Hat mir sehr, sehr gut gefallen. Ich hatte Gänsehaut, Tränen in den Augen – hier gehts um alles. Um das Leben, ums Überleben, mich hat es sehr berührt. Die Autorin malt in einer ganz unaufgeregten und doch poetischen Sprache so große Bilder. Hier treffen sich zwei Menschen, die der Gesellschaft verloren gegangen sind – im gemeinsamen Dialog finden die beiden ein wenig Halt im anderen und vielleicht auch ein wenig Weisheit. Dieses Buch ist so tieftraurig und auf der anderen Seite von so fragiler Schönheit… dieses Buch hat mich verändert und es wird auch andere Leser verändern, da bin ich mir sicher.
Kategorie: F
Wieviel Leben passt in eine Tüte? – Donna Freitas
Ein sensibel erzähltes Jugendbuch über das Leben einer Familie nach dem Verlust der Mutter – mit der wunderschönen Idee eines Survival-Kits, welches die Mutter vor ihrem Tod für die Tochter anfertigt – wohlwissend, dass ihr Kind diesen Anker brauchen wird. Die Gegenstände darin geben Rose zunächst Rätsel auf, aber mit jedem Tag ohne ihre Mutter ergeben sie nach und nach Sinn. An einigen Stellen wurde mir der Unterschied der Kulturen sehr bewusst, da gibt es schon einige Unterschiede zwischen den USA und Deutschland. Der Tod und der Umgang damit kennt keine Regeln und so ist es für mich in Ordnung, das Freitas ihren Figuren ganz unterschiedliche Arten der Trauer mitgibt, die vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar sind.
Vango: Prinz ohne Königreich
Auf diese Fortsetzung hatte ich schon mit wilder Ungeduld gewartet und sie an einem Stück verschlungen – ganz große Klasse! Diese beiden Bände gehören mit zu dem besten, was die Jugendliteratur aktuell zu bieten hat: Abenteuer, Spannung, historisch interessant, (siehe meine Besprechung zu Teil 1) – man möchte einfach nur lesen, lesen, lesen. Ganz großer Tipp!
Willkommen auf Skios – Michael Frayn
Britischer Humor und eine Verwechslungskomödie, die klassisch beginnt und dann genüsslich vom Autor bis auf die Spitze getrieben wird. Nicht unbedingt neuer Stoff, jedoch einfach herrlich, den Irren und Wirren zuzusehen – und den meist eitlen Menschen, die möglichst glauben wollen, was nicht sein kann ;-). Das Michael Frayn für die Bühne schreibt, kann er in diesem Roman nicht verhehlen – hier wäre eine Adaption keine große Sache (und ich würde es mir gerne ansehen…)
Souvenirs – David Foenkinos
Anfangs hat mich das Buch entzückt, dank dem Vorgänger „Nathalie küsst“ erwartete ich wieder eine Geschichte die von leichter Hand geschrieben scheint und doch tiefer geht. Ein kleines bisschen verliert sich dieser Zauber der ersten Seiten im Verlauf der Geschichte – was vielleicht den Handlungen der Protagonisten geschuldet sein mag, vielleicht aber auch der Episodenhaftigkeit. Trotzdem habe ich diesen Roman gerne gelesen, weil er alle Facetten des Lebens beleuchtet und durch charmante Einfälle besticht – Souvenirs eines bewegten Lebens eben.
Tobie Lolness – Timothée de Fombelle
Tobie ist winzig klein und sein ganzes Universum besteht aus einem einzigen Baum, auf dem seine Familie und viele, viele andere Baumlebewesen leben. Doch eines Tages gerät seine Familie in große Schwierigkeiten und Tobie ist auf sich allein gestellt. Es liest sich nett, einige schöne Ideen sind drin und doch hat mich das Buch nicht vollends fesseln können – woran es lag, weiss ich garnicht genau zu sagen. Durchaus eine Leseempfehlung für fantasievolle Kinder, ich muss den zweiten Teil aber nicht mehr unbedingt lesen.
Vango: Zwischen Himmel und Erde – Timothée de Fombelle
Über dieses Jugendbuch gerate ich ins Schwärmen, weil es sich wohltuend von vielen anderen abhebt! Hier nimmt einen die Geschichte wirklich mit ans Geschehen: auf eine winzige Insel, nach Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland – aus vielen Perspektiven setzt sich die Geschichte von Vango nach und nach zusammen. Und es ist rasant, es ist unheimlich spannend und noch dazu historisch interessant ohne dröge oder belehrend zu wirken. Mich jedenfalls hat die Geschichte nach einer Hörprobe die ich im Deutschlandfunk (sehr empfehlenswert übrigens der Podcast für Kinder- und Jugendliteratur!) gehört habe, nicht mehr losgelassen, das Buch musste her! Ein spannender, wirklich toll geschriebener Abenteuerroman für Jugendliche ab etwa 13 (und ich versteige mich zu der Behauptung, dass dieses Buch durchaus auch lesefaule Jungs begeistert). Der zweite Teil wird hoffentlich bald fertig übersetzt sein – ich möchte unbedingt wissen wie es mit Vango weitergeht!
Ich bin so Fry – Stephen Fry
Und weiter geht es mit der Biographie des Stephen Fry – hier werden nun seine College-Jahre und alles was danach folgt, Theater, Comedy, Radio, schriftstellerische Tätigkeiten geschildert. Fry ist recht gnadenlos mit sich selbst und im Verlaufe des Buches habe ich den Eindruck das er sich wirklich nicht gerade schont und versucht einen möglichst ungeschönten Einblick zu geben. Dieser zweite Teil seiner Biographie zog sich etwas mehr als der erste, was aber vorallem daran lag das ich die Medienlandschaft Großbritanniens zu dieser Zeit nicht besonders gut kenne und daher manchmal etwas erschlagen war von den ganzen Namen und Interna. Trotzdem – für jeden Stephen Fry Fan, für jeden Fan von feinem, britischen Humor und alle die schon immer mal wissen wollten wie Stephen Fry und Hugh Laurie Freunde wurden.
Columbus war ein Engländer – Stephen Fry
Die Jugendjahre des Stephen Fry – ein braver Chorknabe war der Gute sicherlich nicht. Witzig, charmant erzählt und ab und an ganz schön derb – so kommt diese Biographie daher. Ein paar kleine Längen hat sie, vorallem wenn man Stephen Fry und seine Geschichte kaum kennt, trotzdem hatte ich beim Lesen gute Unterhaltung und auch die Entwicklung die Fry durch macht ist fesselnd beschrieben. Danach kam jedenfalls gleich der Wunsch auf, auch die Fortsetzung (hier beschränkt er sich auf seine Jugendzeit) zu lesen.
Acht Minuten – Péter Farkas
Sie sind schon lange ein Paar. Der Mann und die Frau. Doch eines Tages fangen die Dinge an sich zu verändern. Wer sind diese Menschen in ihrer Wohnung, die dem Mann zwar vage bekannt vorkommen, aber doch eher stören? Und warum wollen ihm alle erzählen was das Beste ist, für ihn und die Frau? Sie kommen doch gut zurecht und vor die Tür gehen…das müssen sie doch schon lange nicht mehr…
Wir alle kennen den Blick auf Demenz von aussen. Farkas wählt einen ganz anderen Ansatz – er beschreibt die Krankheit aus der Sicht des Betroffenen – und dieser sieht sich auch eher als Beobachter der ebenfalls erkrankten Frau. Die kleinen Rituale dieses Paares, der Kampf um Würde, um Selbstbestimmung – fein gezeichnet, sehr intensiv wird hier ein ganz neues Bild entworfen und die Frage, was das „Beste“ ist wird nochmal auf andere Art und Weise aufgerollt!
Ein kleines, wichtiges Buch für alle die sich mit dem Thema auseinandersetzen.