In Halbleinen gebunden und sehr romantisch illustriert, ist dieses kleine Büchlein, welches zur Weihnachtszeit in einem Heidelberger Buchladen spielt, mehr ein Geschenkbuch als ein Roman. Und doch: als Weihnachtsbuch, wo es ja gerne mal ein wenig mehr Kitsch sein darf als sonst im Jahr, für Menschen mit großem Herzen, die an Wunder und an die Liebe glauben und sich im Sessel einkuscheln wollen, mit Plätzchen und Tee, eine Schwäche haben für verspielte Illustration – das perfekte Geschenk!
Ganz normale Helden – Anthony McCarten
Seit einigen Jahren gehört McCarten zu den Autoren, deren Bücher ich (auch wenn sie durchaus schwankend sind) mit Spannung erwarte. Unvergessen bleibt für mich „Englischer Harem“, für viele andere wird es „Superhero“ gewesen sein. Mit diesem Roman knüpft McCarten an die Geschichte nach Superhero an. Allein schon dafür gebührt ihm Respekt, denn Fortsetzungen im Generellen sind schon eine schwierige Geschichte, noch schwieriger wird es allerdings, wenn im vorigen Roman die eigentliche Hauptfigur verstirbt. Und doch: er hat es geschafft, das Buch kann sowohl als eigenständiges Werk stehen, aber auch als (sehr gute) Fortsetzung verstanden werden. Und er hat getan, was so mancher vergisst: was passiert nach dem „Ende“? Und wo stehen die Figuren, die vielleicht vorher an den Rand gedrängt wurden, aufgrund der erdrückenden Ereignisse. Für mich hat auch der Teil, der den neuen Medien, virtuellen Welten gewidmet ist, ganz großen Reiz, sind mir doch virtuelle Kontakte nicht fremd und auch die Spielwelten durch meinen Mann sehr vertraut. Ich könnte mir vorstellen, dass es ein Manko ist für jemanden, der sich nicht groß für die Materie interessiert, deshalb ist es auch etwas speziell, dieses Buch zu empfehlen. Und doch: ich empfehle es mit Freuden!
Hab ich selbst gemacht: 365 Tag, 2 Hände, 66 Projekte – Susanne Klingner
Dieses Buch hat eines geschafft: man bekommt sofort Lust darauf, selbst tätig zu werden, etwas herzustellen, zu bearbeiten, etwas neues zu lernen, beim Wachsen zuzusehen. Und in gewisser Weise auch selbst zu wachsen – an Herausforderungen und an der Lust, sich einfach zu trauen, sich etwas zu-zutrauen. Noch dazu schreibt Susanne Klingner sehr sympathisch, auch wenn einige ihrer Projekte auch mal schiefliefen, das machte es für mich nur noch angenehmer zu lesen, so manche Gärtnersorge von ihr habe ich auch schon erlebt oder in Begeisterung und Naivität mal einen Arbeitsschritt übersprungen…*hüstel* Einiges was sie probierte, habe ich mittlerweile auch probiert, vieles interessiert mich noch. Ein tolles Buch zur Inspiration und zumindest beim Lesen macht man es sich auf dem Sofa gemütlich – danach nicht mehr ;-)
Zimtsternschnuppen – Anthologie S.Fischer
Das kleine Bändchen im lila Einband schaute mich schon einige Weihnachten lang an, 2012 habe ich dann eine reduzierte Ausgabe mitgenommen. Im Nachhinein muss ich sagen, fand ich den Kauf eher entbehrlich. Ich erwartete Geschichten von Autoren die ich mag, oftmals waren die Geschichten aber den bereit erschienen Büchern entliehen – d.h. etwa 50% der Buches waren mir bereits bekannt, was zwar ganz „nett“ war, mehr aber auch nicht. Wie es dann so oft ist, bei einer Anthologie gefällt einem nicht alles. So kamen hier gleich mehrere Faktoren zusammen, die das Leseerlebnis schmälerten. Ein paar nette Feiertagsgeschichten gab es, aber so richtig glücklich wurden wir nicht miteinander.
Die Betäubung – Anna Enquist
Das Wort „verstörend“ kann man durchaus für diesen Roman anwenden – aber im positiven Sinne. Denn dieser Roman fällt ein wenig aus der Rolle, seine Beschreibungen, gerade was die Details im Krankenhaus angeht, die Vorgänge und Operationen sind so gestochen scharf und gehen einem nahe. Teilweise so sehr, dass ich pausieren musste (ich vertrage allerdings auch nicht sehr viel in diesem Bereich). Aber gerade das lässt den Roman für mich so hervorstehen – als ich im Nachwort las, dass Enquist im Zuge einer Literaturprojekts längere Zeit in einem Krankenhaus hospitieren dürfte, erklärte sich für mich diese Besonderheit, man hatte zum Teil wirklich beim Lesen das Gefühl, mit im OP-Saal zu stehen. Die Geschichte der beiden Geschwister, die zwei unterschiedliche Professionen abdecken (Anästhesistin und Psychoanalytiker) und durch einen gemeinsamen Nenner immer mehr ins Straucheln kommen, hat mich in ihren ganz eigenen Sog gezogen.
Sunset Park – Paul Auster
Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Paul Auster richtig einordnen kann. Ich kannte von ihm zuvor nur seine New York Trilogie, die mir eine liebe Buchhändlerfreundin einst ans Herz legte. Ich hatte mit dieser durchaus zu kämpfen und bin heute noch nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe. Trotzalledem habe ich das Buch in guter Erinnerung. Daher war ich fast überrascht, wie leichtgängig sich Sunset Park las – mir gefiel der vorherrschende Ton, die Geschichte, die vielen Persönlichkeiten, die diesen Roman bevölkern, die Dramaturgie des Buches. Ich würde fast denken, jemand der Auster schon länger liest und noch mehr von ihm kennt, könnte enttäuscht sein, weil es sich doch ziemlich von der New York Trilogie abhebt. Für mich hat es allerdings genau gepasst.
In die Sonne schauen – Irvin D. Yalom
Mein erster Yalom und ihm werden garantiert weitere folgen. Er versteht die große Kunst, psychologische Zusammenhänge für den Laien verständlich aber dennoch nicht ohne Anspruch aufzubereiten. Noch dazu schreibt er so spannend und mitreissend, dass man das ganze verschlingt wie einen Roman. Die Thematik „Angst vor dem Tod“ mag speziell erscheinen aber Yalom bringt einen dazu, noch deutlich weiter zu schauen, hinter welchen, fast alltäglichen Sympthomen sich diese Angst verstecken kann, dass es ein Thema ist, welches uns täglich viel mehr umtreibt, als wir uns dessen bewusst sind. Hat großen Eindruck bei mir hinterlassen.
Aus den Fugen – Alain Claude Sulzer
Ein gefeierter Pianist beendet völlig unvermittelt sein eigenes Konzert – er kippt seinen Stuhl um und verlässt, ohne sich umzudrehen die Bühne. Mit dieser schönen Szenerie beginnt das Buch. Um den Pianisten und diesen ungewöhnlichen Konzertabend ranken sich so einige Schicksale. Leider können diese nicht alle ganz mit dem starken Anfangsmotiv mithalten – es bleibt unterhaltsam, erreicht aber nicht die Intensivität, die es hätte haben können. Ein kleines bisschen schade, trotzdem gerne gelesen.
Onkel Toms Hütte – Harriet Beecher Stowe
Hier bleibt nicht viel zu sagen – ein Klassiker, den ich schon sehr viel früher hätte lesen wollen und sollen, wird doch sehr häufig auf dieses Buch Bezug genommen in der Literatur. Nun hatte ich Wartezeit zu überbrücken, das Buch stand dort im Regal und ich habe es endlich gelesen und bin froh darum – kann also nur empfehlen, falls noch nicht bekannt, dieses Buch zu lesen ;-) .
Zwitschernde Fische – Andreas Séché
Eine schwärmerische, fast verschwenderisch ausgeschmückte Geschichte über Bücher, Literatur und das Lesen. Was mich zu Anfang bezaubert hat wurde mir zum Schluss hin ein klein wenig zuviel des Guten – aber das Buch entführt einen für eine Weile in ganz andere Gefilde, lässt einen träumen und schwelgen – ein schönes Buch für den Urlaub, wenn der Alltag mal ganz weit weg rücken soll. Für Wortverliebte und Buchliebhaber sowieso.