelligkeit und Spannung fesselt einen dieses Buch bis zur letzten Seite und der Cliffhanger läßt einen wirklich gespannt zurück. Davon darf es jederzeit mehr geben!