Für mich zunächst mal „dienstliche“ Lektüre, ist dieses Buch doch das Buch, welches unsere Stadt 2009 im Juni lesen wird. Hier wird eine Geschichte ehrlich und authentisch erzählt – die Geschichte von Sascha, die aus Moskau kommt, aber in Deutschland lebt. Sie hat 2 Ziele – sie will ein Buch über ihre ermordete Mutter schreiben und sie will den Mörder töten. Hier erzählt eine 17jährige mit unglaublicher Schlagkraft, so trocken, das es teilweise wehtut und doch so sensibel, das man das Gefühl hat, direkt in sie hineinzuschauen. Sie lebt in einer ganz eigenen Welt, hat neben der Trauer um die Mutter noch das Leben in ihrem russischen „Solitär“, die Aufsicht über die jüngeren Geschwister und die verwirrende Liebe zu meistern. Aber Sascha behauptet sich. Und das liest sich so packend, so überraschend, das ich das Buch wirklich nur empfehlen und durchaus als künftige Schullektüre empfehlen würde! Kein moralischer Zeigefinger, keine konstruierte Geschichte – es ist einfach überzeugend und „echt“.
Schlagwort: Roman
Der Mann in der Schlange vor der Kinokasse – William Conescu
Endlich wieder ein Buch zum Jubeln! Daniel Fischer hört seit Jahren immer wieder das Kratzen eines Stiftes. Irgendwann ist er sicher: er spielt mit in Büchern, jedesmal wenn das Kratzen ertönt, schreibt der Autor einen Roman. Aber immer ist er nur Statist, unwichtige Nebenfigur. Als er eines Abends die unglückliche Sängerin Delia kennenlernt, ist das Kratzen lauter denn je. Ihm ist klar – jetzt oder nie, kann er die Geschichte seines Lebens schreiben – selbst wenn er dabei etwas nachhelfen muss und so die Geschichte von Delia und ihren Freunden gehörig durcheinanderwirbelt…
So frisch geschrieben, lustig, schräg und man liest mit Spannung bis zur letzten Seite! Auf dem Buchrücken steht „am Ende gewinnt weder Autor, noch Held, sondern der Leser!“ Und damit hat der Text verdammt recht!
Die Mittwochsbriefe – Jason F. Wright
Jack & Laurel waren seit vielen Jahren verheiratet, leiten gemeinsam ein B&B. Alle dachten, das Jack, der an einem Tumor litt, vor Laurel stirbt, doch in einer Nacht sterben beide, Arm in Arm. Als ihre 3 Kinder anfangen, die Papiere zu sortieren, finden sie die „Mittwochsbriefe“ – Jack hat Laurel jeden Mittwoch einen Brief geschrieben. So wechselt sich erzählender Text mit Briefen ab und die sind wirklich richtig schön romantisch und zeugen von viel Arbeit und Liebe in dieser Ehe. Doch sie enthalten auch ein lang gehütetes Familiengeheimnis.
Eine einfache Sprache und liebenswerte Charaktere machen dieses Buch schnell lesbar, man ist gerührt und verfolgt die Geschichte mit Spannung. Ein bisschen sehr idealistisch, natürlich auch etwas kitschig ist es, aber an einem Regentag, allein auf dem Sofa stört das nicht wirklich…und eine kleine Überraschung birgt das Buch auch noch – fand ich eine tolle Idee!
Liebe ganz oder gar nicht – Peter Kihlgard
Dieses Buch zu beurteilen finde ich sehr schwierig. Hochgelobter schwedischer Autor, tolles Cover, schöner Titel und der Anfang – heftig aber ja…nach vielen Jahren der Ehe sitzen Kicki und Lasse zusammen im Auto. Kicki ist todkrank, Lasse will nicht weiter ohne sie. Also fahren sie, lösen die Sicherheitsgurte…Schnitt. Ab da wird im Roman erzählt, wie die beiden gemeinsam lebten, oder eben auch nicht gemeinsam. Seltsame Obsessionen von beiden, die Beziehung wirkt zwar schon liebevoll, aber auch ein bisschen „man kann nicht ohne den anderen, auch wenn man unheimlich leidet“. Manche Passagen fand ich sehr wirr. Insgesamt nicht so mein Fall, trotzdem gut genug, das ich es nicht weglegte, weil die Sprache schön und einige Begebenheiten aus beider Leben (die Lebensgeschichte der Eltern, vom anderen erzählt) dann auch wieder wunderschön waren.
Der Vorleser – Bernhard Schlink
Keine Frage, Schlink jongliert hier sehr gekonnt mit Moral, Schuldfrage, Verzweiflung, Ehrlichkeit…das Buch ist in sich sehr schlüssig, die Beschreibungen konnte ich sofort in meinem Kopfkino vor mir „sehen“. Die Intimität des gemeinsamen Vorlesens, und wie dieses Thema sich durch den ganzen Roman zieht hat mich sehr beeindruckt. Am Schluss habe ich heftig geschluckt, das hatte ich nicht erwartet. Insgesamt ein heftiges Buch, beeindruckend. Trotzdem ein kleiner Abzug: die Geschichte hat mich interessiert und auch weiterlesen lassen, allerdings nicht der Stil, der mich nicht richtig fesseln konnte.
Der singende Baum – Tim Winton
Die Geschichte zweier Außenseiter in einem Küstenort in Australien. Sie ist die Freundin des erfolgreichsten Fischers vor Ort, der seine Frau verlor. Nicht viel verbindet die beiden, ihre Rolle als Stiefmutter für die beiden Söhne macht ihr auch eher zu schaffen. Lu Fox hat seine ganze Familie bei einem Unfall verloren, lebt seither als Aussteiger und heimlicher Fischer auf einer kleinen Farm. Als Georgie ihn beim heimlichen Fischen ertappt, entwickelt sich zwischen beiden eine Liebesgeschichte – für den kleinen Ort an sich ein Skandal…Joah. Es passiert nichts neues in diesem Roman, gerettet wird er durch einige sehr schöne Passagen und immer wieder wunderbare Beschreibungen von Australien, der Landschaft, dem Leben dort. Ein bisschen zäh, aber diese Beschreibungen machten vieles wieder wett.
Einmal im Leben – Jhumpa Lahiri
Dieses Buch habe ich schon ganz lange bei mir liegen…heute hat es mich angelacht und es hat sich sehr gelohnt, ich habe es in einem Zug durchgelesen. Eine indisch-amerikanische Liebesgeschichte, so gut erzählt über die Jahre hinweg…wunderschöner Stil, immer mit kleinen ja „Schaumkrönchen“ an Erzählkunst auf den Wellen dieses Romans. Wirklich absolut lesenswert!
Herr Nakano und die Frauen – Hiromi Kawakami
Fängt sehr gut an, mit tollem Stil, wird aber zur Mitte/Schluss hin etwas verworren, klärt sich dann wieder auf. Der Roman ist durchaus erotisch, allerdings eben auch sehr „japanisch“ – nicht mit allen Anspielungen konnte ich etwas anfangen. Trotzdem, allein wegen der schönen Skurrilität und auch einigen sehr schönen Sätzen durchaus lesenswert. Herr Nakano und sein Trödelladen ziehen seltsame Gestalten und Aussenseiter einfach an…
Krankmeldungen – Gwendoline Riley
„Mal wieder“ ein Buch über ein junges Mädchen, ohne Perspektive, in einer großen Stadt, die ihre Tage mit Teetrinken, sich betrinken, schreiben, schlafen und Rumhängen verbringt. Aber zum Glück schreibt Gwendoline Riley es so, das man wirklich das Gefühl hat, die Protagonistin hat sich ausgeklinkt, sich „krankgemeldet“, so wirkt das Bild das die Autorin entwirft, weniger hart, auch die Figur der Donna, ihrer besten Freundin die jeden Sturz „abfedert“ hilft dabei. Ein bisschen deprimierend finde ich eine so junge gescheiterte Existenz immer beim Lesen, aber das ist ja auch die Kunst: den Leser zu bannen und einfühlen zu lassen in diese Welt. Gut gemacht, Frau Riley!
Letzte Reise – Anna Enquist
Der Stil und ihr Wortfluss sind wirklich richtig toll, deshalb habe ich es auch gerne gelesen. Die Idee, von James Cook aus der Sicht seiner Frau zu erzählen, finde ich auch spannend. Grade diese Geschichte zwischen ihr und ihm, ihrer Entfremdung und doch Liebe hat mich sehr interessiert – aber es geht halt auch viel um die Expeditionen, die Seeleute, Entdecker…nichtmal das es so „zäh“ gewesen wäre, ich habe einfach nur nicht soo großes Interesse daran. Deshalb hab ich recht lange dran gesessen, trotzdem würde ich es empfehlen :-)