Das Schicksal ist ein mieser Verräter – John Green

John Green beschreibt oft Jugendliche auf der Suche nach sich selbst. Dass er jetzt in seinem neuen Jugendbuch seinen beiden Protagonisten Hazel und Gus dasselbe passieren lässt, überrascht nicht weiter – wohl aber, dass beide zwar nach sich selbst, dem Sinn des Lebens und vielem mehr suchen – aber überhaupt nicht wissen, wie lange sie dafür noch Zeit haben. Denn die beiden haben etwas gemeinsam – eine tödliche Krankheit. Kann man ein Buch über todkranke Jugendliche schreiben, der Tod stets im Raum – und trotzdem den Leser dazu bringen, bei diesem Buch nicht nur zu weinen, sondern auch zu lachen? Ja, man kann. Wenn man John Green heisst, der Autor, der einen so wunderbaren Blick hat für das Besondere in jedem einzelnen seiner Protagonisten. Für Witz und Galgenhumor, für Wünsche und Träume.

Ja, ihr werdet ein Taschentuch brauchen. Aber auch irgendwas zum Festhalten, wenn ihr laut lachen müsst. Ein eindrucksvolles, unbedingt lesenswertes Buch!

Schwarz wie Schnee – Jutta Wilke

Wenn Du nach einem Unfall erwachst und das Gefühl immer stärker wird, dass dein Fremdfühlen und die seltsamen Reaktionen deiner Umwelt nicht nur mit deiner Kopfverletzung zu tun haben…dann bist Du wohl in einem Jugendthriller von Jutta Wilke gelandet. Mit langsam aufgebauter Spannung die bis zum Schluss gehalten wird und leisen, philosophischen Überlegungen über das eigene Sein und Identität hebt sich dieses Jugendbuch wiedermal wohltuend ab von vielen anderen Büchern auf dem Markt.

 

Log out! – Oliver Uschmann/Sylvia Witt

Hier haben die beiden Autoren wieder ein Jugendbuch nach meinem Geschmack geschrieben: interessanter Plot, die Verbindung von moderner Technik mit dem gleichzeitigen Wunsch, etwas eigenes, anderes zu tun und auszubrechen. 100 Tage „Log out“ – ohne Geld, ohne Arbeit, ohne Wohnung aber mit einem Blog, der über die Geschehnisse berichtet. Mir gefällt es, wie die beiden die aktuelle Nachrichtenkultur und Trends ein wenig demontieren, mit leiser oder auch mal lauterer Kritik, aber stets mit viel Witz und unerwarteten Wendungen. Wieder ein schöner Schmöker, meiner Meinung nach auch für Jugendliche, die sonst eher weniger zum Buch greifen – hier bekommen sie intelligente Unterhaltung ohne moralischen Zeigefinger, dafür mit viel Identifikationspotential.

The Curious Incident of the Dog in the Night-Time – Mark Haddon

Eines der Bücher, die ewig und drei Tage im Regal standen, seit ich es vor wirklich Ewigkeiten in einem kleinen Dubliner Antiquariat gekauft habe…und es endlich erlöst zu haben, war eine gute Entscheidung. Ich hatte noch nie etwas von Haddon gelesen und glaube, es ist der perfekte Einstieg: skurril, ernsthaft, witzig und ungewöhnlich. Hab ich gerne gelesen!

Amy on the summer road – Morgan Matson

Ein Roadtrip ist ja ein vielstrapazierter Begriff in der Literatur. Diesmal passt er allerdings wunderbar auf dieses Jugendbuch. Im Verlauf dieses eher unfreiwillig begonnenen Trips werden sich die beiden Fahrer des Wagens sehr viel näher stehen als zu Anfang…Das Buch besticht durch seine Gestaltung: Musiklisten, Eintrittskarten, Infos zu Bundesstaaten, Speisekarten, Fotos und vieles mehr lassen den Leser gedanklich mitreisen und bringen einen näher ans Geschehen, als reiner Text es könnte. Ein wirklich schmökeriges Jugendbuch für den Sommer, mit einer leisen Liebesgeschichte, auch ein wenig traurig aber vorallem einfach schön und mit viel Humor geschrieben!

Die erste Liebe [nach 19 vergeblichen Versuchen] – John Green

Ich mache es es ganz kurz: mir haben alle anderen Bücher von John Green unheimlich gut gefallen. Ich dürfte einen Autoren entdecken, der mich voll und ganz mitnimmt und begeistert. Von diesem Werk hier war ich einfach nicht begeistert: es enthält ganz viel, was ich an Green schätze: abstruse Situationen, Wortwitz, Protagonisten mit Herz und Schnauze. Und doch hat mich die Geschichte so garnicht angesprochen: leiderleiderleider.

Vollendet – Neal Shusterman

Spannende Jugendbuch-Dystopie, die sich mit dem Thema Leben und Tod und vorrangig der Frage beschäftigt: wielange lebt oder existiert man? Wovon hängt es ab, wieviel kann man verlieren, ohne sich selbst zu verlieren? Organspende und das Verbot von Abtreibung werden hier als Aufhänger für eine klassisch gestrickte Geschichte benutzt und bieten viel Stoff zum Nachdenken, wäre vielleicht sogar als Schullektüre interessant. Für mich einziger Wermutstropfen: der eine Band wäre für mich vollauf ausreichend gewesen, eine ganze Trilogie hatte ich nicht erwartet und werde wohl auch die weiteren Bände nicht lesen – dafür reicht mir die Thematik nicht weit genug.

Wieviel Leben passt in eine Tüte? – Donna Freitas

Ein sensibel erzähltes Jugendbuch über das Leben einer Familie nach dem Verlust der Mutter – mit der wunderschönen Idee eines Survival-Kits, welches die Mutter vor ihrem Tod für die Tochter anfertigt – wohlwissend, dass ihr Kind diesen Anker brauchen wird. Die Gegenstände darin geben Rose zunächst Rätsel auf, aber mit jedem Tag ohne ihre Mutter ergeben sie nach und nach Sinn. An einigen Stellen wurde mir der Unterschied der Kulturen sehr bewusst, da gibt es schon einige Unterschiede zwischen den USA und Deutschland. Der Tod und der Umgang damit kennt keine Regeln und so ist es für mich in Ordnung, das Freitas ihren Figuren ganz unterschiedliche Arten der Trauer mitgibt, die vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar sind.

Blutsverdacht – Marie-Aude Murail

Die französische Autorin, die ich seit „Simpel“ sehr schätze, hat hier einen Jugendkrimi geschrieben. Und der hat alles, was es braucht: eine spannende Hintergrundgeschichte, Gänsehaut-Momente, die große Frage, wem man eigentlich trauen kann und ob die jahrelang für bare Münze gehaltenen Familiengeschichten einer Internetrecherche standhalten können… Spannend bis zur letzten Seite und der Fall durchaus nicht unknifflig – tolle Krimi-Empfehlung für Jugendliche!

Über uns Stille – Morton Rhue

Eigentlich mag ich Morton Rhue. Eigentlich mochte ich auch dieses Buch, welches sich mit einem fiktiven Atomangriff befasst – und der einzigen Familie innerhalb einer Straße, die wirklich einen Bunker baute, um zu überleben. Als der Angriff stattfindet, muss die Familie viele Entscheidungen treffen – zum Teil um Leben und Tod, denn der Zufluchtsort ist an sich nur auf die Familie ausgerichtet. Rhue hat hier ein, ich denke mal durchaus nicht ganz unrealistisches, Bild einer Katastrophe gezeichnet. Und doch überzeugt es mich nicht komplett – denn auch wenn es ein Jugendbuch ist, ist mir manches zu verknappt, zu vereinfacht gedacht (im Vergleich dazu ist „Die Welle“ obwohl nicht umfangreicher, viel anspruchsvoller, weil auch vieles zwischen den Zeilen stattfindet). Es ist insofern in Ordnung, weil es einen ganz guten Einstieg ins Thema bietet, allerdings würde ich es erst ab 14 empfehlen und mich dann fragen, ob mit 14, 15, 16 nicht schon deutlich „massivere“ Literatur zugemutet werden kann, mit mehr Inhalt und Gewicht.