Der Tag an dem Marilyn starb – Donna Milner

Nachdem ich von River von der gleichen Autorin so begeistert war, habe ich mir von diesem Buch recht viel erhofft. Warum es mich nicht ganz so gepackt hat, kann ich selbst nicht so genau sagen: die Personen wuchsen mir ans Herz, gerade die Kinder, die Geschichte war auch sauber erzählt. Für mich aber eben nicht mehr, zumal mir Geschichten die rund um Kriegsgeschehen angesiedelt sind, selten gut gefallen. Vielleicht einfach für mich nicht das richtige Buch.

Titos Brille: Die Geschichte meiner strapaziösen Familie – Adriana Altaras

Dieses Buch hat mich schlicht umgehauen! Man hat das Gefühl, Frau Altaras sitzt einem in einem Berliner Café gegenüber und erzählt mit viel Gestik und Mimik die Geschichte ihres Lebens und ihrer jüdischen Familie. Und wie sie das tut, das ist virtuos, spannend, beeindruckend und keine Minute langweilig. Was für eine Frau, was für eine Beobachtungsgabe, was für ein Talent für die leisen Töne zur rechten Zeit, einen trockenen Humor, wenn man ihn nicht erwartet. Sie spannt den Bogen von ihrer Kindheit in Zagreb bis zu ihrem heutigen Leben in Berlin und wieder hat man das Gefühl: sie erzählt einfach, ohne zu beschönigen – eine echte Kostbarkeit. Ich habe in diesem Buch sovieles gefunden und kann nur sagen: man muss es einfach selber lesen!

In Plüschgewittern – Wolfgang Herrndorf

Herrndorf schafft es,  dem üblichen Cocktail aus Roadmovie, der Hauptstadt (solche Bücher und Protagonisten würden in Hamburg oder Stuttgart einfach nicht funktionieren…), unglücklichen Erlebnissen und Traumata seine ganz eigene Note zu verleihen. Allein dafür gebührt ihm Anerkennung. Und auch wenn es nicht die ganze Zeit offensichtlich war – es steckt mehr in diesem dünnen Büchlein als nur eine Geschichte über einen, der gescheitert ist. Und man muss einfach zusehen – im übertragenen Sinne – einfach weiterlesen.

Nikolski – Nicolas Dickner

Nichts für Freunde klarer Strukturen und einem einzelnen Erzählfluss. Wirr und recht schräg aber generell mag ich das ja. Hat mich nicht umgehauen, allerdings auch nicht wirklich enttäuscht – dafür waren viele kleine Begebenheiten innerhalb des Buches einfach zu gut.

Nobody knows – Amanda Taylor

Von einer, die losging, sich mit 13 Jahren an den eigenen wunderschönen langen Haaren aus dem Sumpf ihrer Kindheit zu ziehen. So heisst es auf dem Klappentext. Treffender kann man eigentlich kaum beschreiben was dieses Buch ausmacht. Fast wünscht man sich eigentlich, das dieses Buch nicht auf einer wahren Geschichte fußt…den diese hat es in sich. Eine Mutter die immer wieder an die falschen Männer gerät, zusammengewürfelte Geschwister und stets ein Leben im Umbruch – alles aus der Sicht eines aufwachsenden Kindes. Das Buch lässt einen betroffen zurück, machte mich wütend und traurig. Und doch, es hatte einen starken Sog, weil die Hauptperson eines nie verlor – ihre Hoffnung, unerschütterlich, auf ein besseres Leben. Könnte ich ihr heute die Hand schütteln und ihr all meinen Respekt darbieten, für das was sie durchgestanden hat – ich würde es gerne tun.

Tarmac: Apokalypse für Anfänger – Nicolas Dickner

Eines von den Büchern, die einem vielleicht durchrutschen – der Autor in Deutschland nicht allzubekannt, der Titel etwas seltsam. Das ich es lesen konnte liegt an einer netten eMail der Kollegen von der Frankfurter Verlagsanstalt in der sie dieses Buch so witzig und treffend beschrieben, das ich es sofort lesen wollte. Thanx for that! Wie man sich nach der Einleitung denken kann, bin ich sehr angetan. Ein atmosphärisch so dichtes Buch mit verrückten Einfällen, zwei Helden die man sofort liebgewinnt und nicht zuletzt ein schräges Roadmovie. Wenn man dann noch auf skurrile Ereignisse, ein bisschen nerdige Naturwissenschaft und Weltuntergangsszenarieren steht – Treffer! Dieses Buch hat soviel, was ihm einen Platz im Regal der Bücher sichert, die man gerne als Geheimtipp weiterempfiehlt.

Die Einsamkeit der Primzahlen – Paolo Giordano

Wie oft liest man einen Roman, der einen zusammenzucken lässt, der einen mitleiden lässt – obwohl man die Protagonisten nichtmal unbedingt mag? Noch dazu im Kontrast zur recht düsteren Handlung in einer klaren Sprache und einem guten Stil. Das Buch ist keine leicht-lockere Urlaubslektüre. Und sicherlich auch nicht in jeder Lebenssituation passend, kein Buch das man als Geschenk mit ins Krankenhaus bringen würde. Ein schwieriges, ein kantiges und anstrengendes Buch. Aber gerade deshalb wirklich lesenswert!

1Q84 – Haruki Murakami

Ich musste ein wenig warten, bevor ich diesen Leseeindruck schreiben konnte, ich wollte diesem Buch so unbedingt gerecht werden und mir genug Zeit geben, alles setzen zu lassen. Murakami ist ja so ein Thema bei mir, ich lese ihn generell nur im Urlaub und habe so fast ein halbes Jahr gewartet, bis ich diesen wundervollen Roman gelesen habe. Die letzten 550 Seiten von über 1000 habe ich übrigens an einem absolut perfekten Saunatag nur so inhaliert..ich war im Rausch. Und da sind wir wieder: Ich kann über Murakami nicht schreiben, ohne Superlative zu benutzen, ich kann nicht über ihn schreiben ohne das mein Herz schneller schlägt. Seine Geschichten sind so intensiv erzählt, er ist so konsequent in seinen Beschreibungen und Personen wie wenige Schriftsteller es schaffen. Auch hier bin ich wieder in der Geschichte versunken, habe mich besonders gefreut das in diesem Buch auch die Literatur eine große Rolle spielt, begegnete alten bekannten Motiven aus vorhergegangenen Romanen…Ich habe die letzten Seiten umgeblättert und musste sofort nochmal von vorne beginnen, nochmal im Buch stöbern, es umarmen – Murakami ist hier wieder so groß, verdammt groß. DANKE!

Süß wie Schattenmorellen – Claudia Schreiber

Ein Gefühl für schräge, herrlich skurrile Gegebenheiten hat Claudia Schreiber, das muss man ihr lassen. Ganz in Tradition von „Emmas Glück“ hat dieser Roman wieder sehr eigenwillige Hauptpersonen die, es scheint in einer völlig anderen Welt leben – und doch ist es nur Nordhessen. Einige Dorfbewohner dieses Landstriches sind so lebendig gezeichnet das man sich fragt, wo genau dieses Dorf liegt – denn das muss es wirklich geben. Der Roman zündet, für mich vorwiegend auf den ersten 150 Seiten, total. Leider – und das tut mir richtiggehend weh, weil ich diese Autorin nach einigen Lesungen bei uns wirklich sehr mag – fällt die Geschichte für mich dann kontinuierlich ab. Vielleicht ist das gewollt, es soll nicht gefallen, es soll anecken und polarisieren – ich war aber irgendwie frustriert ob der Ereignisse, konnte mich nicht mehr einfühlen. In seiner Gesamtheit ist das Buch trotzdem lesenswert! Und der Schluss gibt ja auch einiges her – an Diskussionsstoff!

DU – Zoran Drvenkar

Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, nachdem ich wahnsinnig begeistert von „Sorry“ war. Ein schwieriges Buch. Einerseits habe ich es zu Ende gelesen, wollte wissen wie es endet – bei 600 Seiten ja auch schon eine Aussage. Andererseits war es zwischendurch so zäh, anstrengend zu lesen, kein Durchblick…Drvenkar erzählt aus 3 Perspektiven – eine davon war genial, absolut packend, auf die hab ich mich dann immer gefreut. Leider nimmt sie den kleinsten Teil ein. Er versteht sein Handwerk, keine Frage, aber hier war ich dann doch eher enttäuscht – für einen Krimi fehlt es mir an Tempo…Trotzdem – komplett verreissen kann und will ich es nicht.