Klasse!!! Ulrike, Journalistin im Ruhestand reisst bei dem Versuch, ihrem Nachbarn beim leichtbekleideten Yoga zuzusehen, das Bücherregal aus der Wand – das sich so ungünstig in der Wanne verkeilt, das sie aus eigener Kraft nicht herauskommt. Nun gut, von Zeit zu Zeit heisses Wasser nachlaufen lassen, ein bisschen Schokolade ist auch noch da und morgen wird sie die Putzfrau finden. Aber so einfach ist es nicht. Ulrike sinniert über die Badewanne, die sie schon ihr ganzes Leben irgendwie begleitet – und wir begleiten sie auf ihrem Trip in die Vergangenheit. Und der ist sehr, sehr lesenswert, sehr klar und authentisch, komisch und tragisch. Ein schräger Blickwinkel aus dem die Autorin wirklich alles rausgeholt hat. Ich kanns nur empfehlen!
Bekenntnisse einer Freundschaft – Antoine de Saint-Exupéry
Einfach nur wunderschön. Nichts gegen den kleinen Prinz, der ist „okay“ aber die anderen Texte berühren mich einfach VIEL mehr. Ganz schmales Bändchen…sehr großartig!
Wie müssen über Kevin reden – Lionel Shriver
So, wer es noch nicht las, sollte vielleicht diesen Text überfliegen.
Es IST toll geschrieben, keine Frage, auch sehr eindringlich – aber (man verzeihe den Kraftausdruck) meine Fresse, bin ich nun deprimiert. Es liest sich auch anstrengend.
Man liest es mit einer Faszination, die ich schon fast wieder abstoßend finde, wie kann man an so etwas so interessiert sein? Ich weiss ja auch nicht, der Mensch will nunmal Lösungen, verstehen, Sachen aufklären. Die Mutter bekam ich nicht zu fassen – ich schwanke zwischen Mitleid, Abscheu, Verständnis und Ratlosigkeit? Im Endeffekt hat doch SIE nicht dem Jungen die Waffen in die Hand gedrückt und gesagt, lauf Amok. Warum geisselt sie sich dann so dermaßen selbst? Und andererseits verstehe ich sie – sie will verstehen, will wissen. Das sie den Vater einerseits so auf ein Podest hebt, sich ihm aber auch klar überlegen fühlt – hm? Und das der Vater nicht sehen will, da wird mir einfach schlecht. Und andersherum, ja, sie wollte nicht wirklich ein Kind, aber laufen deswegen alle Kinder gleich Amok? Das ist mir zu einfach…zu schwarz/weiss…
Und Kevin selbst…keine Ahnung. Das „Ende“ fand ich seltsam und doch wieder logisch, das Buch ist ja auch so aufgebaut das jedes Detail erst nach und nach ans Licht kommt. So gab es zum Schluss für mich genügend Gelegenheiten wo ich nur noch dachte „Oh mein Gott“. Was ein Ekel, ich kann nicht mit jemand, der so grausam ist und so intelligent das er WISSEN muss wie andere darunter leiden. Das ist einfach…uah.
Also – ich habs gelesen und finde es auch weiterhin durchaus ein bemerkenswertes Buch. Aber auch unheimlich krass, niederdrückend, und mich hat das nun wirklich ziemlich naja…ernüchtert. Aber gut, ein Buch soll ja auch einen starken Eindruck hinterlassen.
Die große Liebe – Hanns-Josef Ortheil
Für mich eine Enttäuschung. Sprachlich teilweise sehr schön, manchmal aber auch unheimlich konstruiert. Man bekommt von der Hauptperson eine fast analytisch genaue Aufzählung – aber Gefühle? Recht farblos bleibt auch die Frau in die er sich verliebt, einzig fabreich geschildert sind Landschaft und Essen…mhmpf. Hat mich sehr unbefriedigt zurückgelassen.
Die souveräne Leserin – Alan Benett
Ein kleines, tolles, rotes Buch, kann mich da nur allen Lobeshymnen anschliessen. Hab mich wirklich sehr amüsiert und fands einfach nur klasse…;-) Wenn die Queen anfängt zu lesen, verändert das nicht nur sie selbst…
Kleine Vogelkunde Ostafrikas – Nicholas Drayson
Mal etwas ganz anderes. Sehr charmant erzählte Geschichte von Mr. Malik, der seit Jahren die Vogelführerin Rose, die wie er selbst verwitwet ist, verehrt. Heimlich allerdings. Als der angeberische Harry Khan, ein ehemaliger Schulkamerad (der ihm so gar nicht in guter Erinnerung geblieben ist) allerdings auch ein Auge auf Rose wirft, soll eine Wette das Problem gentlemanlike lösen…während Khan alle Regeln umgeht und scheinbar damit durchkommt, geht bei Malik schief, was nur schiefgehen kann – ob er sich davon entmutigen lässt? Wer gewinnt am Ende das Herz von Rose?
Dieser kurze Roman ist äußerst amüsant, sehr gut beobachtet und einfach toll erzählt. Fand ich klasse!
Murp! – Oliver Uschmann
Dieses Buch aus der Hartmut & Ich Reihe hat wieder mehr von den tollen, abgedrehten Hartmut Ideen als der Vorgänger Wandelgermanen. Einige Stellen sind einfach nur zum totlachen…es empfiehlt sich aber, zumindestens „Voll beschäftigt“ vorher gelesen zu haben, um Hartmut so richtig zu verstehen. Aber auch so: es gibt wieder absolut herrliche Szenarios, Hartmut-Aktionen und auch die Playstation und Baumärkte kommen nicht zu kurz! Und ach ja – MURP!!!
Die Zeit der Schmetterlinge – Julia Alvarez
Beruht auf einer wahren Geschichte, denn es gab die 4 Mirabal-Schwestern wirklich.Die 4 Schwestern Patria, Maria Theresa, Dedé und Minerva wachsen unter dem Trujillo-Regime in der Dom.Republik auf. Nur Dedé überlebt, die anderen 3 Schwestern werden bei einem Anschlag getötet. Dieses Buch beschreibt, indem es jede Schwester einen Teil der Geschichte erzählen lässt, das Leben der Schwestern, die sich in einer Untergrundorganisation gegen das Regime auflehnten…liest sich äusserst packend, wirklich interessant und einfach verdammt gut geschrieben. Ich habe jedenfalls bis zum Schluss mitgefiebert, obwohl man das Ende von Anfang an kennt.
Schmitz Katze – Ralf Schmitz
Ich habs eher gekauft um mal reinzublättern…aber ich fand es wirklich und ehrlich lustig. Habe selbst 2 Katzen und fand wirklich zu 90% trifft alles einfach exakt zu. Ein bisschen mit Zeichnungen und Fotos aufgepeppt macht das Buch wirklich einfach Spaß. Mal was ganz anderes, zum locker weglesen und man wird wirklich sehr nett dabei unterhalten :) Ich werde das jedenfalls noch einige Male verschenken ^^
Das Spiel des Engels – Carlos Ruiz Zafón
Der perfekte Winter-Schmöker – düster, dramatisch und spannend bis zum Schluss!
Wie schon sein Vorgänger, „Der Schatten des Windes“ spielt auch dieser Roman von Carlos Ruiz Zafón in Barcelona, im Jahre 1917 um genau zu sein. Ruiz Zafón entführt ins in ein Barcelona das nicht nur bunt und wild ist, sondern auch geheimnisvoll, tückisch, düster und dramatisch. Der junge David Martin fristet sein Leben als Schriftsteller unter falschem Namen, der recht erfolgreich eine mittelmässige Krimireihe schreibt. Zunächst nicht besonders aufregend – wäre da nicht das geheimnisvolle Angebot von einem französischen Verleger, für eine große Summe Geld ein ganz spezielles Buch zu schreiben…
Viel mehr will ich gar nicht verraten, möchte ich doch nicht die Spannung nehmen. Hier ist alles drin: Drama, Liebe, Spannung bis zur letzten Seite, Tragödie, Krimi, Tod und Leben…es klingt vielleicht abgedroschen, aber das hier ist ein 1a Schmöker für diesen grauen Winter. Was zunächst so harmlos anfängt entwickelt so einen Sog das man wirklich nicht aufhören möchte. Ab und an blitzen wunderbare Sätze auf in diesem Lesefutter, woran man sich erfreut und durch die Beschreibungen fühlt man sich wirklich fast wie in Barcelona.