Die Frau, die ein Jahr im Bett blieb – Sue Townsend

Britischer, bitterböser Humor bei der Betrachtung einer eigentlich ganz normalen, spießigen Familie. Als Familienoberhaupt Eva beschliesst, nach dem Auszug ihrer Kinder einfach im Bett zu bleiben, bricht ein Chaos aus, mit dem wohl niemand gerechnet hatte – am wenigsten Eva selbst. Eine hundertprozentige Empfehlung wird es nicht werden, man muss diese spezielle Art von Humor schon sehr mögen. Für Freunde des Skurrilen kann ich allerdings sagen: hier ist die Verweigerung des alltäglichen Alltagsbreis trefflich auf die Spitze getrieben worden.

Schwimmen mit den Elefanten – Yoko Ogawa

Und wieder muss ich sie einfach nur loben und schwärmen – was für eine Autorin! Erneut schafft sie es, mich so schnell in ihren Bann zu ziehen, mit fliegenden Fingern blättere ich die Seiten um. Sie weiss, welche Schubladen sie aufziehen muss, damit ich in einem Buch versinke: Figuren die wie ausgesetzt wirken in unserer Welt, das Königsspiel Schach, eine Freundschaft, die niemand vorausahnen konnte. Und diese leise Atmosphäre, die all ihren Romanen und Kurzgeschichten zugrunde liegt.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert – Joel Dicker

Es gibt Bücher, zu denen kehrt man gerne zurück. Die man nur widerstrebend beiseite legt, um sich im gleichen Moment darauf zu freuen, sie wieder zur Hand zu nehmen und weiterzulesen. Spannend, genau beobachtet und durchzogen von Erinnerungen, lässt dieser Roman, der fast ein Krimi sein könnte, keine Langeweile aufkommen, fesselt den Leser und obwohl er schon 700 Seiten umfasst, er hätte auch noch länger andauern können…Wunderbarer Schmökerstoff!

 

Zeit der Krabben – Hanna Jansen

Ein eher leises, ruhiges Jugendbuch, die Geschichte einer jungen Frau, die auf einer Insel aufwächst und die mit gänzlich anderen Herausforderungen zu kämpfen hat, als ihre Altersgenossen in einer Großstadt. Und doch – manches bleibt sich gleich, ob Stadt, Land oder Insel. Einfühlsam geschildert, mit einem Blick auf die eher dunklen Punkte, die in einer kleinen Gesellschaft Schwierigkeiten erzeugen können, auf Nöte, Süchte, Wünsche.

Als Mutter verschwand – Kyung-Sook Shin

Eine kleine Perle. Über koreanische Literatur stolpert man hierzulande selten und so war ich gespannt, wie sich diese Familiengeschichte lesen würde. Als die Mutter einer Familie bei einer Reise spurlos verschwindet, hinterlässt sie eine Lücke, die so nicht geschlossen werden kann. Die Familienmitglieder kommen nacheinander zu Wort und so entsteht eine Bestandsaufnahme des Lebens der Mutter – die doch keiner von ihnen wirklich kannte oder fassen konnte. Zärtlich, traurig, zum Teil behutsam und auch anklagend – ein zu Herzen gehendes Buch, obwohl es ohne das große Drama, den Showdown auskommt – auf stille Art berührt es mehr, als pompöse Ereignisse es tun würden. Empfehlung!

Kleine Biester – Rob Alef

Quasi-Krieg auf dem Schulhof, erbitterter Kampf um Bildung und die begehrten Plätze am Gymnasium. Schauplatz ist Berlin und einige Protagonisten, deren Ehrgeiz schon deutlich ungesunde Züge angenommen hat – als Schüler verschwinden und tot aufgefunden werden, wird es für die Polizei Zeit zu handeln… Ein bissiger Krimi, der mit den Klischees rund um Helikopter-Eltern und Ansprüchen der heutigen Zeit klasse jongliert. Unterhaltsam und mit dem ein oder anderen Seitenhieb herrlich böse.

Die inneren Werte von Tanjas BH – Alex Haas

Unter dem Pseudonym “Alex Haas” verbirgt sich die bekannte Hanauer Kinder- und Jugendbuchautorin Jutta Wilke. Sie hat den perfekten Schmöker für alle Jungs zwischen Stimmbruch und Oberstufe geschrieben: Es geht um Ben, der hauptsächlich an seine Flamme Tanja denkt – denn mal ehrlich, in einem bestimmten Alter dreht sich nun mal alles um die Mädchen… Und obwohl der angekündigte Dänemarkurlaub (Oh Schreck – weit weg von Tanja und kein W-LAN im Ferienhaus!) Langeweile pur verspricht, kommt doch alles ganz anders! Ein witzig-rasanter Lesespaß,  denn unser Held Ben tritt, auf der Suche nach der Liebe, in so manches Fettnäpfchen . . .

Stoner – John Williams

Eigentlich sollte Stoner genau zu mir passen: ich mag diese Romane mit Campus-Atmosphäre, denen der Ruf anhaftet, ein Klassiker zu sein. Was mich unterschwellig bei diesem Roman begleitete, war die Hoffnungslosigkeit. Williams beschreibt einen Mann, der eigentlich nur alles richtig machen wollte. Unauffällig leben, tun was er gerne tat. Und dem von allen Seiten Gegenwind entgegenbläst, der leidet, der, statt zu kämpfen, sich einfach seinem Leben ergibt. Das zu lesen, hat mir fast körperlich wehgetan. Und doch muss ich den Autor bewundern. Eine so genaue literarische Zeichnung eines verbrauchten Menschen anzufertigen, der vom Leben nicht gerade gut behandelt wurde, ohne nach den glitzerigen Effekten eines Romanes zu greifen, um das ganze zu glätten – das ist ein schweres Handwerk. Auch wenn mich der Roman schwermütig zurücklies, kann ich doch nicht umhin, genau diese Folge zu bewundern.

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer – Alex Capus

Ein Unterhaltsungsroman, der auf leichtfüßige Weise drei Schicksale miteinander verwebt – für mich besonders spannend der Bombenbauer, aber auch der Fälscher, der sich auf einem mir recht unbekannten Feld betätigt. Und es ist ein Buch über Entscheidungen und ihre Folgen, über Lebensläufe, die nicht am Reißbrett entstanden sind. Originell zu lesen.