Flut und Boden – Per Leo

Eine Familiengeschichte der ungewöhnlichen Art: zwei Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Einer, der Großvater des Autors war Abteilungsleiter im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS. In dem Versuch, die Vergangenheit seiner Familie zu verstehen, breitet der Autor eine Geschichte vor uns aus, die sich in Wellen vorwärtsschlängelt – ein ganzer Familienkosmos, der von starken Sätzen und Atmosphäre lebt. Nicht umsonst war diese Neuerscheinung bereits für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Ganze Tage im Café – Sólveig Jónsdóttir

Manchmal brauche ich einen Schmöker. Nicht zu seicht, aber auch nicht zu schwer, mit Figuren die mich ansprechen, einer Umgebung, die ich so vielleicht noch nicht kannte. Volltreffer! Tatort: Island. Täter und Opfer: Vier junge Frauen. Was passiert? Das Leben – in jeglichen Facetten, in all seinen Höhen und Tiefen.

Taxi – Karen Duve

Unterhaltsam mit Schwächen. Mir hat der erste Teil gefallen, angenehm kurios und süffig geschrieben, der zweite fiel für mich etwas schwächer aus. Insgesamt schwerer, es zu beurteilen, weil sie zwar 13 Jahre Taxi gefahren ist, aber nicht klar ist, inwiefern es nun ihr eigenes Erleben ist oder ein Roman mit eingewebten Erinnerungen. So etwas kann mir während des Lesens ein bisschen den Spaß nehmen.

Die Verlobungen – J. Courtney Sullivan

Einer meiner absoluten Lieblinge im Frühjahrsprogramm. Vier unterschiedliche Zeitepochen, vier unterschiedliche Lebensentwürfe, vier unterschiedliche Arten von Liebe. Und immer wieder die Frage – was ist Liebe, wozu dient die Ehe? Was ist Erfolg? Und wofür leben wir? Mitreissend geschrieben, toll zu lesen, definitiv eine Autorin die man im Auge behalten sollte!

Zweier ohne – Dirk Kurbjuweit

Eine Empfehlung meiner Kollegin, ein wenig verglich sie das Buch mit „tschick“, rein von der Stimmung her. So richtig gefunkt hat es bei mir nicht – es ist ein ruhiges Buch, manchmal fast schon zu langsam für mich. Die Sorgen und Gedanken der jungen Protagonisten erreichten mich nicht, verloren sich auf halber Strecke. Und doch: wenn meine Kollegin das Buch empfiehlt, höre ich jedes Mal wieder gerne zu.

Das Rosie-Projekt – Graeme Simsion

Etwas zwiespältig. Eigentlich trifft es genau meinen Humor: „Nerd“ Don trifft auf weiblichen „Nerd“ Rosie und mit etwas Witz und Verwicklung entfaltet sich eine romantische Geschichte. Woher also der Zwiespalt? Don hat das Asperger-Syndrom. Und ich frage mich, und zwar genau deshalb, weil ich Respekt vor dieser Diagnose habe, ob ich seine Verhaltensweisen, die er ja im Endeffekt seiner Krankheit zu verdanken hat, so witzig finden kann, wie sie hier dargestellt werden? Denn auch wenn er seine Grenzen ausdehnt, so ist es für ihn ja doch von gewisser Wichtigkeit, dass Abläufe passen und stimmen – daran wird ein anderer Mensch nur in geringen Maßen etwas ändern können. Solche „Umkrempel“-Geschichten hinterlassen bei mir immer ein leicht schales Gefühl.