Das Buch Dahlia – Elisa Albert

Schwer zu beschreibendes Buch. Zu Anfang hin mit unheimlichem Tempo geschrieben, viel, schnell, heftig, immer schön fluchend durchsetzt und sehr wütend. Dann entspannt es sich etwas…Dahlia ist 29, hat in ihrem Leben noch nicht wirklich etwas zustande gebracht – das könnte so bleiben, wäre da nicht ihr Hirntumor – inoperabel. Sie beschliesst, nochmal gedanklich mit der Welt abzuschliessen, während ihre Eltern alles nicht wahrhaben wollen und sie selbst auch nicht so recht weiss – will sie leben oder nicht?
Anstrengendes Buch. Es hat was, aber ich weiss nicht ob ich es wirklich empfehlen kann – es ist schon sehr heftig und eine ganz eigene Einstellung…

(erscheint Juni 09′)

Heartland – Joey Goebel

Ich finde diesen Autor SO toll – ich glaube er ist trotz „Freaks“ und vorallem „Vincent“ recht unbekannt – zu Unrecht! In diesem Werk nimmt er Amerika und seine Wahlindustrie herrlich aufs Korn, ironisch, böse, mit einer Anti-Hauptfigur, wirklich tollen Wendungen und sehr vielen Anspielungen rund um „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Seine Figuren geben so unterschiedliche Statements ab, das die Abgründe, die zwischen den Menschen liegen, sehr deutlich hervortreten. Druck und Machenschaften stellen die Fragen auf – was ist eigentlich korrekt? Und wer steht auf der „richtigen“ Seite? Eine gewitzte Satire, ein kluges Buch, ein beissendes Buch – und auf 700 Seiten kein bisschen Langeweile! Danke!

Das Lächeln der Fortuna – Rebecca Gablé

Angeregt durch meine Freundin Karo, die mir das Buch gaaanz arg ans Herz gelegt hat (lang und ausdauernd!) habe ich mich also mal an einen historischen Roman gewagt: eigentlich nicht mein Genre. Aber: ich war doch die ganzen über 1000 Seiten gefesselt. Das Buch hatte erstaunlich wenig Längen, Gablé schafft es, viele Personen auftreten zu lassen und man behält trotzdem recht gut den Überblick. Angesiedelt im 13 Jahrhundert, eine spannende Geschichte – Historisches wird mit der Geschichte der Waringhams verknüpft – und da gibt es fast alles – Intrigen, Liebesgeschichten, Drama…ich fühlte mich wirklich gut unterhalten! Also: eine klare Empfehlung von meiner Seite aus – ich werde nach und nach auch noch mehr von der Autorin lesen!

Frau Paula Trousseau – Christoph Hein

Ein wirklich, wirklich tolles Buch. Am Ende war ich richtig geschafft, fast schon deprimiert, aber auch sehr beeindruckt. Paula setzt sich im Laufe ihres Lebens gegen alle durch: ihre Eltern, ihre Männer – und lebt und liebt doch nur die Kunst. Das ist mehr als die Geschichte einer Emanzipation. Das ist Drama, das ist klare Linienführung, das ist ein Roman über Kunst, eine Familiengeschichte, Liebesgeschichte am Rande. Auch wenn Paula soviele Fehler macht – oder auch nicht, je nach Blickwinkel – sie wirkt trotz ihrer Kälte ungeheuer menschlich.

Hat mich wirklich sehr gefesselt. Wer bereit ist, sich auf ein trauriges, aber sprachlich so lesenswertes Buch einzulassen, der wird hier belohnt!

Alle sieben Wellen – Daniel Glattauer

Ja genau, die Fortsetzung von „Gut gegen Nordwind“. Wir fragen uns – kann das was werden? WILL man überhaupt eine Fortsetzung? Ich sage – JA! Auch wenn ich das Ende überaus gelungen fand, vom Vorgänger – man möchte ja doch (ähnlich wie beim Happy End!) wissen – was wird denn später?

Sprachlich wieder ein Kunstwerk, man erfreut sich so sehr an Satzkonstruktionen, am Hin und Her der beiden. Sie sind ernsthafter geworden, vielleicht auch vorsichtiger. Zusätzlich kommen nun noch andere Komponenten dazu. Und verleihen dem ganzen meiner Meinung nach noch mehr Tiefe. Ach, ich hab mich einfach gefreut, wieder Emmis impulsive Mails, Leos Schreiberei bei viel zuviel Wein…man schaut den beiden einfach unheimlich gerne zu!

Für mich ist es eine sehr gelungene Fortsetzung! Spritzig, mit viel Gefühl in jeder Zeile und es geht einfach „weiter“, die Umwelt der beiden wird mehr einbezogen – mehr verrate ich nun aber nicht! Ich würde es allen Nordwind-Fans ans Herz legen :)

Der Kaiser von China – Tilmann Ramstedt

Oh, das fand ich echt klasse! Keith hätte eigentlich, ja eigentlich mit seinem Großvater nach China reisen sollen, so der Wunsch des Opas. Um nicht vorwegzugreifen – der Opa ist tot, niemand, schon garnicht Keith Geschwister soll das wissen – und so beginnt Keith, versteckt unter seinem Schreibtisch Briefe vom angeblichen China-Trip zu schicken – und was die beiden dort erleben – großartig! Ein Fabulierwerk erster Klasse, skurril, überraschend, eine tolle Sprache, ein deutscher, junger Autor – was will man mehr? Ich hab jedenfalls unheimliche Freude beim Lesen gehabt! (Und nach dem Lesen unbedingt das Video auf youtube sehen – grandios!)

In der Badewanne – Herrad Schenk

Klasse!!! Ulrike, Journalistin im Ruhestand reisst bei dem Versuch, ihrem Nachbarn beim leichtbekleideten Yoga zuzusehen, das Bücherregal aus der Wand – das sich so ungünstig in der Wanne verkeilt, das sie aus eigener Kraft nicht herauskommt. Nun gut, von Zeit zu Zeit heisses Wasser nachlaufen lassen, ein bisschen Schokolade ist auch noch da und morgen wird sie die Putzfrau finden. Aber so einfach ist es nicht. Ulrike sinniert über die Badewanne, die sie schon ihr ganzes Leben irgendwie begleitet – und wir begleiten sie auf ihrem Trip in die Vergangenheit. Und der ist sehr, sehr lesenswert, sehr klar und authentisch, komisch und tragisch. Ein schräger Blickwinkel aus dem die Autorin wirklich alles rausgeholt hat. Ich kanns nur empfehlen!

Wie müssen über Kevin reden – Lionel Shriver

So, wer es noch nicht las, sollte vielleicht diesen Text überfliegen.

Es IST toll geschrieben, keine Frage, auch sehr eindringlich – aber (man verzeihe den Kraftausdruck) meine Fresse, bin ich nun deprimiert. Es liest sich auch anstrengend.

Man liest es mit einer Faszination, die ich schon fast wieder abstoßend finde, wie kann man an so etwas so interessiert sein? Ich weiss ja auch nicht, der Mensch will nunmal Lösungen, verstehen, Sachen aufklären. Die Mutter bekam ich nicht zu fassen – ich schwanke zwischen Mitleid, Abscheu, Verständnis und Ratlosigkeit? Im Endeffekt hat doch SIE nicht dem Jungen die Waffen in die Hand gedrückt und gesagt, lauf Amok. Warum geisselt sie sich dann so dermaßen selbst? Und andererseits verstehe ich sie – sie will verstehen, will wissen. Das sie den Vater einerseits so auf ein Podest hebt, sich ihm aber auch klar überlegen fühlt – hm? Und das der Vater nicht sehen will, da wird mir einfach schlecht. Und andersherum, ja, sie wollte nicht wirklich ein Kind, aber laufen deswegen alle Kinder gleich Amok? Das ist mir zu einfach…zu schwarz/weiss…

Und Kevin selbst…keine Ahnung. Das „Ende“ fand ich seltsam und doch wieder logisch, das Buch ist ja auch so aufgebaut das jedes Detail erst nach und nach ans Licht kommt. So gab es zum Schluss für mich genügend Gelegenheiten wo ich nur noch dachte „Oh mein Gott“. Was ein Ekel, ich kann nicht mit jemand, der so grausam ist und so intelligent das er WISSEN muss wie andere darunter leiden. Das ist einfach…uah.

Also – ich habs gelesen und finde es auch weiterhin durchaus ein bemerkenswertes Buch. Aber auch unheimlich krass, niederdrückend, und mich hat das nun wirklich ziemlich naja…ernüchtert. Aber gut, ein Buch soll ja auch einen starken Eindruck hinterlassen.

Die große Liebe – Hanns-Josef Ortheil

Für mich eine Enttäuschung. Sprachlich teilweise sehr schön, manchmal aber auch unheimlich konstruiert. Man bekommt von der Hauptperson eine fast analytisch genaue Aufzählung – aber Gefühle? Recht farblos bleibt auch die Frau in die er sich verliebt, einzig fabreich geschildert sind Landschaft und Essen…mhmpf. Hat mich sehr unbefriedigt zurückgelassen.