Das Licht zwischen den Meeren – M.L. Stedman

Eine Liebesgeschichte, die soviel mehr ist als das. Es ist die Geschichte eines Leuchtturmes und seiner Bewohner. Eines Paares, dass sich nichts sehnlicher wünscht als ein Kind. Und als das Schicksal zuschlägt, vor einer weitgreifenden Entscheidung steht. Stedman spielt mit moralischen Fragen, eingebettet in eine Geschichte voller Fragen, Schuld und unendlichem Glück. Was darf sein? Was kann ein Kartenhaus zum Einsturz bringen? Und wie weit darf man für sein Glück und die Liebe gehen? Für mich eine der berührendsten Neuheiten im Herbstprogramm.

Nenn mich einfach Superheld – Alina Bronsky

Der Plot war so vielversprechend und auch die ersten Kapital lasen sich frisch und voller unverbrauchter Gefühle und Aussagen, bereit, dem Leser einiges zuzumuten. Für mich hatte das Buch einen Bruch, mit dem ich mich erst zum Schluss hin anfreunden konnte, den dieser glättete die Wogen für mich. Es ist das gute Recht des Autoren, seine Leser im Unklaren zu lassen, ebenso aber auch mein Gefühl eine Daseinsberechtigung: mich ein wenig betrogen zu fühlen, weil ich einige Zeit im Buch umherirrte, völlig unsicher, wohin es mich führen würde.

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert – Joel Dicker

Es gibt Bücher, zu denen kehrt man gerne zurück. Die man nur widerstrebend beiseite legt, um sich im gleichen Moment darauf zu freuen, sie wieder zur Hand zu nehmen und weiterzulesen. Spannend, genau beobachtet und durchzogen von Erinnerungen, lässt dieser Roman, der fast ein Krimi sein könnte, keine Langeweile aufkommen, fesselt den Leser und obwohl er schon 700 Seiten umfasst, er hätte auch noch länger andauern können…Wunderbarer Schmökerstoff!

 

Zeit der Krabben – Hanna Jansen

Ein eher leises, ruhiges Jugendbuch, die Geschichte einer jungen Frau, die auf einer Insel aufwächst und die mit gänzlich anderen Herausforderungen zu kämpfen hat, als ihre Altersgenossen in einer Großstadt. Und doch – manches bleibt sich gleich, ob Stadt, Land oder Insel. Einfühlsam geschildert, mit einem Blick auf die eher dunklen Punkte, die in einer kleinen Gesellschaft Schwierigkeiten erzeugen können, auf Nöte, Süchte, Wünsche.

Als Mutter verschwand – Kyung-Sook Shin

Eine kleine Perle. Über koreanische Literatur stolpert man hierzulande selten und so war ich gespannt, wie sich diese Familiengeschichte lesen würde. Als die Mutter einer Familie bei einer Reise spurlos verschwindet, hinterlässt sie eine Lücke, die so nicht geschlossen werden kann. Die Familienmitglieder kommen nacheinander zu Wort und so entsteht eine Bestandsaufnahme des Lebens der Mutter – die doch keiner von ihnen wirklich kannte oder fassen konnte. Zärtlich, traurig, zum Teil behutsam und auch anklagend – ein zu Herzen gehendes Buch, obwohl es ohne das große Drama, den Showdown auskommt – auf stille Art berührt es mehr, als pompöse Ereignisse es tun würden. Empfehlung!

Stoner – John Williams

Eigentlich sollte Stoner genau zu mir passen: ich mag diese Romane mit Campus-Atmosphäre, denen der Ruf anhaftet, ein Klassiker zu sein. Was mich unterschwellig bei diesem Roman begleitete, war die Hoffnungslosigkeit. Williams beschreibt einen Mann, der eigentlich nur alles richtig machen wollte. Unauffällig leben, tun was er gerne tat. Und dem von allen Seiten Gegenwind entgegenbläst, der leidet, der, statt zu kämpfen, sich einfach seinem Leben ergibt. Das zu lesen, hat mir fast körperlich wehgetan. Und doch muss ich den Autor bewundern. Eine so genaue literarische Zeichnung eines verbrauchten Menschen anzufertigen, der vom Leben nicht gerade gut behandelt wurde, ohne nach den glitzerigen Effekten eines Romanes zu greifen, um das ganze zu glätten – das ist ein schweres Handwerk. Auch wenn mich der Roman schwermütig zurücklies, kann ich doch nicht umhin, genau diese Folge zu bewundern.