Ganz normale Helden – Anthony McCarten

Seit einigen Jahren gehört McCarten zu den Autoren, deren Bücher ich (auch wenn sie durchaus schwankend sind) mit Spannung erwarte. Unvergessen bleibt für mich „Englischer Harem“, für viele andere wird es „Superhero“ gewesen sein. Mit diesem Roman knüpft McCarten an die Geschichte nach Superhero an. Allein schon dafür gebührt ihm Respekt, denn Fortsetzungen im Generellen sind schon eine schwierige Geschichte, noch schwieriger wird es allerdings, wenn im vorigen Roman die eigentliche Hauptfigur verstirbt. Und doch: er hat es geschafft, das Buch kann sowohl als eigenständiges Werk stehen, aber auch als (sehr gute) Fortsetzung verstanden werden. Und er hat getan, was so mancher vergisst: was passiert nach dem „Ende“? Und wo stehen die Figuren, die vielleicht vorher an den Rand gedrängt wurden, aufgrund der erdrückenden Ereignisse. Für mich hat auch der Teil, der den neuen Medien, virtuellen Welten gewidmet ist, ganz großen Reiz, sind mir doch virtuelle Kontakte nicht fremd und auch die Spielwelten durch meinen Mann sehr vertraut. Ich könnte mir vorstellen, dass es ein Manko ist für jemanden, der sich nicht groß für die Materie interessiert, deshalb ist es auch etwas speziell, dieses Buch zu empfehlen. Und doch: ich empfehle es mit Freuden!

Wir beide, irgendwann – Jay Asher/Carolyn Mackler

Das war nett. Will sagen: die Idee war witzig aufgemacht, besonders für jemanden wie mich, der auch durchaus noch den Ton eines sich verbindenden Modems kennt, war es ein schöner Flashback, zurück in eine Zeit in der es zwar Computer gab, aber eben kein Facebook… und auch, wie anders die Jugendlichen, die damit konfrontiert werden, zunächst reagieren. Ich glaube, ich hätte es als Jugendliche gerne gelesen, liess sich gut wegschmökern. Mehr war es für mich allerdings dann auch nicht, es blieb nicht haften.

Mary Ann im Herbst – Armistead Maupin

Mit einigem zeitlichen Abstand hat er es doch noch getan: den achten Teil der Stadtgeschichten geschrieben. Und ich kann Maupin einfach nur danken. Er schafft es, diese Reihe, die ich sehr ins Herz geschlossen habe, angemessen weiterzuführen: und er bewahrt ihren Charme, scheut sich aber genausowenig davor, das aktuelle Leben in San Fran einzuflechten und auch die heutigen Problematiken und Lebensweisen. Dem allein gebührt mein größter Respekt. Ein Muss für Fans!

Vor dem Frost – Henning Mankell

In diesem Wallander-Krimi ermittelt nun erstmals nicht mehr nur Wallander selbst, sondern seine Tochter Linda, die sich nach einigen Jahren des ausprobierens entschloß, eine Ausbildung zur Polizistin zu machen. Der Fall an sich ist nach gewohnter Wallander-Manier recht schlüssig geschrieben, allerdings nicht allzu überraschend. Das Besondere steckt in der Sichtweise Lindas, die ihre ambivalenten Gefühle zum Vater mit sich herumträgt – man hat ein wenig das Gefühl, Wallander mal aus einer anderen Perspektive zu erleben, was nach Lektüre aller anderen Krimis einfach ein wenig wie „nach-Hause-kommen“ anmutet. Auch Linda, die ja in den Büchern rund um ihren Vater immer wieder auftaucht, wird greifbarer. Ein schönes Wiedersehen!

Das Labyrinth der träumenden Bücher – Walter Moers

Wie lange habe ich auf diese Fortsetzung gewartet. Der Folgeband zu „Die Stadt der träumenden Bücher“ eines der wenigen Bücher das ich mehrfach gelesen und einmal seineshalben eine Nacht durchgelesen habe. Und ich wurde, für mein Gefühl, auch nicht enttäuscht.

Ich finde das der Verlag sich absolut keinen Gefallen damit getan hat, zu verschweigen das dieser Roman wirklich „mittendrin“ endet und dann der dritte Teil angekündigt wird. Lieber wäre mir fast noch 2 Jahre Wartezeit und dafür richtiger Schmökerspaß gewesen. Wenn man sich im Netz umsieht bekommt das Buch daher diverse, richtig schlechte Bewertungen. Das ist schade, denn verdient sind diese nicht.

Ja, es ist mehr ein Auftakt, ein Warmwerden mit dem großen, neuen Abenteuer von Mythenmetz, eine kleine Rückschau…aber auch das ist so farbig, prall, kreativ und herrlich in üblich moerscher Manier geschrieben, das ich einfach nichts zu meckern habe. Zamonien und seine Bewohner begeistern mich, auch hier habe ich wieder an Anagrammen herumgerätselt und mich über die Fabulierkunst des Autors nur noch gefreut. Also: ein kleiner Wermutstropfen ist der wohl gemeinste Cliffhanger aller Zeiten schon, aber ein gutes Buch, das findet der geneigte Moers-Fan hier auf jeden Fall!

Am Ende der Welt – Anthony McCarten

McCarten ist ja ein Liebling von mir – ich liebe seine schrägen Ideen, seine unangepassten Charaktere. Eigentlich stimmt hier auch wieder alles: schräge Protagonisten, eine ziemlich abgedrehte Grundidee inkl. Aliens um die sich die Handlung rankt. Aber irgendwie hat mir das Buch auch Schwierigkeiten bereitet – vielleicht weil ich von McCarten eher halbwegs realistische Romane gewohnt bin und mir nicht vorstellen konnte, wie er die Kurve aus dem SciFi-Bereich bekommen würde? Ich kann den Finger nicht drauf legen – ich habs gern gelesen, die Kurve hat er bekommen und zwar richtig gut. Aber zwischendrin hab ichs auch mal weggelegt und fand das nicht so dramatisch. Ein bisschen Schade, andererseits – vielleicht wars einfach diesmal nicht mein Fall.

Der Tag an dem Marilyn starb – Donna Milner

Nachdem ich von River von der gleichen Autorin so begeistert war, habe ich mir von diesem Buch recht viel erhofft. Warum es mich nicht ganz so gepackt hat, kann ich selbst nicht so genau sagen: die Personen wuchsen mir ans Herz, gerade die Kinder, die Geschichte war auch sauber erzählt. Für mich aber eben nicht mehr, zumal mir Geschichten die rund um Kriegsgeschehen angesiedelt sind, selten gut gefallen. Vielleicht einfach für mich nicht das richtige Buch.

Super Mom: Zwischen Kind und Karriere – Katharina Mahrenholtz

Tja, was soll ich sagen – vielleicht hätte ich den Ratgeber eher lesen sollen, so wusste ich schon ungefähr wie das so geht, mit Kind, Arbeiten, Ehe, Freizeit und Haushalt…;-) Zudem falle ich nicht direkt in die Zielgruppe, die meisten Probleme die dort angesprochen werden kenne ich so nicht, da komplett andere Ausgangssituation. Es war ein bisschen was zum Schmunzeln dabei, ein paar nette Illustrationen und bei einigen Beschreibungen rund um den Alltag in dem man Kind und Job vereinbart konnte ich nur nicken. Aber im Endeffekt wars eher ein humorvolles, mit einem Schuss Ironie gewürztes Geschenkbuch als ein Ratgeber.

1Q84 – Haruki Murakami

Ich musste ein wenig warten, bevor ich diesen Leseeindruck schreiben konnte, ich wollte diesem Buch so unbedingt gerecht werden und mir genug Zeit geben, alles setzen zu lassen. Murakami ist ja so ein Thema bei mir, ich lese ihn generell nur im Urlaub und habe so fast ein halbes Jahr gewartet, bis ich diesen wundervollen Roman gelesen habe. Die letzten 550 Seiten von über 1000 habe ich übrigens an einem absolut perfekten Saunatag nur so inhaliert..ich war im Rausch. Und da sind wir wieder: Ich kann über Murakami nicht schreiben, ohne Superlative zu benutzen, ich kann nicht über ihn schreiben ohne das mein Herz schneller schlägt. Seine Geschichten sind so intensiv erzählt, er ist so konsequent in seinen Beschreibungen und Personen wie wenige Schriftsteller es schaffen. Auch hier bin ich wieder in der Geschichte versunken, habe mich besonders gefreut das in diesem Buch auch die Literatur eine große Rolle spielt, begegnete alten bekannten Motiven aus vorhergegangenen Romanen…Ich habe die letzten Seiten umgeblättert und musste sofort nochmal von vorne beginnen, nochmal im Buch stöbern, es umarmen – Murakami ist hier wieder so groß, verdammt groß. DANKE!