Was macht man, wenn die Fabrik in der Mann arbeitet geschlossen werden soll? Protestieren…streiken. Doch bringt es etwas? Aidan Walsh greift zu einem drastischeren Mittel – er begräbt sich selbst in seinem Vorgarten und will erst wieder rauskommen, wenn die Arbeitsplätze erhalten werden. Was zunächst als skurriles Experiment anmutet, ist viel mehr als das. Eine Geschichte um eine kleine Stadt, um Männerfreundschaften, um Familie. Aidan ist viel mehr als „der Typ im Sarg“, wird zum Medienobjekt, zum Star, zum Kummerkasten…herrlicher Humor, facettenreich geschildert und einfach bis zum Schluss richtig guter Lesestoff!
Alles Glück kommt nie – Anna Gavalda
Ich gebe zu, ich hab mir von diesem Buch sehr viel erwartet. Ich mag Gavalda sehr, lustigerweise auch grade die Kurzgeschichten und dies hier ist ja ein ausgewachsener 600-Seiten Schinken. Vorneweg: Gavalda spielt mit Sprache, ist überwogend, bildreich, vollgepackt mit Leben. Die ersten etwa 100 Seiten allerdings spielt sie mit sehr unterschiedlichen Stilrichtungen, was es etwas schwer macht der sehr sprunghaften Handlung zu folgen. Aber trotzdem weiss man schon „da kommt noch einiges“ und bleibt dran – und wird belohnt. Im weiteren Verlauf des Buches erwartet uns ein Feuerwerk an Ideen, an Kuriositäten und an wunderbaren, wunderschönen Szenen, mit Witz und Lebenslust und Trauer und Verzweiflung. Alles drin. Alles in allem ist die Geschichte um den Architekten Charles Balanda der in seiner Vergangenheit Lösungen für sein aktuelles Leben zu finden versucht, auf jeden Fall zu empfehlen!
Alle sterben, auch die Löffelstöre – Katrin Aehnlich
Mann, was ein trauriges und dabei doch so schönes Buch. Allein der Titel hatte mich total angesprochen. Und das Innenleben – man schwankt zwischen Lachen, Weinen, erinnert sich selbst an seine Kindheit zurück, an Freundschaften…und ich für meinen Teil war wirklich sehr berührt. Ein tolles, unkitschiges, ehrliches Buch!
Das letzte Buch – Zoran Zivikovic
Ein Toter in der Buchhandlung. Zunächst geht man von einem Herzinfarkt aus, kurz darauf stellt sich aber heraus – der Tod hatte keine natürlichen Ursachen…Die Buchhändlerin verliebt sich kurzerhand in den ermittelnden, literaturstudierten Kriminalkommissar und gemeinsam fangen die beiden an, zu ermitteln – und auf was sie dabei stoßen ist witzig, skurril und manchmal äusserst abgefahren.
Liebevoll wird hier mit Literatur und Büchern, mit Macken und Schrullen gespielt. Auch wenn das Buch teilweise etwas schräg, manchmal auch fast banal herüberkommt – es hat was! Für Bücherliebhaber und Freunde schräg-komischer Literatur!
Jette – Peter Härtling
Ein Buch das ich als Kind schon kannte und nun nochmal gekauft habe. Einerseits wunderschön aber auch trotzigtraurig. Jette ist ein kleines Mädchen das sich mit dem alten Buchhändler Topf anfreundet. Gemeinsam erkunden sie Bücher und Geschichten und alles könnte so schön sein – würden die Leute nicht anfangen zu reden…
Hat mich jetzt, locker 12 Jahre später genau berührt wie als Kind. Ganz großartig!
Mittsommermord – Henning Mankell
Heftig, Heftig, Heftig. Und grade deswegen wirklich saugut. Will nichts verraten, aber es ist krass. Geht ganz schön brutal zu. Hat mir gut gefallen! Für mich insgesamt der „beste“ Wallander.
Emily sein oder nicht sein – Anne Donovan
Irgendwie hatte ich was ganz anderes erwartet, weniger Drama, mehr Jugendroman. Ich kann das Buch ganz schwer fassen – ich hab es gerne gelesen, fand die Story an sich gut, aber manchmal dachte ich auch nur noch – wo führt das nochmal hin? Ein bisschen ist sicher der etwas anderslautende Klappentext schuld…Fazit: Ich fands gut, find es aber schwer zu empfehlen…
Die fünfte Frau – Henning Mankell
Blieb sehr lange schwer zu fassen, wie und worum es „eigentlich“ geht. Grade deswegen aber auch mal wieder bis zum Schluss spannend und grade zum Schluss hin erschreckend. Wer diesen Mankell gelesen hat weiss sicherlich auch was ich meine. Es ist insgesamt ziemlich brutal und es passieren einige heftige Ereignisse und ja…es nimmt einen ganz schön mit, finde ich…
Der Professor – Amélie Nothomb
Bitterböse mal wieder, herrlich skurril und mit einer Spannung mal wieder – diese Autorin ist wirklich hammermässig. Ein altes Ehepaar das eigentlich nur in einem kleinen Landhaus vor sich hinleben möchte, wird durch ihren Nachbarn auf Trab gehalten. Zunächst nur durch lange, stoische Besuche…einfach genial!
Wer die Nachtigall stört – Harper Lee
Auszug aus meinem Lesekreis: Achtung, kleine SPOILER!
Ich freue mich wirklich, das wir diesmal einen „Klassiker“ gelesen haben. Bei uns wird das Buch durchaus häufiger mal auf englisch als Klassenlektüre bestellt und ich werde es jetzt auch zu genau diesem Zweck wärmstens empfehlen.
Der Stil hat mir total gut gefallen, einerseits die leicht naive und doch sehr treffende Erzählung von Scout und doch waren die Kommentare und Gespräche der Erwachsenen so wiedergegeben das man sehr viel zwischen den Zeilen lesen konnte. Ich fand das Buch las sich grade deswegen, weil es ein Kind erzählt so besonders gut.
Die Geschichte, die zunächst ein bisschen wie ein loses Gefüge aus mehreren Ereignissen daherkommt, verdichtet sich immer mehr. Grade Jems Verhalten wird durch nur kurze Andeutungen oder auch sein Schweigen gegenüber Scout viel besser beschrieben als das es viele Worte tun würden. Atticus ist eine Figur die mir persönlich als Vaterfigur sehr gefallen hat. Auf der einen Seite haben wir das Aufwachsen und auch „Erwachsenwerden“ von Jem, auf der anderen Seite auch Scout die noch nicht alles versteht und doch teilweise mehr als soviele „schlaue“ Erwachsene. Ich fand die Geschichte bis zum Schluss unheimlich spannend, die Gerichtsverhandlung, auch wenn „eigentlich“ klar ist wie es ausgehen wird – total großartig geschildert.
Das Buch wirft sehr viele moralische und ethische Fragen auf, Wie hätten wir damals, in dieser Welt gehandelt? Und wie man an den Geschenken sieht die Atticus nach der Verhandlung bekommt, sieht man, das auch das Dorf sich ganz und garnicht sicher ist, ob seiner Weltanschauung. Auch heute noch gibt es solche Ungerechtigkeiten – haben wir den Schneid dazu, zu unseren Überzeugungen zu stehen? Machen unsere Gerichte wirklich alle Menschen gleich? Sind wir heutzutage frei von Vorurteilen?
Ich behaupte – nein. Wir werden alle, immer daran arbeiten müssen, immer auch gegen wiederkehrende Vorurteile ankämpfen müssen.
Als Resumee: Ein Buch das bleibt, das man trotz des ernsten Inhalts gerne liest und das fesselt. Absolut empfehlenswert!