Oh, war das schön! Nochmal ein Wallander, das ist einfach wie nach Hause kommen. Auch wenn dieser Band rein chronologisch als erster dran wäre, fand ich es ganz prima, ihn nach dem Abschluss der Reihe zu lesen. Wallander als junger Mann, einige Fälle zu erleben auf die in den späteren Bänden immer wieder Bezug genommen wird, das hatte was. Seine Prägungen werden klarer, das Bild des eigenwilligen Ermittlers bekommt noch ein paar Details mehr. Mir hat dieser Ausflug in die Jugend Wallanders richtig gut gefallen!
Kategorie: M
Accabadora – Michela Murgia
Dieser Roman hat mich begeistert – eine klare Sprache, wunderbar erzählt.Ich weiss auch nicht was es ist, aber dieser Roman hatte mich total in seinen Bann gezogen, das Thema war mir völlig unbekannt und hat mich fasziniert. Unaufgeregt und mit dem Blick für das Besondere schildert Murgia das Aufwachsen von Maria, die als „filius de anima“ von Bonaria Urrai großgezogen wird, einer alleinstehenden Frau der eigene Kinder verwehrt blieben. Die beiden entwickeln eine spezielle Beziehung – die an der nächtlichen Tätigkeit der Schneiderin als Accabadora fast zerbricht…
So oder so ist das Leben – Marie-Aude Murail
Murail hat eine ganz eigene Art Jugendbücher zu schreiben – leichtfüßig aber nie banal. Hier wagt sie sich an das schwierige Thema einer ungewollten Schwangerschaft mit 17. Aber nur allein dieses Thema würde den Roman nur unzureichend beschreiben. Der Umgang mit dieser Schwangerschaft, eine Familie die aneinander vorbei lebt und sich schon lange nichts mehr sagen hat und zwei sehr gegensätzliche Ärzte komplettieren das Bild. Ein bisschen ratlos lässt mich das Buch zurück, es wartet zwar mit einer Lösung auf, lässt aber doch sovieles offen. Als Diskussionsstoff für die Schule durchaus geeignet, hat es doch viel Zündstoff, als Jugendbuch lässt es mich doch leise enttäuscht zurück, was aber auch an einer etwas konträren Meinung zum Thema liegen kann.
Blinde Weide, schlafende Frau – Haruki Murakami
Was bleibt mir zu meinem Lieblingsautor noch zu sagen? Auch diese Sammlung von Kurzgeschichten (die so kurz garnicht sind) ist wieder Kunst, Liebe auf den ersten Blick, die Wörter hallen lange nach, Murkami beschreibt das Leben wie es kein anderer kann und tut. Ich kann mich vor diesem Großmeister der Sprache und genauem Beobachter der Menschen nur immer wieder verbeugen und mir wünschen das er noch verdammt viel schreibt.
Und jedem anraten, einen Murakami so zu lesen wie ich: in völliger Stille, mit Lieblingsgetränk, wach und aufmerksam um alle Gedanken und Gefühle nur auf dieses Buch zu konzentrieren. Wer sich auf Murakami einlässt, der verliebt sich. Für immer.
Zuhause – Kristof Magnusson
Ein netter Roman, nicht aufsehenserregend, wer Island-Fan ist wird Spaß haben an einigen Schilderungen, für alle anderen ist es schnell gelesen und an einigen Stellen merkt man durchaus, das Magnusson mehr kann, es hat Witz und Charme. Allerdings schafft er es nicht dieses Niveau durchzuhalten. Aber dafür das es sein Debüt ist, ist es auf jeden Fall gelungen.
Der Feind im Schatten – Henning Mankell
Für alle Wallander-Fans war es die Nachricht: noch ein letzter Fall für den eigenbrötlerischen Kurt Wallander. Auch wenn ich seine Krimis noch nicht so lange kenne, habe ich sie mit großer Begeisterung vor 2 Jahren alle auf einen Rutsch gelesen. Und jetzt, der finale, letzte Fall. Ich kann nur sagen: ich war sofort wieder dort, in Schweden an Wallanders Seite. Der Fall an sich, geschenkt, er spielt auch eher eine untergeordnete Rolle. Aber es ist ein Abschied, einer der diesem eigenwilligen Ermittler gerecht wird. Das Buch ist durchaus düster, eben von Melancholie und Rückblicken begleitet. Und trotzdem: Mir gefällt dieser Abschluss einer großen Krimi-Reihe wirklich gut!
River – Donna Milner
Es ist schwer das Buch in Worte zu fassen – geht einem ja manchmal so, wenn man sehr begeistert ist – ich sage mal vorneweg: das Buch lohnt den Kauf absolut! Was als ruhige, fast schon idyllische Familiengeschichte in Kanada auf einer Milchfarm beginnt, das entwickelt sich nach und nach zu einer sehr dichten, spannenden Geschichte die einen ganz gefangen nimmt – den ein Ereignis im Leben der Familie Ward, das Auftauchen des jungen „River“ verändert alles – auf eine Art, die sich niemand vorstellen konnte. Ein unglaublich guter Roman den man wirklich ungerne aus der Hand legt. Für mich eine schöne Entdeckung, sehr empfehlenswert!
Achtung Baby! – Michael Mittermeier
Ich bin ja immer etwas skeptisch – nicht jeder Komiker kann auch schreiben. Und die Aufmachung des Buches sprach mich eigentlich auch nicht an. Aber nachdem ich es empfohlen bekam und auf den ersten Seiten eine hinreissende Geschichte über Jagd auf Nahrung in der Schwangerschaft („Fleisch – sofort!!!“) fand, meinem Mann vorlas und der nur nickte und meinte „Da hat der ziemlich recht!“ musste das Buch mit. Ein unterhaltsames Werk, Mittermeier nimmt sich netterweise auch selbst aufs Korn und vermischt seine eigenen Erfahrungen mit denen aus dem Bekanntenkreis und einigen Stücken aus seinem Bühnenprogramm. Sympathisch geschrieben und einige Male musste ich wirklich laut lachen – genau so isses! Die Pointen sind nicht zu flach und mit vielem hat er den Kern der Sache getroffen – und nimmt vorallem alles mit Humor – wohl der beste Tipp an werdende Eltern…;-)
Das war ich nicht – Kristof Magnusson
Ein brillanter Roman! Magnusson verwebt kunstvoll das Leben dreier Personen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Da wäre der Schriftsteller Henry aus Chicago, seine Übersetzerin Meike aus dem Norden Deutschlands und der deutsche Banker Jasper. Zunächst haben die 3 Figuren keinerlei Anknüpfungspunkte – bis Henry spurlos verschwindet, Meike ihm aus einer fixen Idee und Geldmangel in Chicago nachstellt und beide aus unterschiedlichen Gründen auf Jasper treffen. Was daran so brilliant ist? Kein Erzählstrang ist langweilig, die Verknüpfungen kunstvoll und trotzdem sehr natürlich – man denkt nur „Ja, genau so musste das passieren“. Die Abwärtsschleife, der Strudel der Ereignisse in die alle 3 verwickelt werden ist einfach so toll zu lesen, das man richtig in einen Rausch gerät – und der Autor hält das Tempo konstant durch! Keine Minute langweilig oder anstrengend, eine verdammt gute, kurzweilig erzählte Geschichte – eine der Empfehlungen für dieses Frühjahr!
Herztier – Herta Müller
Sprachlich ganz groß. Beeindruckend. Beklemmend, betrachtend, beobachtend. Wahrscheinlich könnte diese ungewöhnliche Frau auch über Kachelöfen schreiben, ich wäre begeistert. Aber das wäre ihr Unrecht getan, denn sie greift Geschichte auf, harte Zeiten in denen Freundschaft, Durchhaltevermögen und Vertrauen die wichtigsten Güter sind. Wo aber auch Leid regiert und die Menschen unten gehalten werden. Ein beeindruckendes Portrait und ganz sicher hat die Jury für den Literaturnobelpreis diesen Preis an die absolut Richtige vergeben. Sicherlich nicht mein letztes Buch von ihr.