Ich mache es es ganz kurz: mir haben alle anderen Bücher von John Green unheimlich gut gefallen. Ich dürfte einen Autoren entdecken, der mich voll und ganz mitnimmt und begeistert. Von diesem Werk hier war ich einfach nicht begeistert: es enthält ganz viel, was ich an Green schätze: abstruse Situationen, Wortwitz, Protagonisten mit Herz und Schnauze. Und doch hat mich die Geschichte so garnicht angesprochen: leiderleiderleider.
Die Zeit, die Zeit – Martin Suter
Ich bin großer, großer Verehrer von Martin Suter. So habe ich sein neuestes Werk mit Spannung erwartet und sage: Erwartungen voll erfüllt! Nicht nur, das Suter zu Anfang ein wenig mit einem neuen Stil spielt, welcher mir sehr zusagte, nein das Buch zieht einen in eine fast unmögliche Situation, man fragt sich die ganze Zeit: Wie, um alles in der Welt will man dieses komplexe Geflecht auflösen. Und zum Schluss fliegt einem das ganze schlicht um die Ohren! Ich saß da, fassungslos, kichernd ob dieser Absurdität, bewundernd: wiedermal SUPER SUTER!
Die Shakespeare-Schwestern – Eleanor Brown
(Lesekreis): Also – bisher gefällt es mir wirklich gut. Für mich verbucht das Buch einiges an Pluspunkten: ein kleiner, aber für mich immer spannender, dass es mal in einem ganz anderen Bundesstaat spielt – so gerne ich auch von NYC oder San Francisco lese, freue ich mich doch immer, mal etwas neues zu erkunden. Auch der Wechsel zwischen einer gewissen Flapsigkeit und wieder ernsthafteren Passagen, die die Familienbeziehungen durchleuchten, ist bisher gut gelungen. Dann natürlich der Vater und seine Shakespeare-Zitate, das ist einfach eine schön-schrullige Idee, die sich ja durch den ganzen Roman zieht. Und als eine Tochter und vorallem als Geschwisterkind, deren andere Geschwister und ich jeweils auch Namen im „Zusammenhang“ erhalten haben, kann ich auch das sehr gut nachvollziehen ;-).
Was mich ein wenig irritiert, jetzt nichtmal negativ, ist die Erzählstimme. Es ist ja eindeutig innerhalb der Schwestern, aber keine spezielle. Das finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch nicht schlimm. Ansonsten lässt es sich einfach angenehm lesen, ich bin sehr gespannt auf die weiteren Entwicklungen und ob das Buch weiter so gemächlich voranschreitet und es einen großen Showdown gibt…oder es jetzt etwas an Schlagzahl aufnimmt. Ergo: es kam kein großer Sturm mehr auf, trotzdem liess es sich sehr nett lesen und geht als unterhaltsame Sommerlektüre durch.
Mörderische Bilderrätsel – Grunewald/Kögel
Für mich der beste der bisher drei Lokalkrimis aus der Feder des Autorenduos. Spannender Fall, Hanauer Geschichte die man so vielleicht noch nicht kannte, der Umbau wird amüsant und mit einer großen Prise Wahrheit aufs Korn genommen. Der etwas derbe Witz rund um die Liebschaften des jungen Kommissars war mir manchmal etwas zu dick aufgetragen, aber nu. Trotzdem, für lokal ansässige Leser, sehr vergnüglich und unterhaltsam zu lesen!
Vollendet – Neal Shusterman
Spannende Jugendbuch-Dystopie, die sich mit dem Thema Leben und Tod und vorrangig der Frage beschäftigt: wielange lebt oder existiert man? Wovon hängt es ab, wieviel kann man verlieren, ohne sich selbst zu verlieren? Organspende und das Verbot von Abtreibung werden hier als Aufhänger für eine klassisch gestrickte Geschichte benutzt und bieten viel Stoff zum Nachdenken, wäre vielleicht sogar als Schullektüre interessant. Für mich einziger Wermutstropfen: der eine Band wäre für mich vollauf ausreichend gewesen, eine ganze Trilogie hatte ich nicht erwartet und werde wohl auch die weiteren Bände nicht lesen – dafür reicht mir die Thematik nicht weit genug.
Nichts Weisses – Ulf Erdmann Ziegler
Hier hatte mich die Leseprobe sehr angesprochen, leider muss man sagen: auch etwas in die Irre geführt, denn sie findet erst weit hinten im Buch statt. Das Buch selbst war wie eine Achterbahnfahrt: manche wunderschöne Sätze, gerade über das Kunsthandwerk, was die Hauptfigur lernt, waren so toll geschrieben. Und vieles andere war für mich eher ein Grund, das Buch erstmal beiseite zu legen, die Achterbahn bleibt stehen, ruckelt, zuckelt nach unten. So richtig kam ich in die Geschichte nicht rein, die Motive der Personen, die Personen selbst blieben mir fremd, unnahbar. Verstärkt wurde mein Eindruck (leider) auch durch die Lesung der sechs Finalisten: Herr Ziegler las, eine zwar recht witzige, aber auch etwas abstruse Episode vor – in der seine Hauptperson nicht einmal vorkommt. Ob er sich damit einen Gefallen getan hat, weiss ich nicht, ich fand es irritierend. Im Interview reagierte er relativ schnell auf nur leiseste Andeutungen von Kritik bzw. manchmal nur reine Nachfrage, recht…ungehalten, mit Gegenfragen, mit einem gewissen verletzten Stolz, das kam nicht sehr sympathisch rüber, zumal sein Interviewer sehr positiv eingestellt war. Es mag sicherlich auch damit zu tun haben, dass mir die Zeit, die Ziegler einzufangen versucht, nicht nahesteht, das möchte ich nicht ausschliessen.
Der Gefangene des Himmels – Carlos Ruiz Zafón
Der dritte Teil der insgesamt vier Bände der Barcelona-Saga oder soll man sagen – rund um den Friedhof der vergessenen Bücher? Der erste Teil (Der Schatten des Windes) war wirklich ein eindrucksvolles Buch, der Nachfolger (Spiel des Engels) wurde von vielen kritisch beurteilt, ich mochte ihn, trotz kleiner Durststrecken. Hier verhält es sich nun so: es hat nicht die Dichte des ersten Bandes, aber liest sich sehr viel leichter, als der doch sehr verworrene zweite Teil. Es hat eine Leichtigkeit, die es einen schnell wegschmökern lässt. Vorallem hat mir dieser Band aber einige Aha-Erlebnisse im Bezug auf Teil 1&2 erbracht, er schliesst einiges an Lücken. Ich würde einem Neueinsteiger fast empfehlen, erst Band Eins, dann Band Drei und dann Band Zwei zu lesen – mal schauen, wie sich der vierte Band in dieses Gefüge packen lässt. Jedenfalls: toller Schmöker, humorvoll und spannend!Und Barcelona…es ist einfach so toll, wenn man viele dieser Orte im Buch bereits mit eigenen Augen gesehen hat – man fühlt sich, als wäre man dort!
Internet – Segen oder Fluch? – Sascha Lobo/Kathrin Passig
Ein Sachbuch zu einem Thema, was mich selbst ja immer wieder umtreibt. Ich schätze beide Autoren, sie haben unterschiedliche Hintergründe und ihr Buch („Dinge geregelt kriegen“) habe ich mit großem Vergnügen gelesen. Das Thema hier ist sperriger, schwerer zu fassen und hier bietet sich Humor auch etwas weniger an. Ein paar kleine Längen hat es, trotzdem ist der Informationsgehalt sehr hoch, viel Stoff zum Nachdenken ist enthalten. Auch gefällt mir gut, dass sie versuchen, das Problem differenzierter zu betrachten – in allen Facetten, die es zwischen Schwarz und Weiss gibt, zwischen Fuch und Segen. Sie bieten nicht unbedingt Lösungen an, wohl aber Ansätze, in die man hineindenken, weiterdenken kann. Ein guter Einstieg ins Thema, sowohl für Digital Natives als auch Digital Immigrants ;-)
Da geht ein Mensch – Alexander Granach
(Lesekreis): Was für ein Buch! Ich bin sehr, sehr angetan. Und das mir, ich lese superselten Biographien. Aber hier ist so ein toller Stil vorhanden, die Seiten fliegen nur so dahin. Was ich faszinierend finde: der junge Granach hat ja schon die ein oder andere Schote auf dem Gewissen. Aber man verzeiht es ihm doch sehr schnell (Klauen, Prügeleien, Weglaufen), weil er so charmant, geradezu mit verzeihlichem Augenaufschlag erzählt. Das fasziniert mich. Und wie genau diese Bilder in meinem Kopf entstehen, ich habe auch zwischendurch die Augen geschlossen und sah alles vor mir, immer ein gutes Zeichen wenn ein Buch mich auch tagsüber begleitet.
Auch spannend wie man die unterschiedlichsten Stationen durchläuft in seinem Leben und es wirklich von sovielem abhängt was man später tut, wen man liebt, wer man wird. Es hätte für Granach auch komplett anders ausgehen können. Am liebsten war mir (von wirklich vielen Stellen) aber der Theaterbesuch und diese Begeisterung! Da geht mir das Herz auf, wie er schwärmt und weiss: das isses jetzt! Wow!
Gerade im ersten Teil (allein schon der Anfang) stecken einige so sprachlich besondere Sätze, auch ist die Sprache so bildhaft – vor meinem inneren Auge sind viele Bilder entstanden, was ich bei einer Biographie wirklich gut finde, ein Roman hat es da einfacher. Was mich zum Schluss hin sehr erstaunte – durch die Fotos wusste man ja schon, dass er später verheiratet ist und auch einen Sohn hat. Das dieser Teil seines Lebens komplett hintenüberfiel, hat mich erstaunt. Zunächst dachte ich, vielleicht ist es gewollt, die Familie nicht in den Mittelpunkt stellen, da aber sein Sohn ja auch ein Buch schrieb – vielleicht doch nur eigene Eitelkeit? ;-) Er wirkt ja nicht wirklich wie ein eitler Geck, aber ist schon sehr selbstbewusst aufgetreten.
Der Kriegsteil war für mich auch anstrengender zu lesen. Andererseits war er auch wichtig für sein Leben und trotzte mir Respekt ab, wie er diese schwierige Zeit überstanden hat. Das er da rausgekommen ist – uff! Insgesamt war ich immer wieder erstaunt, wieviel passierte, wie sich an kleinsten Entscheidungen die Lebenswege verändern. Da denkt man dann schonmal – das Leben kann schon die verrücktesten Wege nehmen. Ein bisschen zu „charmant“ überspielt waren mir viele Diebstähle. Vielleicht war es die Zeit, allerdings hatte ich da das Gefühl, es wurde eher als Kavaliersdelikt gehandelt, so schreibt er auch darüber.
Shopaholic & Baby – Sophie Kinsella
Je weiter die Reihe voranschreitet, desto weniger muss ich dazu schreiben ;-) Ich poliere damit mein Englisch auf und schmunzle über den Einfallsreichtum der Autorin was Fettnäpfchen angeht. Insgesamt war ich hier ein wenig gedämpfter Stimmung, mag sein, weil so langsam das Ende der Fahnenstange erreicht ist oder der Band mich einfach nicht so angesprochen hat wie die vorherigen. Trotzdem werde ich den letzten Band auch noch lesen, die Reihe wird abgeschlossen.