Ich verbeuge mich vor dieser Autorin: Dieser Roman ist nichts zum mal eben weglesen (das wäre auch Verschwendung!). Wohl aber etwas, um Sprache, Wortwitz und spielerischen Umgang mit Literatur zu genießen. Noch dazu fand ich die Geschichte einfach richtig gelungen, absolut rund! Hach…?
Der Duft des Regens – Francis Greenslade
Vielleicht tue ich dem Buch ein wenig unrecht, aber es konnte mich nicht ganz so sehr beeindrucken, wie andere Geschichten mit ähnlicher Thematik (von denen ich einige kurz zuvor las). Es mag also dem direkten Vergleich mit „The Silver Star“ geschuldet sein…Wunderschön allerdings: die Beschreibungen der kanadischen Landschaft und die Atmosphäre einer Traurigkeit…
no place, no home – Morton Rhue
Hat mir wieder richtig gut gefallen. Eine Auseinandersetzung zum Thema Obdachlosigkeit, einer Art Zeltstadt, die Auswirkungen von Mieterhöhungen, Arbeitslosigkeit und Wohnraumknappheit. Ich glaube, dass Rhue hier ein heisses Eisen anfasst, was bisher noch nur als Spitze eines Eisbergs zu sehen ist. Toll zum Jugendbuch aufgearbeitet, aufwühlend und nachdenklich machend.
Kleine Schritte – Louis Sachar
Eine Fortsetzung und zwar von „Löcher“, einem wunderbaren Klassiker der Jugendliteratur. Ehrlicherweise habe ich hier sehr wenig erwartet, denn ich konnte mir nicht recht vorstellen, wie der Bogen zur Vorgeschichte geschlagen werden sollte. Umso schöner, überrascht zu werden: ein unterhaltsamer Jugendroman, der sich mit der Frage auseinandersetzt: was passiert eigentlich nach dem Vorhang, dem Happy-End, wie geht es weiter? Noch dazu besetzt mit ungewöhnlichen Figuren und Ereignissen, richtig schön zu lesen.
Die Flüsse von London – Ben Aaronovitch
Schwierig. Am Anfang habe ich mich noch gekugelt, herrlicher Stil, britischer Witz und genau das richtige, für eine Wenig-Krimileserin, ein Krimi verpackt in schräges Geschehen und Übersinnliches. Leider wurde mir genau das dann irgendwann zuviel, zu überzeichnet, auch die Geschichte stagnierte und ich erwischte mich dabei, dass ich das Buch eher widerwillig zur Hand nahm. Ich glaube, für Fans von schrägem Humor und abgedrehten Figuren ist es ganz sicher eine Empfehlung, ich war irgendwann einfach etwas ermüdet. Ob ich den anderen Bänden noch eine Chance gebe, mal schauen.
Das grosse Los – Meike Winnemuth
Ich hatte den Blog zu ihrer Reise gelesen und war unsicher – wollte ich das alles nochmal lesen? Nachdem ich aber allenthalben Lob las, dachte ich: warum nicht. Und ja: auch wenn man den Blog kennt, lohnt sich die Lektüre. Die Aufteilung in Briefe an Freunde hat dem Ganzen einen persönlicheren Anstrich gegeben, angenehm auch, dass es kein feststehendes Schema gab und durchaus Unterschiede in ihrer Berichterstattung. Hier und da hätte ich mir ein in die Tiefe gehen gewünscht, andererseits ist es auch verständlich, wenn es innerhalb dieses Buches nicht stattfindet, das würde doch den Rahmen sprengen – im Endeffekt lässt das auch angenehm viel Platz für eigene Gedanken, Sehnsüchte und ein bisschen Fernweh.
The Silver Star – Jeannette Walls
Ich werde dieses Buch mit einem meiner Lieblingsbücher vergleichen und mir ist klar, dass ich damit einen hohen Standard setze. Als ich begann zu lesen, fühlte ich mich sofort an „Wer die Nachtigall stört“ erinnert. Walls kann wunderbar erzählen und erstaunlicherweise schafft sie es, den einzigartigen Ton in ihren Bücher zu behalten und trotzdem eine ganz eigene Erzählung zu schaffen, die sich nicht mit vorherigen Werken vergleichen lässt. Ein ganz großer Roman, eine Geschwistergeschichte, eine Geschichte über die Liebe, das Loslassen, die eigenen Wurzeln und verdammt viel Mut. Große, große Leseempfehlung!
Eine Tochter in Berlin – Otto de Kat
Obwohl dieses schmale Büchlein zu einer recht gefährlichen Zeit spielt und ein explosives Geheimnis enthält, hat es mich doch nicht recht fesseln können. Während des Lesens fand ich so einige bemerkenswerte Sätze und Gefallen am Buch, aber nach der Lektüre war dieses Buch doch recht schnell wieder weiter weggerückt. Tut mir irgendwie ein bisschen leid darum, weil ich nichts wirklich kritisieren kann oder möchte – manchmal passen Buch und Mensch eben einfach nicht zusammen.
Silber – Kerstin Gier
Endlich wieder Neues im Jugendbuch von Kerstin Gier! Was ich an dieser Autorin schätze? Ihren Humor, der so ganz auf meiner Wellenlänge liegt. Und auch davon findet sich in „Silber“ eine ganze Menge. Spannender Plot, Figuren mit denen man gerne mal ein Eis essen gehen würde, eine Prise Grusel und Geheimnis – die bewährte Gier-Mischung funktioniert wieder. Und ich freue mich über tollen Schmökerstoff für meine jugendlichen Leserinnen.
Mutter des Monats – Gill Hornby
Der Wahnsinn des Mutter-Daseins – schön bissig, böse und mit scharfer Feder skizziert. Das Höher, Schneller, Weiter, die Abgründe von Engagement und Cliquenwirtschaft. Unterhaltsam, mit dem ein oder anderen Körnchen Wahrheit, die perfekte Strandlektüre, während die Brut sich im Wasser tummelt und anderen Leuten Sandeimer aufs Handtuch kippt…