Sunset Park – Paul Auster

Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Paul Auster richtig einordnen kann. Ich kannte von ihm zuvor nur seine New York Trilogie, die mir eine liebe Buchhändlerfreundin einst ans Herz legte. Ich hatte mit dieser durchaus zu kämpfen und bin heute noch nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe. Trotzalledem habe ich das Buch in guter Erinnerung. Daher war ich fast überrascht, wie leichtgängig sich Sunset Park las – mir gefiel der vorherrschende Ton, die Geschichte, die vielen Persönlichkeiten, die diesen Roman bevölkern, die Dramaturgie des Buches. Ich würde fast denken, jemand der Auster schon länger liest und noch mehr von ihm kennt, könnte enttäuscht sein, weil es sich doch ziemlich von der New York Trilogie abhebt. Für mich hat es allerdings genau gepasst.

 

Aus den Fugen – Alain Claude Sulzer

Ein gefeierter Pianist beendet völlig unvermittelt sein eigenes Konzert – er kippt seinen Stuhl um und verlässt, ohne sich umzudrehen die Bühne. Mit dieser schönen Szenerie beginnt das Buch. Um den Pianisten und diesen ungewöhnlichen Konzertabend ranken sich so einige Schicksale. Leider können diese nicht alle ganz mit dem starken Anfangsmotiv mithalten – es bleibt unterhaltsam, erreicht aber nicht die Intensivität, die es hätte haben können. Ein kleines bisschen schade, trotzdem gerne gelesen.

Onkel Toms Hütte – Harriet Beecher Stowe

Hier bleibt nicht viel zu sagen – ein Klassiker, den ich schon sehr viel früher hätte lesen wollen und sollen, wird doch sehr häufig auf dieses Buch Bezug genommen in der Literatur. Nun hatte ich Wartezeit zu überbrücken, das Buch stand dort im Regal und ich habe es endlich gelesen und bin froh darum – kann also nur empfehlen, falls noch nicht bekannt, dieses Buch zu lesen ;-)  .

Zwitschernde Fische – Andreas Séché

Eine schwärmerische, fast verschwenderisch ausgeschmückte Geschichte über Bücher, Literatur und das Lesen. Was mich zu Anfang bezaubert hat wurde mir zum Schluss hin ein klein wenig zuviel des Guten – aber das Buch entführt einen für eine Weile in ganz andere Gefilde, lässt einen träumen und schwelgen – ein schönes Buch für den Urlaub, wenn der Alltag mal ganz weit weg rücken soll. Für Wortverliebte und Buchliebhaber sowieso.

Abschied für Anfänger – Anne Tyler

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt, recht vorhersehbar und es war mir ein wenig zuviel „alles geht am Ende auf“-Gefühl. Bei einem anderen Autor würde ich es wohl als fast schon kitschig bezeichnen. Nicht so allerdings bei Anne Tyler – zum einen schreibt sie nicht seicht und zum anderen – das Leben kann durchaus diese Wendungen nehmen, „Geschichten die das Leben schrieb“ – und sie schreibt es so auf, dass ich es ihr abnehme.

Bugatti taucht auf – Dea Loher

Was mich auch noch nach Monaten an diesem Buch fasziniert, ist eine ganz bestimmte Szene. Und das muss ein Buch erstmal schaffen, sich so im Gedächtnis festzubeissen. Die Geschichte reizt, auch die unterschiedlichen Erzähler und Stilarten schafften es, dass ich sofort gefangen war und dranbleiben wollte. Die Szene um die es mir geht, ist ein Verhör, das literarisch für mich so herausstach, zumindest habe ich noch nie etwas in dieser Art gelesen – es wurde mir fast schwindelig, allem zu folgen, die Raffinesse mit der Erinnerung, Aussage und Beobachtung hier gemischt werden. Allein dafür lohnt sich dieses Buch ganz unbedingt!

Glückskind – Steven Uhly

Wo soll ich beginnen, wo enden? An diesem Buch ist einfach rundherum alles besonders! Fangen wir ausnahmsweise mal mit der Gestaltung an. Das Buch liegt weich in der Hand, der rote Umschlag wirkt als ob das Papier handgeschöpft sei – edel und fragil zugleich, er fällt auf. Auch das Innere ist mit soviel Liebe und Sorgfalt gestaltet – man blättert durch die ersten drei Seiten und hat das Gefühl, der Verlag hat dem Buch extra schöne Kleider angezogen um dem großartigen Inhalt gerecht zu werden. Allein damit hatte mich „Glückskind“ schon für sich eingenommen. Und das Buch war – so, so schön!

Es war an einem grauen Oktobertag ein echter Lichtblick, ein Buch voller Hoffnung, ein Buch in dem Dinge möglich werden. Obwohl die Thematik, Hans D. findet in einer Mülltonne ein ausgesetztes Baby, nun nicht gerade eine heitere Handlung verspricht und es auch keinerlei Wunder oder fantastische Elemente enthält. Aber was dieser Fund im Leben von Hans ins Rollen bringt, wie er reflektiert, sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt, sich des Kindes annimmt und dabei von unerwarteter Seite Hilfe bekommt – das liest sich so besonders, so berührend,  ich finde es schwer, dafür Worte zu finden. Uhly bedient sich einer ruhigen, gesetzten Sprache, hier finden sich keine blumigen Beschreibungen. Hier findet sich Leben. Geliebt werden. Und ein Neuanfang.

Ich bin sehr begeistert und das Buch verdient definitiv noch sehr viele Leser!

Lieber Osama – Chris Cleave

Eigentlich fällt mir hier seit dem Lesen nur ein treffendes Wort ein: Heftig. Heftig, heftig, heftig. Hier kommt wirklich einiges an Leid, Dreck, Elend zusammen. Hier wird geflucht, verflucht, eine Frau verliert ihre Familie und fast auch sich selbst. Der Brief, den sie an den „Verursacher“ des Anschlags schreibt, hat sich gewaschen … tue mich sehr schwer: wem möchte ich so ein Buch empfehlen? Wer hält das durch und aus? Auch die Sprache ist nicht gerade „gediegen“ – sie scheint mir authentisch, ist aber auch nichts zum lockeren Weglesen. Aber andererseits: es ist schon eine Kunst, so über eine Tragödie zu schreiben…

Willkommen auf Skios – Michael Frayn

Britischer Humor und eine Verwechslungskomödie, die klassisch beginnt und dann genüsslich vom Autor bis auf die Spitze getrieben wird. Nicht unbedingt neuer Stoff, jedoch einfach herrlich, den Irren und Wirren zuzusehen – und den meist eitlen Menschen, die möglichst glauben wollen, was nicht sein kann ;-). Das Michael Frayn für die Bühne schreibt, kann er in diesem Roman nicht verhehlen – hier wäre eine Adaption keine große Sache (und ich würde es mir gerne ansehen…)

Shopaholic & Sister – Sophie Kinsella

Mal wieder ein wenig englische Lektüre – und nochmals bleibe ich dabei: Kinsella kann mich einfach grandios unterhalten. Ich muss so oft kichern, auch wenn natürlich nichts wirklich unvorhersehbar ist. Aber darum geht es ja auch nicht – vorallem hat Becci Bloomwood einfach trotz Macken und Fehlern ein großes Herz und die Courage, sich aus den selbstverschuldeten Dramen auch wieder rauszuwühlen. Und das ungleiche Schwester-Gespann war ein schöner Einfall, der für die nächsten Bände sicherlich noch von Vorteil ist.