Was tut man, wenn man erkältet im Bett liegt und einfach mal abschalten möchte? Man nimmt sich dieses Krimi-Debüt vor und fühlt sich stundenlang bestens unterhalten, denn die Seiten flogen nur so dahin. Spannend und actionreich, mit so einigen Momenten zum Luftanhalten aufgrund der rasanten Geschehnisse. Perfektes Popcorn-Kino in Buchform!
Der Mann im Park – Pontus Ljunghill
Ein sehr langsamer, ruhiger Krimi, der sich in Schweden, Ende der 20ger Jahre spielt. Ich bin ja nun bekanntermaßen kein großer Krimifan, dieser hier sprach mich aber aufgrund der Zeitspanne an. Und tatsächlich war es eine kleine Zeitreise, in eine so ganz andere Polizeiarbeit, als wir sie heute kennen. Aber auch in ein bedrückendes, eher trübes Schweden, zu einem ruhigen, sehr in sich ruhenden Kommisar. Das wurde hier und da ein wenig lang und doch hat es mir gut gefallen, mich ganz in diese Welt versinken zu lassen, ebenso wie die Aufklärung des Falles.
Jimmy, Jimmy: Die Geschichte wie mein Vater wieder 10 Jahre alt wurde – Mark O’Sullivan
Der Titel verrät eigentlich schon die Geschichte: eine Familie setzt sich mit den Unfallfolgen des Vaters auseinander, der nun geistig auf dem Stand eines 10jährigen ist. Die Familie leidet unter den Auswirkungen, rückt zusammen, fällt auseinander. Ein ernsthafter Ton und eine sehr unverklärte Sicht der Dinge machen dieses Buch recht traurig, dafür aber auch zu einem ehrlichen Zeugnis und einer besonderen Lektüre ohne Weichzeichner.
Der zerbrochene Schmetterling – Yoko Ogawa
Die erste, klitzekleine Anmerkung, die ich zu dieser Autorin mache: auch dieser Kurzgeschichtenband ist wieder ein Guter. Aber er hat mich nicht ganz so berührt, wie die vorherigen, was für mich aber keine Abwertung darstellt, auf keinen Fall. Es hat nur (wie es ja so oft in Büchern ist) einfach aus persönlichen Gründen nicht so Klick gemacht, wie bei anderen Geschichten, die sich in meinem Kopf festgesetzt haben. Aber kein Grund, nicht noch alle anderen Bücher dieser Autorin zu kaufen, nein, nein.
Das Leben natürlich – Elisabeth Strout
Ich hatte mich sehr auf die neue Strout gefreut, kenne ich sie als Menschenkennerin mit einem Gespür für die Untiefen der Seele. Diese hat sie in ihrem neuen Roman auch wieder ausgelotet: allerdings nur von zwei der drei Hauptfiguren. Während sie es schafft, eine auseinandergebrochene Familie in all ihrem Versagen, Wünschen, Lastern und Sehnsüchten zu portraitieren, bleibt der Vorfall, um den sich das Buch dreht nebst der dritten Hauptfigur, blass. Bis zum Schluss waren die Beweggründe im Dunkeln, was mich irritiert hat. Nun stellt sich die Frage: soll man dem Klappentext die Schuld geben, weil er in mir eine Erwartung geweckt hat, die das Buch nicht erfüllen konnte? Oder sich freuen, dass es trotzdem ein lesenswerter Roman geworden ist?
Die Listensammlerin – Lena Gorelik
Obwohl mir dieses Buch sehr gut gefallen hat, fand ich es schwer einen Leseeindruck zu formulieren. Stattdessen habe ich mir Stichpunkte gemacht und es auf später verschoben. In der Zwischenzeit hat die Klappentexterin auf ihrem Blog das ganze soviel besser gemacht als ich, dass ich fast schon den Leseeindruck unter den Tisch fallen lassen wollte…aber dafür fand ich das Buch dann doch zu gut. Daher – hier meine kleine Liste ;-)
- Familienroman
- Grischa
- Listen, sympathisch, angenehm nerdig
- gut lesbar
- Verbindung zwischen Familie, Prägung,
- Angst um Tochter, Krankheit, Beziehung der Eltern
- Schreiben
- der unbekannte Onkel, der schwarze Schaf, Politik
Die amerikanische Nacht – Marisha Pessl
Ich versuche immer noch, meinen Eindruck festzunageln. Also, mal ein Versuch ungeordneter Art: einerseits: die Form (durchsetzt mit Zeitungsartikeln, Bildern, Internetartikeln etc.) – sehr passend, toll gemacht. Gehört irgendwie so zu den Büchern, wo man, obwohl man durchaus manches in Frage stellt, am Ende froh ist, dass man es gelesen hat. Das Genre (Mix aus Krimi und Horror) hab ich so noch nicht gelesen, kenne da aber auch kaum was, und fand ich ansprechend – ich hatte jedenfalls ziemlich Gänsehaut/Grusel zwischendrin. Auch die Geschichte, die Fährten, die ausgelegt werden, ich finde, der Leser wird gut auf Trab gehalten.
Nun das Aber: die Sprache. Hab mich schon vorzüglich mit meinem Mann drüber verdiskutiert: ich finde sie relativ unspektakulär und meinte mich zu erinnern, dass Pessl ja als literarisches Wunderkind gehandelt wurde. Also…so spontan hätte ich gesagt: es passt zu den handelnden Personen (was dann ja auch in Ordnung ist, die sind nunmal z.Tl noch sehr jung) aber es ist, wenn man jetzt mal als Vergleich Perlman lesen würde, überhaupt kein Vergleich. Umgangssprache, hier und da mal eine blumige Beschreibung, aber eben keine Gänsehaut-Sätze. Das MUSS bei so einem Buch auch nicht unbedingt sein, aber ich war irgendwie irritiert, weil ich ihr eine ganz andere Sprache zugeordnet hatte, aufgrund der Vorschau…Also Mhm. Mhm. Mhm. Und ich weiss nicht recht, wem ich das empfehlen soll – es ist so schwer, es zuzuordnen und die ein oder andere Grusel/Horror-Szene würde ich spontan nicht jedem Kunden zumuten…und doch ist die Geschichte wirklich packend und entwickelt einen Sog. Übers Ende kann ich hier ja nicht recht diskutieren ;-)
Nenn mich einfach Superheld – Alina Bronsky
Der Plot war so vielversprechend und auch die ersten Kapital lasen sich frisch und voller unverbrauchter Gefühle und Aussagen, bereit, dem Leser einiges zuzumuten. Für mich hatte das Buch einen Bruch, mit dem ich mich erst zum Schluss hin anfreunden konnte, den dieser glättete die Wogen für mich. Es ist das gute Recht des Autoren, seine Leser im Unklaren zu lassen, ebenso aber auch mein Gefühl eine Daseinsberechtigung: mich ein wenig betrogen zu fühlen, weil ich einige Zeit im Buch umherirrte, völlig unsicher, wohin es mich führen würde.
Lockwood & Co: Die seufzende Wendeltreppe – Jonathan Stroud
Endlich wieder Stroud, wie man ihn kennt und liebt. Was soll ich sagen: hier kommt wieder der herrliche Witz des Autors zum Tragen, die Geisterumgebung ist mal etwas erfrischend anderes, das Team rund um Lockwood ein schön skurriles: hat mir rundherum gefallen. Einzig: es ist definitiv ein Jugendbuch, weniger erwachsen als Bartimäus. Aber: wer schert sich darum? Ich jedenfalls nicht: ich freue mich auf eine tolle neue Jugendbuch-Reihe mit gruseligem Einschlag!
Fräulein Schläpples fabelhafte Steuererklärung – Catrin Barnsteiner
Ab und an muss man mal eine Liebesgeschichte lesen, die einfach rundherum nett ist: Figuren, die man ins Herz schliesst, ein witziger Plot, unterhaltsam – schön, wenn das so gelingt, dass ich nach zwei Stunden in der Wanne mit diesem Buch einfach entspannt bin.