So lange habe ich versucht, für dieses Buch Worte zu finden, die meine Bewegtheit einfangen konnten. Am Ende fand ich nur diese Wortsplitter. Erschütternd, andere Perspektive, intensiv, danach vor den Scherben sitzen, noch lange nicht vorbei, kraftvolle Sprache, karg, heftig. Nach diesem Buch konnte ich drei Tage kein neues Buch anfangen – eine Seltenheit…
Hello Kitty: Ein Phänomen erobert die Welt – Andreas Neuenkirchen
Es dürfte kein großes Geheimnis sein, dass Hello Kitty in meinem Universum eine gewisse Rolle spielt ;-) Ein ganzes Buch über die japanische Katze – das musste natürlich gelesen werden. Und ich finde, es wird der stets gutgelaunten Katze gerecht – denn es beschränkt sich nicht darauf, einzelne Fakten herunterzurattern, es blickt hinter die Kulissen, auf die Entstehung und Entwicklung dieser Figur und ihren weltweiten Erfolg. Noch dazu von einem Mann verfasst, der Hello Kitty mit einem gewissen Forscherdrang aber auch Wohlwollen gegenübersteht. Kritische Töne finden in diesem Buch allerdings ebenso Gehör. Für mich eine wirklich spannende und interessante Lektüre, nach der ich wieder wusste, warum ich ganz öffentlich auch nach der Teenie-Zeit zu meiner Zuneigung zu Hello Kitty stehen kann ;-).
Die Geschwister Gadsby – Natasha Farrant
Feines Jugendbuch – ihr solltet die Familie Gadsby und insbesondere die Geschwister Gadsby dringend kennenlernen! Gelungener Aufbau, symphatische Protagonisten, eine interessante (Kamera)-Perspektive. Japp, dicke Empfehlung!
Killmousky – Sibylle Lewitscharoff
Lewitscharoff schreibt einen Krimi. Nun, da war ich gespannt, liebe ich doch ihre Sprache und ihre Wortgewaltigkeit. Für diesen Krimi bedient sie sich allerdings einer sehr viel gängigeren Tonart, was ich einerseits schade finde, andererseits blitzt hier und da doch der gewohnte Stil durch – vielleicht ist diese Art zu schreiben auch für einen Krimi eher abträglich. Die Beteiligung des Katers hält sich in erfreulichen Grenzen, so dass hier kein weiterer tierischer Ermittler herangezüchtet wird, der Kriminfall selbst ist eher klassisch, fast schon ein wenig altmodisch. Lewitscharoff hat nicht den Krimi neuerfunden – aber sie hat etwas gewagt, ist in ein neues Genre gesprungen und hat damit einiges riskiert. Dafür und für den an sich soliden Krimi, zolle ich ihr Respekt.
Silver Linings – Matthew Quick
Ich werde mir den Film wohl noch einmal ansehen. Ich glaube, dass dieses Buch als Film hervorragend funktionieren kann und mich auch berühren wird. Als Buch kam es nicht recht an mich heran, ich fand irgendwan den Tonfall des Protagonisten so anstrengend, es zog sich. Wie gesagt – die Grundidee ist klasse, die Motive werden in bewegten Bildern sicherlich etwas für mich sein.
Der Liebe eine Stimme geben – Lisa Genova
Bücher über Autismus sind immer wieder in meine Hände geraten, es ist ein Thema, dass mich, gerade weil es soviele Arten und Verläufe gibt, sehr umtreibt. Genova hat als Psychologin sicherlich den Hintergrund, um solch einen Roman schreiben zu können und die Schilderungen aus Sicht des jungen Autisten haben mich sehr angesprochen. Sie bedient sich allerdings noch einer zweiten Komponente, die ich als eher schwierig empfunden habe, denn ihre Bücher sind eigentlich nicht dafür bekannt, übersinnliche Elemente zu enthalten. Diesmal schienen sie nötig, um die Geschichte abzurunden, ich wünschte allerdings, sie hätte darauf verzichtet.
Mehr als nur ein halbes Leben – Lisa Genova
Erneut wendet sich Lisa Genova einem schweren Schicksal zu – in diesem Roman ist es Sarah, die als Folge eines Unfalls einen linksseitigen Neglect zurückbehält. Ihr ganzes Leben – vorher genau getaktet, um Arbeit, Kinder, Ehemann und Gesellschaftliches unter einen Hut zu bekommen, ist so nicht mehr lebbar. Wenn das, was uns ausmacht und worauf wir stolz sind, aufgrund unserer körperlichen Verfassung nicht mehr möglich ist – was bleibt dann von uns? Diese Lektion muss Sarah auf die harte Tour lernen. Für mich nicht ganz so packend wie “Still Alice”, dennoch lesenswert.
Sommertöchter – Lisa-Maria Seydlitz
Eine Familiengeschichte im Sommerhaus – vom Finden, vom Verlieren, man spürt den Wind in den Haaren und den Sand unter den Füßen. Und auch wenn viele Fragen bleiben, so hat man doch am Ende ein wenig das Gefühl, die Sommertöchter haben etwas von sich selbst wiedergefunden.
Ungeschliffener Diamant – Alice Pung
Ein Buch aus dem wunderbaren edition.fünf-Verlag, den ich allein für seine Buchgestaltung einfach gernhabe. Und diese Geschichte einer Auswanderung, eines Neubeginns – aber auch einer inneren Zerissenheit zwischen China und Australien – das liest sich packend, aufwühlend und intensiv. Eine Familie, die versucht Fuß zu fassen, die einen verhaftet in die alten Traditionen, die ihnen scheinbare Stabilität versprechen, die anderen auf dem Weg zu neuen Ufern, zutiefst verunsichert, ob sie wirklich fähig dazu sind. Ein faszinierender Roman!
Letztendlich sind wir dem Universum egal – David Levithan
Ich mag Herrn Levithan, egal ob er für Jugendliche oder Erwachsene schreibt. Bei ihm stehen Gefühle im Vordergrund – so auch hier. Ein Querschnitt durch die amerikanische Jugendszene, aber diese Beschreibung allein würde dem Buch nicht gerecht. Es ist eine Liebesgeschichte, ein Geheimnis, ein Einfühlen ins Erwachsenwerden. Toller Schmöker.