Unser Haus am Meer – Polly Horvath

Ich habe eine Schwäche für Kinderbücher, die skurril daherkommen. Als ich bei der wunderbaren Ada Mitsou dann von diesem Buch las, war klar: musste auch haben. Und ich bin sicher noch eine ganze Weile dankbar für diesen Tipp: das Buch hat soviel Herz, schräge Figuren und eine große Portion Witz und die ein oder andere wirklich ungewöhnliche Szene. Klasse! Und beim Schreiben sehe ich gerade, dass sie bereits den zweiten Band rezensiert hat und genauso begeistert war…na…der kommt dann wohl auch bald zu mir ;-)

Wieviel Leben passt in eine Tüte? – Donna Freitas

Ein sensibel erzähltes Jugendbuch über das Leben einer Familie nach dem Verlust der Mutter – mit der wunderschönen Idee eines Survival-Kits, welches die Mutter vor ihrem Tod für die Tochter anfertigt – wohlwissend, dass ihr Kind diesen Anker brauchen wird. Die Gegenstände darin geben Rose zunächst Rätsel auf, aber mit jedem Tag ohne ihre Mutter ergeben sie nach und nach Sinn. An einigen Stellen wurde mir der Unterschied der Kulturen sehr bewusst, da gibt es schon einige Unterschiede zwischen den USA und Deutschland. Der Tod und der Umgang damit kennt keine Regeln und so ist es für mich in Ordnung, das Freitas ihren Figuren ganz unterschiedliche Arten der Trauer mitgibt, die vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar sind.

Hikikomori – Kevin Kuhn

Es mag daran liegen, dass ich 2012 bereits ein anderes Buch zur Thematik las, was mich tief berührte (Ich nannte ihn Krawatte), dass mich dieses Buch nicht komplett überzeugen konnte. Der Anfang gefiel mir gut, auch die Aufmachung machte mich neugierig, aber im Verlaufe des Buches konnte ich Till, der sich in seinem Zimmer geradezu einbunkert, einfach nicht mehr fassen. Anfangs hatte ich das Gefühl, es ginge ihm um eine Art Demonstration des einfachen Lebens, ein bisschen wie Thoreau oder um eine Leistungsverweigerung. Mit Fortschreiten des Buches, verlor aber, so glaube ich, selbst Till aus den Augen, was genau er bezwecken wollte (da könnte man nun ketzerisch fragen, ob denn alles Zweck und Sinn haben muss, aber gut…) – und liess mich mit einem gewissen Frust zurück. Schade, weil ich nicht sicher bin, ob es an mir liegt – am besten selbst rausfinden ;-)

Blutsverdacht – Marie-Aude Murail

Die französische Autorin, die ich seit „Simpel“ sehr schätze, hat hier einen Jugendkrimi geschrieben. Und der hat alles, was es braucht: eine spannende Hintergrundgeschichte, Gänsehaut-Momente, die große Frage, wem man eigentlich trauen kann und ob die jahrelang für bare Münze gehaltenen Familiengeschichten einer Internetrecherche standhalten können… Spannend bis zur letzten Seite und der Fall durchaus nicht unknifflig – tolle Krimi-Empfehlung für Jugendliche!

Über uns Stille – Morton Rhue

Eigentlich mag ich Morton Rhue. Eigentlich mochte ich auch dieses Buch, welches sich mit einem fiktiven Atomangriff befasst – und der einzigen Familie innerhalb einer Straße, die wirklich einen Bunker baute, um zu überleben. Als der Angriff stattfindet, muss die Familie viele Entscheidungen treffen – zum Teil um Leben und Tod, denn der Zufluchtsort ist an sich nur auf die Familie ausgerichtet. Rhue hat hier ein, ich denke mal durchaus nicht ganz unrealistisches, Bild einer Katastrophe gezeichnet. Und doch überzeugt es mich nicht komplett – denn auch wenn es ein Jugendbuch ist, ist mir manches zu verknappt, zu vereinfacht gedacht (im Vergleich dazu ist „Die Welle“ obwohl nicht umfangreicher, viel anspruchsvoller, weil auch vieles zwischen den Zeilen stattfindet). Es ist insofern in Ordnung, weil es einen ganz guten Einstieg ins Thema bietet, allerdings würde ich es erst ab 14 empfehlen und mich dann fragen, ob mit 14, 15, 16 nicht schon deutlich „massivere“ Literatur zugemutet werden kann, mit mehr Inhalt und Gewicht.

Vango: Prinz ohne Königreich

Auf diese Fortsetzung hatte ich schon mit wilder Ungeduld gewartet und sie an einem Stück verschlungen – ganz große Klasse! Diese beiden Bände gehören mit zu dem besten, was die Jugendliteratur aktuell zu bieten hat: Abenteuer, Spannung, historisch interessant, (siehe meine Besprechung zu Teil 1) – man möchte einfach nur lesen, lesen, lesen. Ganz großer Tipp!

Hilfe, die Herdmanns kommen! – Barbara Robinson

Von diesem Weihnachtsklassiker wird mir seit Jahren vorgeschwärmt – von Kollegen, von Kunden, von Freunden. Dieses Jahr habe ich dann endlich zugegriffen und was soll ich sagen? Sie hatten alle recht! Urkomisch, dabei gleichzeitig aber so rührend zum Schluss hin – das werde ich ganz definitiv meinen Kindern vorlesen (und der eine oder andere Erwachsene könnte die Lektüre, gerade zur Weihnachtszeit, auch durchaus vertragen). Diese wilde Herdmann-Truppe hat Potential und mir sehr viel Spaß gemacht!

Zimtzuckerherz – Heike Abidi

Ich wollte mal wieder einen netten Roman lesen, mit ein wenig Spaß, witzig-verrückten Situationen und Herz. Und da ich ein riesiger Zimtfan bin, konnte ich an diesem Buchtitel nicht vorbei. Das Buch habe ich gemütlich durchgeschmökert, wurde gut unterhalten, fand das Setting sympathisch, die Hauptfigur genau richtig chaotisch und die Liebesgeschichte einfach schön. Mission erfüllt, Leserschmökerherz glücklich.

Herzenstimmen – Jan-Philipp Sendker

Gelungene Fortsetzung eines Dauerbrenners. Ich verkaufe den Vorgänger „Das Herzenhören“ immer noch, nach Jahren, mit schöner Regelmäßigkeit. Der Spagat, einerseits wieder so ein bewegendes Buch zu schreiben, andererseits auch etwas Neues reinzubringen, hat funktioniert. Auch finde ich schön, dass Sendker hier klarmacht, das Julia in „Herzenhören“ zwar viel lernte und ihr Leben veränderte, aber nur den halben Weg ging – wie es oftmals ist, nach wichtigen Ereignissen, die im Laufe der Jahre und im Stress des Alltages doch wieder untergehen.

Jetzt – Morris Gleitzman

Nachdem ich zu den beiden Vorgängerbänden soviel schrieb, weil sie mich dermaßen beeindruckt haben, war ich ein wenig erstaunt, das dieser dritte Band in der Jetzt-Zeit spielen sollte, noch dazu weder in Deutschland, noch in Polen, sondern in Australien. Das tut meiner Begeisterung aber keinen Abbruch, im Gegenteil: Felix ist erwachsen geworden, er hat sich in Australien ein neues Leben aufgebaut. Gleitzman schafft es, Erinnerungen und die prägenden Erlebnisse in Felix‘ Leben mit den heutigen Ereignissen in Australien (Stichwort Buschfeuer) in Verbindung zu bringen – und mit den Sorgen und Nöten seiner Enkelin, die Zelda heisst…damit hat er für mich nicht nur einen überzeugenden Bogen geschlagen und eine ungewöhnliche Perspektive eingenommen sondern mich auch nochmal mehr sensibilisiert, für alles, was heute noch und wieder passiert. Also: gehört definitiv auch in eine Liga mit „Einmal“ und „Dann“.