Wieder ein Buch das ich mit meinem bewährten Lesekreis zusammen gelesen habe. Ich kannte es vorher nur vom Sehen und mich hat der Titel aber sehr angesprochen. Ein Buch dessen Handlung sich über nur einen Tag erstreckt, ist gewagt. Hier bleibt jedoch nicht der Handlungsstrang auf der Strecke. Robert Ames ist Vertreter für Lebensversicherungen, hat einen scharfen Blick und neigt dazu, sehr vieles zu analysieren, im Kopf durchzuspielen. Man hat das Gefühl, das dieser eigentlich normale Tag für ihn einige Erkenntnisse für sein Leben und seine Ehe bereithält, die er zwar wahrnimmt und auch im Kopf gedanklich beackert und dennoch am Ende fast fassungslos und handlungsunfähig vor dem Trümmerhaufen steht. Für mich sprachlich toll zu lesen, hatte auch genau die richtige Länge um zu „wirken“.
Kategorie: M
Die Straße – Cormac McCarty
Ein Weltuntergangsszenario – obwohl die Geschehnisse im Dunkeln bleiben. Ein Vater und sein Sohn wandern, nur mit dem allernötigsten, durch ein zerstörtes Amerika, der Tod ist allgegenwärtig. Das Buch ist düster, auch durchaus bedrückend. Ich kann nur meine Stimmung beschreiben – mich hat es nicht so sehr berührt, weil Vater und Sohn so anonym bleiben und für mich auch ihre Beweggründe für die Flucht an die Küste. Vom Stil her einige wirklich gute Szenen aber es hat mich wirklich nicht grade mitgerissen – mir fehlte das persönliche und auch ein wenig Handlung.
Die große Welt – Colum McCann
*erscheint im September 2009*
Mit der Geschichte des Seiltänzers, der in den 70gern zwischen den zwei Türmen des World Trade Centers sein Seil spannte, verknüpft McCann ein großes New York Epos. Das Problem was ich eigentlich fast immer mit Geschichten habe, die aus 5 oder mehr Blickwinkeln erzählt werden – einige gefallen mir super, andere ziehen sich ein bisschen. So auch hier – ich habe das Buch gerne und auch recht schnell gelesen, werde es auch durchaus empfehlen. Trotzdem hat es einige Längen. Am Ende ist man dennoch erstaunt, wie toll der Erzählstrang durch alle Blickwinkel geht und wo sich die Protagonisten treffen und verknüpfen – das ist schon ein toller Erzähler, der McCann…
Hand aufs Herz – Anthony McCarten
Erscheint im September 2009!
Es klingt ein bisschen, ja gradezu seltsam, das Geschehen in McCartens neuem Roman. Aber dieser Autor scheint ja eine Vorliebe für ungewöhnliche Ereignisse zu haben. Ich jedenfalls liebe ihn dafür! In diesem Fall gibt es ein Auto zu gewinnen: wenn man nur lange genug die Hand darauf hält, ohne loszulassen. Das klingt schräg? Ist es auch! Und es zieht einen Haufen Menschen an, junge, alte, ehemalige Soldaten, Verlierer, reiche Yuppies und mehr. Für viele ist es Spaß oder Herausforderung – für einige Teilnehmer steht aber noch viel mehr auf dem Spiel. Wer wird gewinnen? Wer hätte es moralisch verdient, zu gewinnen? Hier wird wieder ein Geflecht gesponnen aus interessanten Figuren, einer temporeichen Handlung und vielen aufgeworfenen Fragen – und das ganze gleitet trotz Witz und Sarkasmus nicht in Slapstick ab! Diogenes hat mit diesem Autor einen echten Glückstreffer gelandet – weiter so!
Englischer Harem – Anthony McCarten
Oft kommt die Anfrage: Ich brauche was zu lesen. Es soll Witz haben, gut erzählt und spannend sein. Aber nicht zu seicht, nicht zu hohe Literatur – eine packende Geschichte mit ungewöhnlichem Thema. Ab heute kann ich all diesen Menschen dieses Buch nur ans Herz legen.Ich habe einen herrlichen Urlaubstag damit verbracht und finde es richtig, richtig toll!
Wie der Titel schon andeutet, geht es in dieser Geschichte durchaus um einen Mann und seine 3 Frauen. Allerdings ist in diesem Roman auch nichts wie es scheint – McCarten spielt mit den Klischees und den Erwartungen des Lesers, packt seine Gesellschaftskritik in schön gestaltete Szenen und auf 582 Seiten kommt kein bisschen Langeweile auf. Als Tracy Pringle, 20 Jahre und Supermarktkassiererin ihren Eltern verkündet das sie heiraten wird, sind diese entsetzt. Als sie mitbekommen das der Auserwählte Perser ist und bereits 2 Frauen hat – Schock! Aber das ist nur der Anfang dieses grandios erzählten Romans der einen in seinen Bann zieht – mit sehr viel Witz, Weisheit, einem Aufruf für Toleranz…McCarten gelingt es sehr authentisch, die verschiedenen Kulturen zu mischen und sie zu Wort kommen zu lassen – kein erhobener Zeigefinger, wohl aber ein kluges Hinterfragen der eigenen, doch allzu oft festgezurrten Meinung. Gespickt mit vielen absolut tollen Sätzen, die mich beeindruckt haben!
„Was ist denn Schlimmes daran, wenn manch einer mit dem Leben einen Kompromiss schließt? Wer hat ein Recht zu urteilen, wenn er nichts weiß über das Wie, Warum und Wozu? Das habe ich in meinem Leben gelernt – nach ein oder zwei Schiffbrüchen, da hält man sich an jedem Stück Treibgut fest, nur um zu überleben.“
Afterdark – Haruki Murakami
Ich bin ja bekanntermaßen ein sehr großer Murakami Fan. Ich lese seine Bücher nur im Urlaub, mit ausreichend Zeit und Muße. Afterdark ist ja eines der dünnsten Bücher dieses Autors. Vielleicht liegt es daran – ich liebe seine so detailreichen, ausschweifenden Beschreibungen so sehr. Ich empfand keine besondere Bindung zu den handelnden Personen. Wer andere Werke von Murakami gelesen hat, dem wird Afterdark dennoch gefallen, weil er wieder einige typische Thematiken aufgreift, lose Enden zulässt und Fragen stellt, für die er so bekannt ist. Trotzdem für mich nicht der beste Murakami und als Einstieg nicht so geeignet. Ich dachte beim Lesen, es müsste ein früheres Werk sein, es ordnet sich aber eher in der Mitte ein. Vielleicht ein Experiment…;-) Weil es Murakami ist, lasse ich es ihm mal durchgehen…
Schlechter Sex 2 – Mia Ming
In diesem zweiten Teil von „Schlechter Sex“ kommen nun die Männer zu Wort. Beim ersten Teil hatte ich viel Spaß, hier habe ich auch ab und an geschmunzelt, fand die Geschichten aber insgesamt irgendwie nicht soo den Reisser. Irgendwie schade.
365 Nächte: Ein intimer Erfahrungsbericht – Charla Muller
Eigentlich ist mit ihrer Ehe alles soweit in Ordnung. Denkt Charla. Aber sie möchte ihrem Mann zu seinem 40gten etwas ganz besonderes schenken. Also schenkt sie ihm: 1 Jahr lang, jeden Tag Sex. Und das verändert nicht nur das Intimleben der beiden, sondern die ganze Beziehung grundlegend. Ist bestimmt nicht jedermanns Sache, auch kein Allheilmittel, wie die Autorin auch selbst erkennt. Aber an sich fand ich das Experiment und einige Ansätze durchaus überlegenswert und auch spannend.
Die Brandmauer – Henning Mankell
Hat mir auch wieder gut gefallen, allerdings waren für mich z.B. Mittsommermord oder Die fünfte Frau doch noch ne Klasse besser. An sich gefiel mir auch der Fall, aber er blieb so „ungreifbar“, obwohl eine Katastrophe bevor steht, kann man es irgendwie nicht erfassen. Schwer zu sagen. Trotzdem – Mankell kanns einfach!
Das Mädchen das sterben sollte – Glynn Maxwell
Ein sehr ungewöhnliches Buch, fast nur in Dialogen verfasst (Telefongespräche, Gespräche, Interviews, Anrufbeantworter etc.). Macht es einerseits sehr mitreissend zu lesen, ist aber auch nicht unanstrengend. Susan Mantle gerät durch die Vorhersage einer Wahrsagerin in Panik – und löst durch einen, unter Tränen gesprochenen Satz (leider in eine Fernsehkamera) einen nationalen Hype aus. Sie will allerdings überhaupt nicht berühmt werden…und wird es deswegen grade erst recht. Es ist schon brilliant vorgeführt, wie verquer und heftig diese Medienwelt reagiert, ihren Freundeskreis durchwirbelt…trotzdem keine Top-Empfehlung, dafür ist es an einigen Stellen doch etwas zu langatmig…