Souvenirs – David Foenkinos

Anfangs hat mich das Buch entzückt, dank dem Vorgänger „Nathalie küsst“ erwartete ich wieder eine Geschichte die von leichter Hand geschrieben scheint und doch tiefer geht. Ein kleines bisschen verliert sich dieser Zauber der ersten Seiten im Verlauf der Geschichte – was vielleicht den Handlungen der Protagonisten geschuldet sein mag, vielleicht aber auch der Episodenhaftigkeit. Trotzdem habe ich diesen Roman gerne gelesen, weil er alle Facetten des Lebens beleuchtet und durch charmante Einfälle besticht – Souvenirs eines bewegten Lebens eben.

Die Lektionen – Naomi Alderman

Ein reicher, junger Student mit viel Charisma, die altehrwürdige Atmosphäre von Oxford und Studenten, die die Nähe von diesem jungen Mann suchen, wie Motten das Licht. Was passiert, wenn Geld keine Rolle spielt? Wie lange halten Freundschaften, die sich auf diesem Fundament gründen? Wie offen kann man sein (auch in sexueller Hinsicht), was ist Spiel, was ist Ernst? Das Buch hat mich nicht völlig begeistert, jedoch einiges an Fragen aufgeworfen, was ich ja immer wertschätze. Spitze und pointierte Beobachtung, die sicherlich auch aus eigenem Erleben gespeist wurde, ist die Autorin doch selbst Absolventin von Oxford.

Alles voller Hoffnung – Renate Dorrestein

Igor wird von seiner Großmutter Nettie großgezogen, nachdem seine eigene Mutter, als er fünf Jahre alt ist, das Sorgerecht an die Großmutter verliert. Und Igor ist anders – er ist geistig behindert. Als Igor in einer Werkstatt anfängt und sich verliebt, scheint sich alles zum Guten zu wenden…zunächst! Dorrestein hat hier ein, ja, leider muss man es so sagen, heute immer noch „Tabu-Thema“ angesprochen – und daraus einen bewegenden Roman gemacht. Ich habe dazu einen persönlichen Bezug und kann nur für mich sprechen: ich finde sie hat sich der Thematik gut und sehr sensibel angenähert und der Titel passt (weniger das Cover – das verwirrt mich immernoch…). Eine besondere kleine Familie, mit zwei starken Charakteren. Ich würde durchaus noch mehr von ihr lesen.

Zerbrechlich – Jodi Picoult

Endlich wieder eine Picoult die mich mehr überzeugt hat. Süffige Geschichte, stimmige Figuren, Drama, Moral und insgesamt fügte sich alles zu einem runden Ganzen zusammen. Zuletzt hatten mich einige Bücher von ihr eher enttäuscht, vorallem weil sehr viele Themen auf einen Schlag behandelt wurden und damit etwas kurz kamen, dass war hier nicht der Fall. So gefällt mir Picoult wieder richtig gut und dieser Roman wurde schnell verschlungen.

Der Hochstapler – David Belbin

Ein herrlicher Schelmenroman eines ungewöhnlich sympathischen Hochstaplers. So ein Buch, welches man unbedingt in die Tasche stecken sollte für den Urlaub: unterhaltsam ohne seicht zu sein, mit vielen Anspielungen auf Literatur, einem gewissen Witz und man liest es einfach in einem Rutsch und mit Vergnügen! Im Laden erzähle ich mittlerweile immer die Anfangssequenz und spätestens danach nehmen mir die Kunden das Buch aus der Hand und tragen es glücklich zur Kasse…

Will & Will – John Green und David Levithan

Von beiden Autoren habe ich zuvor etwas gelesen und war angetan. Entsprechend hoch meine Erwartungen dieses gemeinsame Werk, zumal ich diese Art der Zusammenarbeit erstaunlich finde. Aber hier waren Zweifel unbegründet – die beiden Autoren ergänzen sich so perfekt, man könnte meinen es wäre eine Person. Gemeinsam haben sie definitiv die Liebe zu unangepassten Figuren, zu einer gewissen Tragik die oftmals fast ins Komödienfach wechselt. Und vorallem: man lebt mit den Figuren mit, sie bleiben nicht lange neu und fremd sondern werden schnell zu jemandem der auch auf unserem Sofa sitzen könnte. Dieses Buch hat mich durch seine Frische, seinen Witz, seine große Herzlichkeit und vorallem das Gefühl, hier wirklich einen Blick ins Teenagerleben zu werfen, überzeugt. Was für eine verrückte Story, einfach herrlich!

Eddies Bastard – William Kowalski

Fühlte mich gut unterhalten, spannendes Familiengeheimnis mit interessanten Details. Gerade zu Anfang flogen die Seiten nur so dahin. Ein wenig flachte es zum Ende hin ab, das mag aber den Geschehnissen geschuldet sein. Seitdem ich weiss, es gibt eine Fortsetzung, denke ich, dort werden auch noch einige offene Fragen geklärt. Angenehm zu lesender Schmöker für den Urlaub.

Wir werden zusammen alt – Camille de Peretti

Ein Tag in einem Altersheim – viele Bewohner, viele Zimmer, viele Lebensgeschichten. Ein bunter Querschnitt durch das Treiben und die Gefühlswelt aller Beteiligten. Es hat mich ganz gut unterhalten, aber irgendetwas stimmte nicht, ich konnte den Finger nicht darauf legen. Am Schluss wurde das Rätsel enthüllt. Die Autorin hat sich einer Methode bedient, in der die Autoren bestimmte Regeln (zum Teil folgt es mathematischen Formeln) zum Schreiben einhalten müssen. So hat sie den Erzählstrang zum Teil errechnet, was zuerst passiert, welches Zimmer zuerst erzählt wird, teilweise gab es auch Vorgaben von bestimmten Details die einfließen müssen.

Unter diesem Aspekt fand ich das Buch wirklich gut gelungen, es ist sicher schwierig diese Bedingungen einzuhalten. Aber es wurde mir auch klarer, warum mich die Geschichte nicht packte: es war ein Ablauf, ein Herunterspulen und es fehlte das große „Herzstück“ welches einen Autoren antreibt, eine Geschichte zu erzählen. Unter literarischen Gesichtspunkten sicher einen Blick wert, viel Eindruck hat die Geschichte oder eher die Geschichten an sich nicht bei mir hinterlassen.

Die unglaubliche Pilgerreise des Harold Fry – Rachel Joyce

Eigentlich ist hier von Anfang an alles klar – alter Mann, kranke Freundin die er aus den Augen verlor, alter Mann läuft nach dem Erhalt dieser Nachricht los, Kurzschlussreaktion, solange er läuft, kann seine alte Freundin nicht sterben, so sein inneres Flehen. Man könnte fast sagen: netter Roman, nichts aufregendes oder gar „vorhersehbar“. Aber so einfach macht es Joyce einem nicht. Da ist auch Harolds Ehefrau, die sich während der Reise Gedanken über ihre Ehe macht. Da sind die Gedanken an den gemeinsamen Sohn, die beide unabängig voneinander denken. Da ist Harold, der überhaupt nicht für eine solche Reise gerüstet ist. Da sind die unterschiedlichsten Menschen, die Harold auf seinem Weg weiterhelfen, die mich berührt haben. So einiges passiert auf diesem langen Fußmarsch, womit man so dann eben doch nicht rechnen konnte – ein Zeichen für Qualität und doch mehr als nur ein „netter“ Roman.