Ein Junge, der Töne sehen kann. Ein Talent auf der Geige. Es könnte der Beginn einer großen Karriere sein: wäre der Junge nicht Sohn eines Stellmachers in der tiefsten Provinz. Ein Roman mit starker Melodie und einem Musiker, der sich vom Leben nicht brechen lassen will – entgegen allen Widerständen.
Schlagwort: Roman
Die Gottespartitur – Edgar Rai
Hier muss ich eigentlich zwei Leseeindrücke formulieren: die zu Beginn stehende Satire auf den deutschen Literaturbetrieb und diejenigen, die ihn bevölkern und beleben – klasse! Spritzig und spitzfindig, einwandfrei getroffen. Die spätere Entwicklung der Ereignisse – da wurde es für mich dann eher zäh – und das, obwohl mich die Thematik Religion und Musik durchaus interessieren.
Der Allesforscher – Heinrich Steinfest
Jetzt wird es schwierig. Seit Jahren gibt es eingeschworene Steinfest-Fans in unserem Buchladen. Als dieses Leseexemplar hereinflatterte dachte ich: Nun, das wird jetzt dein erster Steinfest. Und insofern kann ich meinen begeisterten Kunden Recht geben: dieser Autor hat etwas Außerordentliches. Dieses Buch war geradezu irrwitzig und über weite Strecken habe ich es mit Vergnügen gelesen, habe die wilden Wenden und scheinbar wahllos eingestreuten Begebenheiten (die sich schlussendlich zum großen Ganzen fügten) atemlos verfolgt. Warum das Aber? Weil mich die Figuren nicht erreicht haben. Ich sah sie nicht vor mir, sie blieben mir fern. Ob das nun ein Kriterium sein sollte? Am besten – selber lesen!
Bäume reisen nachts – Aude Le Corff
Französische Romane haben für mich ganz häufig einen bestimmten Klang, eine spezielle Art von Charme. Auch hier verspürte ich dieses Flair, was leider im Verlauf des Romanes deutlich abnahm. Was eigentlich eine Geschichte über Freundschaft hätte werden sollen, zerfasert, wird blasser. Trotzdem nett zu lesen.
Kings of Nowhere – T.J. Forrester
Seitdem ich Picknick mit Bären von Bill Bryson gelesen habe, fasziniert mich der Appalachian Trail. Klar also, dass ich dieses feine, kleine Buch aus dem Blumenbar-Verlag aus dem Regal fischte. Drei Außenseiter auf einer Reise zu sich selbst – wohin diese führen wird, das wissen die Wanderer selbst nicht. Aber dass dieser Roman weit entfernt ist von Erleuchtung und spiritueller Selbstfindung – das kann ich euch sagen. Stattdessen ein wilder Ritt in Wanderschuhen, voller Angst, Drogen, Zweifeln und den Gedanken&Nöten derer, die am Rande des Trails leben.
Ostende: 1936, Sommer der Freundschaft – Volker Weidermann
Wem kann man dieses Buch schenken? Leserinnen und Lesern, die sich für Geschichte interessieren. Für Literatur. Für historischen Kontext. Für das Exil. Für menschliche Schicksale. Für Freundschaften. Für das Schreiben. Kurzum: es liest und verschenkt sich hervorragend – macht ausgiebig Gebrauch davon ;-)
Ehrlich & Söhne, Bestattungen aller Art – Ewald Arenz
Ein erfrischender, deutscher Roman mit viel Witz, ohne dabei flach zu sein. Mit einer skurrilen Familie, in der man doch oftmals selbst den eigenen Bruder, die Schwester, die Eltern erkennt. Mit Lausbubenstreichen, mit trockenem Umgang mit Leben und Tod. Wirklich eine Empfehlung wert!
Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra – Robin Sloan
Zunächst war ich begeistert, traf das Buch doch einen lakonisch-witzigen Ton. Im Verlauf des Buches wurde meine Begeisterung immer schwächer, denn die Geschichte trägt sich für mich als Roman einfach zuwenig. Wenn man sie als fantastische Reise und als augenzwinkernden Blick in die Zukunft nimmt (und oftmals ist dieser Ausblick gleichzeitig faszinierend als auch verstörend), war es ein kurzweiliges Leseerlebnis. Im Endeffekt ist es eben nicht mehr, als die übliche Auseinandersetzung zwischen dem romantisch-verklärten, gedrucktem Buch und der Hightech-Zukunfts-Horror-Gott-Vision. Auch wenn hier durchaus versucht wurde, ein wenig ironisch auch zwischen Schwarz und Weiss zu schauen, so bleib es doch an den meisten Stellen eher flach.
Die Erbin – John Grisham
Über 700 Seiten, ein etwas geruhsamer Krimi, fast eher ein Roman – eine Geschichte rund um Erbschaftsrecht hatte ich so noch nicht gelesen. Und dass es trotzdem spannend blieb, das ist eben Grisham-Handwerk. War prima zum Wegschmökern, vielleicht vorallem für Eher-Nicht-Krimi-Leser.
funny girl – Anthony McCarten
Wer kennt es nicht: man mag den Autor, mag seine vorherigen Veröffentlichungen und ist dann vielleicht übermäßig enttäuscht, wenn es mit dem neuen Werk nicht funken mag? So ging es mir leider hier: die Idee sprach mich an, die ersten Sätze und auch der zuweilen tiefschwarze Humor – aber leider versickerte für mich im Verlauf der Charme des Buches immer weiter, bis er nur noch leise vor sich hinplätscherte. Sehr schade!