Wer die Nachtigall stört – Harper Lee

Auszug aus meinem Lesekreis: Achtung, kleine SPOILER!

Ich freue mich wirklich, das wir diesmal einen „Klassiker“ gelesen haben. Bei uns wird das Buch durchaus häufiger mal auf englisch als Klassenlektüre bestellt und ich werde es jetzt auch zu genau diesem Zweck wärmstens empfehlen.

Der Stil hat mir total gut gefallen, einerseits die leicht naive und doch sehr treffende Erzählung von Scout und doch waren die Kommentare und Gespräche der Erwachsenen so wiedergegeben das man sehr viel zwischen den Zeilen lesen konnte. Ich fand das Buch las sich grade deswegen, weil es ein Kind erzählt so besonders gut.

Die Geschichte, die zunächst ein bisschen wie ein loses Gefüge aus mehreren Ereignissen daherkommt, verdichtet sich immer mehr. Grade Jems Verhalten wird durch nur kurze Andeutungen oder auch sein Schweigen gegenüber Scout viel besser beschrieben als das es viele Worte tun würden. Atticus ist eine Figur die mir persönlich als Vaterfigur sehr gefallen hat. Auf der einen Seite haben wir das Aufwachsen und auch „Erwachsenwerden“ von Jem, auf der anderen Seite auch Scout die noch nicht alles versteht und doch teilweise mehr als soviele „schlaue“ Erwachsene. Ich fand die Geschichte bis zum Schluss unheimlich spannend, die Gerichtsverhandlung, auch wenn „eigentlich“ klar ist wie es ausgehen wird – total großartig geschildert.

Das Buch wirft sehr viele moralische und ethische Fragen auf, Wie hätten wir damals, in dieser Welt gehandelt? Und wie man an den Geschenken sieht die Atticus nach der Verhandlung bekommt, sieht man, das auch das Dorf sich ganz und garnicht sicher ist, ob seiner Weltanschauung. Auch heute noch gibt es solche Ungerechtigkeiten – haben wir den Schneid dazu, zu unseren Überzeugungen zu stehen? Machen unsere Gerichte wirklich alle Menschen gleich? Sind wir heutzutage frei von Vorurteilen?

Ich behaupte – nein. Wir werden alle, immer daran arbeiten müssen, immer auch gegen wiederkehrende Vorurteile ankämpfen müssen.

Als Resumee: Ein Buch das bleibt, das man trotz des ernsten Inhalts gerne liest und das fesselt. Absolut empfehlenswert!

Brief an den Vater – Franz Kafka

Grandios, Grandios, ich bin wirklich und ehrlich angetan. Wie schneidend und doch so ja…harmlos Kafka schreibt, wie genau er die Beziehung zu seinem Vater seziert und doch immer…ja..Haltung bewahrt irgendwie. Sehr beeindruckend, hat mir gut gefallen. Wollte bevor ich nach Prag fahre etwas von Kafka lesen und werde definitv den Band Erzählungen den ich gekauft habe auch so nach und nach verschlingen.

Die Mission der Isabel Goméz – Julia Alvarez

Das Buch hab ich mir eigentlich nur zugelegt, weil eine Freundin mir die Autorin so ans Herz legte und ich die ersten 2 Seiten sehr ansprechend fand. Das ist so eine kleine „Entdeckung“ gewesen, das Buch hatte ich in kürzester Zeit durch und hab es genossen. Es verwebt geschickt das Leben der Schriftstellerin Alma mit dem ihrer Romanfigur Isabel (die auf einer geschichtlichen Überlieferung basiert). Beide Frauen kämpfen auf ihre Art gegen ein gefährliches Virus….beide Erzählstränge sind spannend und auf ganz eigene Art faszinierend, es liest sich einfach total gut. Ich mag historische Bücher eher weniger, aber hier, mit diesem Mixwar ich sehr zufrieden. Fand ich wirklich ein richtig schönes, tolles Schmökerbuch!

Der kleine Bruder – Sven Regener

Hach, toll, endlich wieder Herr Lehmann! Bzw. Frank oder auch Frankie…. Als einzelnes Buch hat dieser Roman auch so seine Momente, allerdings wird er erst im Zusammenhang mit den anderen beiden Büchern „Herr Lehmann“ und „Neue Vahr Süd“ so richtig gut. Da finde ich ist die Ergänzung perfekt gelungen. Hier erstreckt sich die Handlung nur über 2 Tage, es wird viel geredet, palavert, diskutiert, getrunken. Und auch wenn man sich denkt „Mensch, ganz schön abgedreht“ denkt man gleichzeitig „Ja, genauso muss das gewesen sein“. Mir hat es jedenfalls großen Spaß gemacht!

Firmin ein Rattenleben – Sam Savage

Ein recht schmales Buch mit rund 200 Seiten und das fand ich den Vorteil daran, ich wurde damit nicht recht warm. Die Idee, eine Ratte die Unterschlupf in einer Buchhandlung findet zu einem Leser zu machen fand ich gut, leider war die Ratte teilweise einfach so unsympathisch bzw. ich konnte ihre Beweggründe einfach nicht so gut nachvollziehen. Es gab einige schöne Szenen, sehr viele Anspielungen auf Literatur, aber ebenso viele Szenen mit denen ich nicht recht warm wurde. Kein wirklich schlechtes Buch, aber wirklich an mich gerührt hat es leider nicht.

Kontrapunkt – Anna Enquist

Anna Enquist hat mit diesem Buch ein kleines, feines Meisterwerk geschaffen. Auf der Basis der Goldberg-Variationen von Bach beschreibt sie den Prozeß der Aufarbeitung einer Mutter, die ihre Tochter verloren hat. Fein verwebt in die Musik brechen Bruchstücke aus dem gemeinsamen Leben hervor, taucht man ein in Erinnerungen und immer wieder bringt die Partitur und das Spiel die Frau an ihre Grenzen.

Sehr schön zu lesen, eine ergreifende und doch so „normale“ Familiengeschichte. In jedem Satz spürt man die tiefen Gefühle die die Mutter für ihre Tochter hegt, die Beschreibungen der Musik, der Noten und der Paralellen zur Geschichte geht einem auch als Nicht-Musiker auf und berührt. Für mich eines der schönsten Bücher für den Herbst 2008 ! Lesen!

Sex2 – Sibylle Berg

Obwohl es mir mal wieder wirklich gut gefällt – es liest sich nicht so leicht, ist ziemlich deprimierend und traurig, diese Großstadt, jedes Einzelschicksal auf seine Art depressiv oder auch krankhaft…und doch finde ich, bringt Frau Berg es sehr auf den Punkt. Keine leichte Lektüre…werd wahrscheinlich in Etappen lesen, habe Lust zu lesen, aber den ganzen Tag über, da wird einem selbst irgendwann trüb…[…]

Nun ist die Berg auch durch – der obige Eindruck bleibt – ich find das Buch toll, aber es ist wirklich heftig – jedes Schicksal hat seine Leiche im Keller (fast schon wörtlich zu nehmen..), Sex, Drogen, Mordgelüste – alles dabei. Aber sowas muss man halt auch erstmal schreiben können …;-)

Stille in Montparnasse – Ariel Denis

Mhm, schwer zu sagen. Es ist ein Monolog, um Musik, die großen Themen des Lebens, eine Hommage an einer verstorbenen Freund, ein wenig Schrulligkeit…was mir sehr gut gefällt ist, wenn der Erzähler sich so in sein Erzählen hineinsteigert, immer „schneller“ wird. Andere Passagen sind eher zähflüssig, nicht für „Publikum“ geschrieben. Es ist kein sehr langes Buch und es hat irgendwie was – aber es ist nichts für „mal eben“.