Jeder der auch nur ansatzweise auf einem Dorf großgeworden ist, wird sich in diesem Roman ein wenig wiederfinden. Unaufgeregt erzählt Lappert eine kleingroße Geschichte: vom Erwachsenwerden, dem Drang etwas besonderes sein zu wollen, die Suche nach dem Platz für sich selbst im Leben, von Verpflichtungen, von Liebe. Und einem skurrilen Dorf, wie wir wohl alle eines kennen. Liest sich gut, macht sich gut.
Schlagwort: Roman
Mary Ann im Herbst – Armistead Maupin
Mit einigem zeitlichen Abstand hat er es doch noch getan: den achten Teil der Stadtgeschichten geschrieben. Und ich kann Maupin einfach nur danken. Er schafft es, diese Reihe, die ich sehr ins Herz geschlossen habe, angemessen weiterzuführen: und er bewahrt ihren Charme, scheut sich aber genausowenig davor, das aktuelle Leben in San Fran einzuflechten und auch die heutigen Problematiken und Lebensweisen. Dem allein gebührt mein größter Respekt. Ein Muss für Fans!
Straßen von gestern – Silvia Tennenbaum
Was mich dazu bewog, dieses Buch näher anzusehen? Ein schön gestaltetes Cover, im Begleittext wurde Frankfurt erwähnt, der Titel klang gut. Als noch dazu dieses Buch für „Frankfurt liest ein Buch 2012“ ausgewählt war und ich beim ersten Satz schon merkte – wir werden Freunde – war die Sache klar. Ein Familienepos in Frankfurt, welches seine besondere Wirkung vorallem durch die lange Zeitspanne, die wir die Familie begleiten, entfaltet. Man wächst mit den Figuren, verfolgt ihre Werdegänge, das Wirken der Familienoberhäupter, Liebe, Leid und Verwicklungen. Wahrhaft ein bildreicher, satter, voller Roman – ein bisschen Zeit muss man sich nehmen, dünn ist dieses Buch nicht gerade. Aber jede investierte Minute lohnt sich!
Wahr – Riikka Pulkkinen
Ein atmosphärisch dichtes Familiendrama, welches mich von den ersten Seiten an gepackt hatte. Müssen Erinnerungen hochgeholt werden? Wäre manchmal nicht Schweigen die bessere Alternative? Doch dafür ist es irgendwann zu spät und man fragt sich, wie gut man eigentlich diejenigen, die einem am nächsten stehen, wirklich kennt. Intensiv, anrührend, dramatisch – toller Roman!
Das Hotel New Hampshire – John Irving
Wie immer nach einem Irving bin ich ziemlich platt. Man muss ihn bewundern, für sein Fabulieren, seine Fantasie, seine schrägen und doch so glaubhaften Charaktere…und diese Fähigkeit, seitenweise genauestens alles auseinanderzuklamüsern, um einem dann in 3 lapidaren Nebensätzen eine Bombe vorzusetzen. Und es ist so schräg und dermaßen überzeichnet – ich schwanke immer zwischen Lachen und Entsetzen. Und er hat die Fähigkeit, mir eine Geschichte zu erzählen die ich nach einer kurzen Inhaltsangabe nie lesen würde, und die mich doch nicht loslässt. Wahnsinn. Einfach verrückt der Mann, aber in guter Weise. Wobei ich sagen muss, seine späteren Werke wirken dann doch angepasster und „Letzte Nacht in Twisted River“ war auch unheimlich abgedreht, hat mir aber supergut gefallen.
Kein Feuer, das nicht brennt – Rayk Wieland
Ein Reisereporter der nicht reist – analog zum Titel ist der Protagonist angelegt, den einige bereits aus „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ kennen. Ich fasse mich kurz – ich habe bei keinem Titel des Frühjahres soviel geschmunzelt und bei keinem 8 Seiten meinem Mann vorlesen müssen, bei denen wir uns nur noch lachend auf dem Sofa gekringelt haben. Herrlicher Witz, tragische Komik – ganz wunderbar!
Mr. Chartwell – Rebecca Hunt
Die Idee, einer Depression eine feste Gestalt zu geben, nämlich die eines großen schwarzen Hundes, ist an sich garnicht verkehrt und ließ mich das Buch näher in Augenschein nehmen. Auf den ersten Seiten überzeugte es mich auch, allerdings – die Idee hätte sich vielleicht in einer Kurzgeschichte wohler gefühlt. Über ein ganzes Buch hinweg ist sie zu dünn und trägt nicht, weshalb ich dieses Buch eher ernüchtert zuklappte nach dem Lesen. Schade!
Das Ende der Unschuld – Megan Abbott
Meisterhaft eingefangen hat die Autorin dieses flirrende Gefühl, 13 Jahre alt zu sein – die Welt zu entdecken, die Risse in anderen Menschen, das eigene Gefühlsleben, den Empfindungen nachzuspüren und all das während eines nicht enden wollenden Sommers. Aber daneben stößt sie auch in ziemliche Untiefen des menschlichen Seins vor. Die Hälfte der Leszeit über fühlte ich mich unwohl beim Lesen, war bestürzt aufgrund der Ereignisse und Verdächtigungen. Ich tat mich sehr schwer damit, diesen Leseeindruck zu schreiben und habe ihn mehrfach umgeschrieben – denn trotz der heftigen Geschehnisse ist hier ein gutes Buch geschrieben worden.
Ada liebt – Nadine Balschun
Eine Liebesgeschichte zwischen Wörtern und Schweinen. Leichtfüßig, aber nicht seicht. Traurig und doch auf eine fragile Art und Weise schön. Ungewöhnlich und doch bodenständig. Ein Buch voller Gegensätze, die es sehr reizvoll und lesenswert machen!
Liebe usw. – Julian Barnes
Wie kein zweiter Autor den ich bisher gelesen habe, versteht sich Barnes darauf, Beziehungsgeflechte genau zu sezieren. Seine Spezialität: das Erleben der einzelnen Figuren in dieser Dreiecksgeschichte gegeneinander zu stellen und immer wieder die Frage an den Leser zu richten: gibt es eine allumfassende Wahrheit? Oder ist es nicht vielmehr so, dass unsere Wahrnehmung und unsere Erinnerungen und Empfindungen nur von uns aus genau dieser Perspektive gefühlt werden können? Und je mehr man von Barnes liest, desto mehr merkt man: nein, es gibt kein Richtig, Falsch oder auch nur eine objektive Wahrheit. Ein Buch von ihm lässt einen nachdenklich zurück, lässt einen Sätze mehrfach lesen – und fordert heraus. Allerdings eine Herausforderung, die ich nur allzugerne annehme!