Honig – Ian McEwan

Ein Agententhriller zählt eigentlich nicht zu meinem Leser-Beuteschema. Aber hier zählten gleich zwei Dinge – zum einen ist es ein McEwan, zum anderen dreht sich dieser Roman um Agenten im Dienste der Literatur. Hier und da hält sich das Buch leider zu sehr an den Titel – ein bisschen zähflüssig… ;-) Und doch ist die Operation Honig schmökerig gut zu lesen, die Idee ist konsequent durchdacht und für ein Ende, was mich vom Sofa aufspringen lässt, verzeihe ich ein paar kleinere Längen dann doch gern.

Ein ganzes, halbes Jahr – Jojo Moyes

Ein schwieriges Thema, leichtfüßig erzählt und mit einer symphatischen Hauptfigur besetzt: das liest sich gut und schnell, auch die eine oder andere rührende Stelle war für mich dabei. Das Buch hat mir gefallen, seinen vielen, vielen Vorschusslorbeeren (ein Buch hat es damit ja immer schwer…) wurde es (für mich) aber nicht gerecht, dafür gab es dann doch zuviele Kleinigkeiten, die mich nicht so sehr ansprachen.

Mami, ist das vegan? – Jumana Mattukat

Hier interessierte mich vorallem, dass die Autorin für sich einen Weg suchte, vegan zu leben und trotzdem mit ihrer Familie einen Konsens zu finden. Ihr Ringen um gute Entscheidungen fand ich nachvollziehbar, es ist entspannend, zu sehen, wie andere die Schwierigkeiten und neuen Situationen in die Hand nehmen. Der Tonfall war mir manchmal ein kleines bisschen zu flapsig, aber trotzdem wirkte Frau Mattukat sympathisch. Auch einige der Rezepte im Anhang lohnen sich, gerade für Einsteiger und Interessierte an der veganen Küche.

Vergiss den Sommer nicht – Morgan Matson

Bitte, tut euren Teenie-Mädchen einen Gefallen. Besorgt dieses Buch für euren Sommerurlaub. Und gebt den Mädels gleich noch eine Packung Taschentücher mit und wenn ihr das Buch abends aus der Strandtasche fischt, um selbst mal reinzulesen, wundert euch nicht, wenn ihr gegen 4 Uhr morgens mit den Tränen kämpfend, immer noch lesend auf dem Sofa eures Ferienhauses sitzt. Aber es wäre zuwenig gesagt, wenn man das Buch nur auf seine traurigen Ereignisse reduziert. Es ist eine besondere Familiengeschichte, in der lange nicht alles ausgesprochen wird, in der schlimmes passieren muss, bevor sich etwas verändert. In der es um Schuld, um Trauer, um Treue und Beständigkeit geht, um Freundschaften und Annäherung innerhalb einer fremd gewordenen Familie. Und doch ist es von zarter Schönheit, ohne dass Zuckerguss über die Ereignisse gegossen wird. Ach, ich wünsche diesem Jugendbuch soviele Leser!

Madame Hemingway – Paula McLain

Ein fein gezeichneter Schmöker über die sogenannte „Paris Wife“ – Hadley Hemingway, die erste Ehefrau des Schriftstellers. Man taucht ganz ein in die „roaring twenties“ in Paris und begegnet auf den Seiten der ein oder anderen schillernden Persönlichkeit dieser Zeit. Der (wenn auch zum großen Teil fiktive) Einblick in diese ungewöhnliche Ehe ist unterhaltsam zu lesen und ja – genauso so könnte es gewesen sein…

Knapp am Herz vorbei – J.R. Moehringer

Eigentlich kann ich mich hier kurzfassen: dieses Buch hat alles, was ein gutes Buch braucht. Es hat Witz, Charme, eine Liebesgeschichte, Spannung, tollen Stil und eine grandiose Geschichte, die einen von der ersten Seite an begeistert. Wer Willy Sutton, den berühmten Bankräuber noch nicht kannte, wird ihn in diesem Buch kennenlernen, auf einer wilden Reise durch seine Vergangenheit. Beeindruckende Persönlichkeit, außerordentliches Buch. Vertraut mir!

1Q84 (Teil 3) – Haruki Murakami

Ihr erinnert euch noch an meinen Leseeindruck zu Teil1&2 von 1Q84? Ich habe ihn gerade nochmal gelesen, um mich ein wenig in Stimmung zu bringen, wenn ich über Teil 3 schreibe. Noch dazu läuft Janacek Sinfonietta. Und nun: für mich hatte der Abschluss der Trilogie wieder viel zu bieten. Ein wenig mehr fast schon kriminalistische Elemente fliessen ein. Mehr Sehnsucht, mehr Einsamkeit. Ich glaube, ein wenig besser wäre es, alle drei Bücher hintereinanderweg zu genießen – andererseits hat Murakami auch wieder viel aus den ersten beiden Teilen wiederholt, so dass man auch mit der Wartezeit, die es ja nunmal gab zwischen den Veröffentlichungen, sich gleich wieder heimisch fühlt. Murakami hat hier für mich einige neue Pfade betreten – seine Figuren handeln ein wenig anders, auch wenn sich immer noch vertrautes findet, die Gefühlswelt steht weniger im Vordergrund als bei anderen seiner Romane. Und dennoch: es ist soviel Murakami, soviel seiner federleichten Schilderungen, die mich in einer anderen Welt ankommen lassen, dass ich auch hier nur wieder sagen kann: er ist und bleibt mein Lieblingsautor, einer der ganz großen, jemand der Welten erschaffen kann, die ich in meinem Kopf wieder und wieder betrete. Danke.

Amy on the summer road – Morgan Matson

Ein Roadtrip ist ja ein vielstrapazierter Begriff in der Literatur. Diesmal passt er allerdings wunderbar auf dieses Jugendbuch. Im Verlauf dieses eher unfreiwillig begonnenen Trips werden sich die beiden Fahrer des Wagens sehr viel näher stehen als zu Anfang…Das Buch besticht durch seine Gestaltung: Musiklisten, Eintrittskarten, Infos zu Bundesstaaten, Speisekarten, Fotos und vieles mehr lassen den Leser gedanklich mitreisen und bringen einen näher ans Geschehen, als reiner Text es könnte. Ein wirklich schmökeriges Jugendbuch für den Sommer, mit einer leisen Liebesgeschichte, auch ein wenig traurig aber vorallem einfach schön und mit viel Humor geschrieben!

Blutsverdacht – Marie-Aude Murail

Die französische Autorin, die ich seit „Simpel“ sehr schätze, hat hier einen Jugendkrimi geschrieben. Und der hat alles, was es braucht: eine spannende Hintergrundgeschichte, Gänsehaut-Momente, die große Frage, wem man eigentlich trauen kann und ob die jahrelang für bare Münze gehaltenen Familiengeschichten einer Internetrecherche standhalten können… Spannend bis zur letzten Seite und der Fall durchaus nicht unknifflig – tolle Krimi-Empfehlung für Jugendliche!