Afterdark – Haruki Murakami

Ich bin ja bekanntermaßen ein sehr großer Murakami Fan. Ich lese seine Bücher nur im Urlaub, mit ausreichend Zeit und Muße. Afterdark ist ja eines der dünnsten Bücher dieses Autors. Vielleicht liegt es daran – ich liebe seine so detailreichen, ausschweifenden Beschreibungen so sehr. Ich empfand keine besondere Bindung zu den handelnden Personen. Wer andere Werke von Murakami gelesen hat, dem wird Afterdark dennoch gefallen, weil er wieder einige typische Thematiken aufgreift, lose Enden zulässt und Fragen stellt, für die er so bekannt ist. Trotzdem für mich nicht der beste Murakami und als Einstieg nicht so geeignet. Ich dachte beim Lesen, es müsste ein früheres Werk sein, es ordnet sich aber eher in der Mitte ein. Vielleicht ein Experiment…;-) Weil es Murakami ist, lasse ich es ihm mal durchgehen…

Die Stunde in der ich zu glauben begann – Wally Lamb

Als mir dieses Buch ins Haus flatterte, hatte ich noch nichts anderes von Wally Lamb gelesen.Nach der Lektüre werde ich das aber definitiv nachholen.Wally Lamb verwebt die Ereignisse von dem Amoklauf in der Columbine High School  (und dort benutzt er die echten Namen und Geschehnisse) mit der persönlichen (fiktiven) Familiengeschichte seiner Protagonisten. Maureen, eine Schulkrankenschwester die in der Bibliothek in einem Schrank versteckt miterleben muss, wie Schüler erschossen werden, leidet nach den Ereignissen, ist traumatisiert und rutscht immer mehr ab. Maureen und ihr Mann Caelum, der diese Geschichte erzählt, werden über einen langen Zeitraum hinweg begleitet, seine Figuren suchen nach Sinn und einem Neuanfang – immer wieder. Lamb hat hier ein großes Werk geschaffen, wo nicht nur ein roter Faden sondern viele gesponnen werden. Die Moral und Handlungsweisen der Menschen stellen sich in Frage und nicht zuletzt ist der Roman sehr bewegend und ich bin sicher das nicht nur mir an einigen Stellen des Romans die Tränen kamen.

Schnörkellos, dafür aber genau und detailreich beschreibt Wally Lamb diese Auseinandersetzungen mit Ereignissen, Tragödien und Geheimnissen. Auch Briefe, Emails und Erzählungen aus der Vergangenheit der Figuren haben ihren Platz und lockern so die Geschichte noch etwas auf. Dieses wirklich dicke Buch lohnt aber jede Seite – ein großer Roman über Menschlichkeit.

Die Fahrt – Sibylle Berg

Von Frau Berg erwarte ich ja schon einiges. Schnodderig-hingerotzt, mit einer Wut und im Endeffekt ist eh alles scheisse. Es wird geraucht, gesoffen, Drogen konsumiert und jeder tut es mit jedem. So ist es auch in „Die Fahrt“. Allerdings greift die Autorin hier ein etwas anderes Thema auf, die Rastlosigkeit und den Sinn des Lebens (so denn es überhaupt einen gibt). Das die Möglichkeit, alles zu tun und überall wohnen zu können, manchmal einsamer und unglücklicher macht als 30 Jahre im selben Dorf zu wohnen. Ihre Figuren sind miteinander verwoben, ohne es immer zu wissen. Jeder kennt jeden. Die Scheiss-Erde ist zu klein, so spielt dieses Buch in Berlin, Island, Amerika und noch vielen anderen Orten…. Mir hat diese, durchaus für echte Fans etwas zu gemässigte Frau Berg gut gefallen. Denn die lässt ein kleines Fünkchen Hoffnung sprühen. Und so „scheisse“ das Leben ihrer Protagonisten auch ist – irgendwo sind es doch alles Menschen mit diesem nur allzu menschlichen Durst nach Heimat.

Mängelexemplar – Sarah Kuttner

Eines vorweg: Ich finde Sarah Kuttner zwar im Interview gut – im Fernsehen so lala. Ihre vorigen Bücher fand ich nicht wirklich den Kracher. Aber dieses Buch, liebe Namensgenossin- das haben Sie verdammt gut hinbekommen! Wow! Ich bin wirklich beeindruckt, mit welcher Präsenz und Klarheit hier eine Angststörung/Depression/Panikattacken beschrieben werden. Nichts da mit Friede,, Freude, Eierkuchen, nichts mit einfachem Happy-End. Nur das pure Leben, wie es um uns herum passiert und doch immer noch nicht wahrgenommen wird.Karo, die Progtagonistin ist so gut getroffen, das wir sie alle in unserer Clique haben könnten, das Buch zeigt viele Wege und einige verdammt kluge Gedanken auf. Und trotzdem besitzt es eine Leichtigkeit und eine Ironie die einen anspricht.  Ich fand es sehr gut und sage: Lesen, Lesen und verdammt nochmal: Lesen!

btw: Bitte dieses Werk auf gar keinen Fall im gleichen Satz wie Feuchtgebiete erwähnen. Dazwischen liegen Lichtjahre!

Rico, Oskar und das Herzgebreche – Andreas Steinhöfel

Meine Helden im Kinderbuch sind wieder da. Und in diesem Band prasselt ganz schön viel auf die beiden ein: Eltern die sich seltsam verhalten, komische Nachbarn, das ganze mit der Liebe und vorallem steckt Ricos Mama ganz schön in der Patsche. Aber Rico & Oskar wären keine Freunde, wenn sie nicht versuchen würden, das ganze „zu regeln“. Wieder wunderschön illustriert und mit ganz vielen großartigen Worterklärungen von Rico versehen. Anfangs war ich etwas erstaunt, da es hier zwar einen Haupt-Handlungsstrang gibt, Steinhöfel aber sehr viele Themen gleichzeitig anpackt…es lässt mich auf einen dritten Band hoffen ;-)  Insgesamt wieder furios erzählt, sehr einfühlsam und zum Schluss wieder richtig spannend!  Für alle Kinder ab 10 und für Erwachsene, die gerne Kind waren und es immer noch sind!

Die Brautprinzessin – William Goldman

Seit Jahren, sicherlich schon seit Beginn meiner Ausbildung, lag meine liebe Kollegin A. mir in den Ohren: Sarah, lies doch mal „Die Brautprinzessin“! Ein Märchen über die wahre Liebe, edle Taten und Abenteuer. Irgendwie klang es ja interessant, dennoch bleib das Buch im Regal…und wartete auf mich. Nun kam dieses Jahr bei Klett-Cotta eine wunderschöne Neuausgabe heraus, in knalligem Pink – es war also um mich geschehen. Und ich habe es nicht eine Sekunde lang bereut, denn dieses Buch hat alles, was ein tolles, herausragendes Buch braucht: Witz, Charme, eine irrwitzige Handlung, tolle Wendungen und Einwürfe, es ist spannend und packend, man leidet mit und zwischendrin will man den Autor gleichzeitig lieben und verfluchen, weil er es immer wieder schafft zu überraschen und einen aufs Glatteis zu führen!

Wahrlich, ein Geniestreich! Ich verrate absichtlich nicht mehr, als das es einfach ein fabelhaftes Märchen ist – wenn man die Geschichte nicht kennt, ist es noch einen Zacken besser. Vertraut mir….;-)

Das Geisterhaus – Isabel Allende

Wenn man dieses Buch in einem Wort beschreiben möchte, würde ich sagen: Opulent! Allende entwirft eine Familiensaga über 3 Generationen in Chile. Skurrile Personen, Geister, Prunk, Geheimnisse beherrschen dieses Buch. Am Anfang tat ich mich ein bisschen schwer, man muss sich auf das Buch einlassen und eine recht ausschweifende Erzählweise mögen. Hat man sich aber eingelesen, gibt es einige Stellen wo man sich so richtig festlesen kann und kaum aufhören kann. Auch wenn die Erzählweise langsam und gemächlich ist, schafft Allende es doch, einen sehr langen Spannungsbogen, auch durch viele Andeutungen, zu halten.
Nichts für zwischendurch aber für lange Schmökerabende – perfekt!

Ich, mein Karma und Er – Anne Cushman

Ein pinkes Buch, das sich unter anderem um Yoga, Meditation und Erleuchtung dreht…musste ich natürlich lesen. Schön fand ich die beschriebenen Yoga-Positionen, immer zum Anfang eines neuen Kapitels, auch die Beschreibungen der unterschiedlichen Gruus waren nett verpackt. Amanda soll einen „Erleuchtungsratgeber“ schreiben, reist dafür nach Indien. Im Gespäck: alte Familiensorgen, einige verkorkste Beziehungen und die Suche nach dem „Sinn“. Allerdings ist das nicht alles, womit sie konfrontiert wird….Das Buch liest sich recht locker weg, ist auch ganz unterhaltsam insgesamt, aber ein richtiger Hit war es für mich nicht. Für jeden Yogini oder wer Spirituelles/Esoterisches auch mal mit ironischen Augen betrachten kann, aber nette Lektüre.

Elf Minuten – Paulo Coelho

Schwierig. Am Anfang hat mir dieser Märchenstil gefallen, las sich locker weg, soweit, so gut. Ich wurde aber weder mit der Hauptperson warm, die für mich die „käufliche Liebe“ irgendwie „kleinredete“, noch mit den Geschehnissen. Ich habe die Handlungen nur in Ansätzen nachvollziehen können…mutete für mich mehr als seltsam an. Ich würde mich durchaus als einen Menschen bezeichnen, der offen ist für spirituelles und durchaus an einiges zwischen Himmel und Erde glaubt, aber hier? Für mich war es nichts. Der Stil war nett, aber das hat es für mich nicht rausgerissen. Ich glaube nicht alle Coelhos sind in dieser Richtung, ich werde als vielleicht noch anderes von ihm lesen. Aber das hat Zeit…