Ich war sehr skeptisch. Die Lektüre der Bartimäus-Trilogie ist schon einige Jahre her, andere Bücher von Stroud hatten mich lange nicht mehr so begeistert. Und überhaupt: würde ich wieder reinkommen? Nach den ersten Seiten hatte sich meine Sorge verflüchtigt, denn die Geschichte spielt zeitlich noch vor der Trilogie und somit gibt es keine Erinnerungs-Problematik ;-) Und ansonsten: Bartimäus wie er leibt und lebt, besserwisserisch, eingebildet und man muss ihn einfach lieben! Ich habe mich wieder bestens amüsiert über dieses Unikum in der Welt der Dschinn…
Drei Fragen: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Und mit wem? – Jorge Bucay
In einer sehr unkonventionellen Weise vermischt der Gestalttherapeut Bucay Ideen aus seiner psychologischen Praxis mit Geschichten, Erfahrungen und Anekdoten. Definitiv kein Buch, was man nur einmal liest – ich glaube, es kann einem in unterschiedlichen Lebensphasen jeweils einen ganz anderen Zugang gewähren. So einige Fragen stellen sich beim Lesen und wer ehrlich zu sich selbst ist, wird sicherlich einige Antworten finden, die überraschen. Wie der Titel schon verrät, stützt sich Bucay auf drei Fragen, die der Leser für sich beantworten soll und die auch aufeinander aufbauen. Für Leser, die an einem Scheideweg im Leben stehen, vor großen Entscheidungen, aber auch für diejenigen, die ihren gewählten Weg prüfen wollen.
Die wilden Piroggenpiraten – Maris Putninš
Ein mehr als nur leckeres Abenteuer. Herrliches Fabulieren, wunderbare Bilder im Kopf, Gewürze in der Nase, Hunger im Bauch, die ganze Zeit über. Ein Sieg der Phantasie, eine wilde Abenteuergeschichte und über 600 Seiten kulinarischer Lesespaß! Einzig die Leseempfehlung ab 8 Jahren kann ich so nicht teilen: das Buch ist schon enorm anspruchsvoll und durch seine Dicke dürfte es Leseanfänger vielleicht etwas einschüchtern. Aber geübte Leser ab 10 dürften hier voll auf ihre Kosten kommen – oder gemeinsames Vorlesen, denn die Eltern werden ihren Spaß dabei haben, das kann ich garantieren!
Anständig essen – Karen Duve
Bei meiner momentan, neben dem Lesen, größten Beschäftigung, mit Kochen und Ernährung, war die Duve ja quasi Pflichtlektüre. Speziell ihre Verbindung von persönlichen Erfahrungen, sehr ehrlichen Statements und auch mal Ratlosigkeit, gepaart mit ihrem Selbstversuch verschiedener Ernährungsweisen machten das Buch für mich zu einer runden Sache – spannend zu lesen, für den ein oder anderen in der Entscheidungsphase sicherlich ein Augenöffner. Ausreichend provokant, der moralische Zeigefinger taucht so nicht direkt auf, viel mehr eine offene Empörung, ein Anprangern von Missständen, das ganze in einem direkten und ansprechenden Stil.
Noch ein Glück – Trude Simonsohn & Elisabeth Abendroth
Es gibt Bücher, bei denen ist man zum Schluss hin einfach froh, dass sie einen gefunden haben. Dieses habe ich von einer sehr lieben Freundin geschenkt bekommen, deren literarische Meinung ich hoch schätze. Und auch hier hat sie wieder einen Treffer gelandet – denn das Buch ist, abgesehen davon, dass Elisabeth Abendroth es in eine sehr ansprechende Form gegossen hat, ein wichtiges, verdammt wichtiges Buch. Ich ziehe meinen Hut vor einer Frau, die trotz des Schreckens und den Schmerzen, die ihre Erinnerungen bei jedem Erzählen verursachen müssen, so mutig ist zu sagen: Das muss erzählt werden. Das darf nicht vergessen werden! Wenn ich so etwas lese, dann verschieben sich Prioritäten, dann kann ich mir nur wünschen, dass ich auch so aufrecht, kämpferisch und stark gewesen wäre. Manchmal sind die Bücher, die einem im Gedächtnis bleiben nur ganz dünn, ihre Reichweite aber umso größer, ihr Umfang in meinem Herzen und meinem Kopf unendlich weit. Danke für ihren Mut und ihre Taten, Frau Simonsohn!
Blogger schenken Lesefreude – Der Gewinner!
So… es wurde fachmännisch ausgelost! Mich haben die vielen Kommentare sehr gefreut, gerade denjenigen, die Haruki Murakami kennenlernen möchten, kann ich nur raten: tut es! Es kann eine Liebe fürs Leben werden…
Der auslosende Part war der Meinung, der Gewinnerzettel müsste ausgebaggert werden…
Haruki Murakami ist einer der Lieblingsautoren meiner Ex-Mitbewohnerin. Da sie seit etwa einem Monat ausgezogen ist, ist meine Chance, meine eigene Begeisterung nach “Hard-Boiled Wonderland” noch weiter zu steigern, an meine schmale Studentengeldbörse gebunden, deshalb würde ich mich über einen Gewinn extrem freuen.
Herzlichen Glückwunsch Ulf! Ich freue mich sehr, vorallem weil ich deinen Kommentar so schön fand und ich die Nöte eines Studentenbudgets von meinem Mann kenne ;-)
Du bekommst diese wunderschöne Ausgabe: Kafka am Strand – Kleine Leinenausgabe! Die macht so richtig was her im Regal…!
Vielen Dank für die rege Beteiligung an alle!
Pinkfisch
Machloikes – Michel Bergmann
Ein bisschen habe ich hier ja die Reihenfolge umgekehrt und werde die Trilogie sicher nochmal in der richtigen Reihenfolge lesen. Hier also der zweite Teil der „Teilacher“. Da ich mich über die beiden anderen Bände ja schon lobend und voller Freude ausgelassen habe, bleibt hier nur zu sagen: eine sowas von runde Sache! Ganz großartig geschrieben, mit viel Herzblut und eine Figur hat es mir besonders angetan. Hach. Leseempfehlung, Leseempfehlung, ihr müsst das einfach lesen, alle drei!
Liebe am Papierrand – Yoko Ogawa
Wieder wunderbar unaufgeregt und die vielen Anspielungen und Geschichten rund ums Ohr haben mich glücklich gemacht, man fühlte diesen leisen Hauch Murakami…jeder, der ihn mal gelesen hat, wird wissen, was ich meine. Und doch hat Ogawa ihren ganz eigenen Stil, ein bisschen entrückt, leise und präzise erzählt sie ihre Geschichten und ihre Figuren setzen sich beim Lesen leise neben mich. Gefällt mir einfach sehr gut!
Hard-Boiled, Hard Luck – Banana Yoshimoto
Wann immer ich nach japanischer Literatur suche, stosse ich auf diesen Namen. Erstaunlich eigentlich, dass ich noch nie etwas von ihr las, aber unsere Wege hatten sich einfach noch nicht gekreuzt. Nun konnte ich mit diesem Band, der zwei Erzählungen von ihr vereint, einen ersten Eindruck gewinnen und dieser hat mich bestärkt: es wird ganz sicher nicht mein letztes Buch dieser Autorin gewesen sein. Ich freue mich auf mehr!
Tonspuren – Elliot Perlman
Es ist sehr gewagt, bereits im April ein Buch definitiv zu einem der Besten des Jahres zu küren. Allerdings weiß ich ehrlich gestanden nicht, was da noch kommen soll, was Perlman diesen Rang ablaufen sollte. Ich bin so tief beeindruckt, so dermaßen bewegt von diesem Buch. Es ist so intensiv, dass ich beim Lesen immer wieder Pausen eingelegt habe – um die Wörter wirken zu lassen, Sätze leise vor mich hinzusprechen, mich ergreifen zu lassen, die Tränen liefen. Ich habe in dieser Geschichte gelebt und konnte, trotz fast körperlicher Anstrengung beim Lesen, das Buch kaum weglegen. Was ist dieser Autor für ein Sprachvirtuose! Was für eine Geschichte, welch Kunstwerk hält man mit diesem Buch in den Händen. Es ist ein absolutes Muss für jeden, der sich auf eine einmalige Begegnung mit außergewöhnlichen Menschen einlassen will, der erleben möchte, wie unfassbare Schrecken eine Form bekommen und wie Erinnerungen so lebendig werden, dass man das Gefühl hat, sie greifen zu können. Wenn ich davon spreche und schwärme, bekomme ich eine Gänsehaut. Dieses Buch hat mich schlicht überwältigt!

