abends um 10 – Kate di Goldi

Was gibt es für einen Grund, ein trauriges Buch unbedingt lesen zu wollen, obwohl man ahnt, dass es einen traurig und leicht melancholisch zurücklassen wird? Meist ist es die Empfehlung einer Buchfreundin und so war es auch hier wieder der Fall – es war Christine von Lesemomente . Zum Lesen gab sie mir den Ratschlag „Lies „abends um 10“ bitte nur wenn du in passender Stimmung bist (ruhig, bereit für viel Atmosphäre und etwas nachdenklich vielleicht)“.

Diesen Ratschlag kann ich nur genauso weitergeben. Ein besonderes Buch, eines, das nicht unbedingt geradlinig verläuft, es fordert den Leser, setzt ihn einer Situation aus, die ich bisher noch nie in einem Buch vorgefunden habe. Und all das wird so sensibel und liebevoll erzählt, dass man die Figuren am Schluss ganz schwer loslassen kann. Und vielleicht die eine oder andere Träne rollt. Danke Christinchen! ?

Der Blaubeersommer – Polly Horvath

Zwei uralte Damen, die nicht besonders gut Auto fahren. Ein Wald voller Beeren und Bären. Skurrile Figuren, ein junges Mädchen, unangenehme Eltern. Eigentlich ist das ganze Buch vollgestopft mit seltsam anmutenden Ereignissen, die nicht zusammenpassen – und doch habe ich es mit großer Begeisterung gelesen, weil es so herrlich anders ist, sich so wohltuend abhebt von vielem anderem auf dem Kinderbuchmarkt. Weil hier zwar schlimme Dinge passieren, überzeichnet wird – aber trotz allem einfach durchdringt – Du kannst viel erleben und überstehen, wenn Du an Dich glaubst und über Dich hinauswächst. Ich fands einfach nur richtig klasse und habe schon Nachschub bestellt…

Die Lektionen – Naomi Alderman

Ein reicher, junger Student mit viel Charisma, die altehrwürdige Atmosphäre von Oxford und Studenten, die die Nähe von diesem jungen Mann suchen, wie Motten das Licht. Was passiert, wenn Geld keine Rolle spielt? Wie lange halten Freundschaften, die sich auf diesem Fundament gründen? Wie offen kann man sein (auch in sexueller Hinsicht), was ist Spiel, was ist Ernst? Das Buch hat mich nicht völlig begeistert, jedoch einiges an Fragen aufgeworfen, was ich ja immer wertschätze. Spitze und pointierte Beobachtung, die sicherlich auch aus eigenem Erleben gespeist wurde, ist die Autorin doch selbst Absolventin von Oxford.

Alles voller Hoffnung – Renate Dorrestein

Igor wird von seiner Großmutter Nettie großgezogen, nachdem seine eigene Mutter, als er fünf Jahre alt ist, das Sorgerecht an die Großmutter verliert. Und Igor ist anders – er ist geistig behindert. Als Igor in einer Werkstatt anfängt und sich verliebt, scheint sich alles zum Guten zu wenden…zunächst! Dorrestein hat hier ein, ja, leider muss man es so sagen, heute immer noch „Tabu-Thema“ angesprochen – und daraus einen bewegenden Roman gemacht. Ich habe dazu einen persönlichen Bezug und kann nur für mich sprechen: ich finde sie hat sich der Thematik gut und sehr sensibel angenähert und der Titel passt (weniger das Cover – das verwirrt mich immernoch…). Eine besondere kleine Familie, mit zwei starken Charakteren. Ich würde durchaus noch mehr von ihr lesen.

Das dunkle Lied des Todes – Bjarne Reuter

Bei diesem Buch saß ich aufrecht im Bett und konnte kaum aufhören – so spannend war es und vorallem gruselte es einen zwischendrin so richtig, da kann man dann nachts nicht einschlafen, bis man es zu Ende gelesen hat… Zudem toll geschrieben, es ist zwar als Jugendbuch deklariert, aber durchaus auch für Erwachsene zu empfehlen, die eine Vorliebe für Krimis haben. Der Autor breitet genüsslich die Geschichte aus, fügt hier ein Stück Information ein, dann dort ein Stück – und zieht dann den Erzählfaden immer enger, bis einem am Ende fast die Luft wegbleibt – Wow!

Zerbrechlich – Jodi Picoult

Endlich wieder eine Picoult die mich mehr überzeugt hat. Süffige Geschichte, stimmige Figuren, Drama, Moral und insgesamt fügte sich alles zu einem runden Ganzen zusammen. Zuletzt hatten mich einige Bücher von ihr eher enttäuscht, vorallem weil sehr viele Themen auf einen Schlag behandelt wurden und damit etwas kurz kamen, dass war hier nicht der Fall. So gefällt mir Picoult wieder richtig gut und dieser Roman wurde schnell verschlungen.

Der Hochstapler – David Belbin

Ein herrlicher Schelmenroman eines ungewöhnlich sympathischen Hochstaplers. So ein Buch, welches man unbedingt in die Tasche stecken sollte für den Urlaub: unterhaltsam ohne seicht zu sein, mit vielen Anspielungen auf Literatur, einem gewissen Witz und man liest es einfach in einem Rutsch und mit Vergnügen! Im Laden erzähle ich mittlerweile immer die Anfangssequenz und spätestens danach nehmen mir die Kunden das Buch aus der Hand und tragen es glücklich zur Kasse…

Will & Will – John Green und David Levithan

Von beiden Autoren habe ich zuvor etwas gelesen und war angetan. Entsprechend hoch meine Erwartungen dieses gemeinsame Werk, zumal ich diese Art der Zusammenarbeit erstaunlich finde. Aber hier waren Zweifel unbegründet – die beiden Autoren ergänzen sich so perfekt, man könnte meinen es wäre eine Person. Gemeinsam haben sie definitiv die Liebe zu unangepassten Figuren, zu einer gewissen Tragik die oftmals fast ins Komödienfach wechselt. Und vorallem: man lebt mit den Figuren mit, sie bleiben nicht lange neu und fremd sondern werden schnell zu jemandem der auch auf unserem Sofa sitzen könnte. Dieses Buch hat mich durch seine Frische, seinen Witz, seine große Herzlichkeit und vorallem das Gefühl, hier wirklich einen Blick ins Teenagerleben zu werfen, überzeugt. Was für eine verrückte Story, einfach herrlich!

Eddies Bastard – William Kowalski

Fühlte mich gut unterhalten, spannendes Familiengeheimnis mit interessanten Details. Gerade zu Anfang flogen die Seiten nur so dahin. Ein wenig flachte es zum Ende hin ab, das mag aber den Geschehnissen geschuldet sein. Seitdem ich weiss, es gibt eine Fortsetzung, denke ich, dort werden auch noch einige offene Fragen geklärt. Angenehm zu lesender Schmöker für den Urlaub.

Ismael Trilogie – Michael Gerad Bauer

Achtung, es folgt ein Begeisterungssturm! Diese wunderbare Trilogie hat mich wieder daran glauben lassen, dass es einfach wunderbare Jugendbücher (die gerade Jungs gerne lesen werden!) gibt. Die Bücher strotzen nur so vor Humor, ich habe gegrinst, lauthals gelacht, geschmunzelt – die ganze Palette vergnügten Lesens! Die Figuren rund um Ismael Leseur wachsen einem so ans Herz und begleiten den Leser zum Glück durch die ganzen drei Bände.

Was macht das Spezielle dieser Bücher aus? Ich würde sagen: der Autor hatte richtig viel Spaß am Schreiben gehabt, das spürt man in jedem Satz. Noch dazu verliert er über alle drei Bände nicht das Besondere, es wurde eher noch besser, weil man mit allen mitfieberte und die Eigenheiten der Agierenden schon kannte. Wer einen leseunwilligen Teenager zuhause hat – zugreifen. Wer sich mal wieder richtig amüsieren will – zugreifen. Wer gerne gut geschriebene, noch dazu die großen Themen betreffende Jugendliteratur lesen will – zugreifen. Ach, was sag ich: einfach bitte alle zugreifen, kaufen, lesen!

Nenn mich nicht Ismael / Ismael und der Auftritt der Seekühe / Ismael: Bereit sein ist alles