Die Scanner – Robert M. Sonntag

Eine Dystopie im Jugendbuch, die erschreckend realistisch wirkt und durchaus vorstellbar. Sie verzichtet auf rasante Action-Szenen, die Bedrohlichkeit zeigt sich für den Leser schon im „normalen“ Alltag. An Orwells 1984 & Farenheit 451 angelehnt, für Jugendliche aufbereitet, spannend zu lesen – und mir als erwachsenem Leser stellt sich mit leisem Rückenkribbeln die Frage – was wird wohl in 50 Jahren sein?

Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims – Annabel Pitcher

Ehrlich gestanden habe ich mir von diesem Buch mehr erwartet. Das Cover, der Titel, eigentlich alles sprach für ein Jugendbuch nach meinem Geschmack. Warum es nicht gepasst hat? Ich kann den Finger leider nicht genau darauflegen, aber während des Lesens merkte ich: das kommt nicht an mich ran (dabei werde ich es belassen, weil ich dem Leser sonst zuviel vorweg nehmen würde, wenn ich genauer auf bestimmte Stellen eingehe). Insbesondere schade finde ich das, weil eine liebe Freundin dieses Buch sehr mochte und wir häufig den gleichen Lesegeschmack haben.

33 Cent um ein Leben zu retten – Louis Jensen

Ein wenig in der Tradition von Janne Tellers „Nichts“ erschien im gleichen Verlag nun dieses Buch, ebenfalls eine Art von Experiment, dem der Leser folgt. Jensen hat es verstanden, durch seine Geschichte zu führen und den Leser aufzurütteln, ihn von seinem bequemen Sofa zu holen. Man fragt sich: wo führt diese moderne Robin Hood Geschichte hin? Denn auch, wenn die besten Gedanken hinter der Idee stehen, so stellt sich doch die Frage: wieviel kann der einzelne tun? Ganz sicher nicht nur für Jugendliche interessant, eine zukünftige Schullektüre und ein Buch zum Darüber-Sprechen.

 

Finn remixed – Oliver Uschmann

Endlich wieder Finn! Diese Reihe für Jungs ab 12 ist einfach ein Geschenk für jugendliche Leser – witzig und mit einer gehörigen Portion Coolness. Auch der dritte Band um Finn, Lukas und Flo ist wieder gelungen, auch wenn ich ein paar klitzekleine Abstriche machen möchte – die ein oder andere Idee hätte ruhig mehr ausgeführt werden können, so wirkte es hier und da ein wenig gehetzt bzw. wurde nicht alles schlüssig geklärt. Einige Seiten mehr hätten mir gut gefallen. Trotzdem: Lesefutter und bei uns eine der beliebtesten Reihen.

Mein Sommer nebenan – Huntley Fitzpatrick

Im Vordergrund steht die Familie Garrett, mit ihren 8 Kindern sind sie für das Nachbarsmädchen Samantha Attraktion und Abschreckung zugleich. Doch wie sich zeigt, trifft so manches Vorurteil der Stadtbewohner doch viel mehr auf die Verurteilenden selbst zu. Und Samantha muss sich entscheiden, ob Freundschaft und Nachbarschaft genausoviel bedeuten wie Familie. Ein Jugendbuch für den Sommer, mit dem ein oder anderen ernsteren Unterton, schön schmökerig.

Atme nicht – Jennifer R. Hubbard

Was ich schon einige Male gelesen hatte, waren Bücher über den Selbstmord von Jugendlichen, aus der Sicht der Zurückgebliebenen. Die Idee dieses Jugendbuches, einen Jungen, der seinen Selbstmordversuch überlebt, zu beschreiben, war mir ganz neu. Sehr behutsam schreibt die Autorin über einen holprigen, schwierigen Weg zurück ins Leben, unter den Augen der überbesorgten Eltern, begleitet von unerwarteten Freunden … und immer wieder spürt man das Prasseln des Wasserfalls, unter den Ryan sich stellt, um sich am Leben zu fühlen, auf den eigenen Schultern…

Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind? – Hervé Jaouen

Eine sensible Auseinandersetzung im Jugendbuch mit dem Thema Alzheimer. Lebensklug und liebevoll geschrieben, erzählt das Buch von einer Familie, die zusammenhält, auch wenn die Großmutter durch die Krankheit die Nerven aller ordentlich fordert – trotzdem verlieren die Beteiligten nicht ihren Humor und erfahren durch die neue Situation eine ganz neue Rolle innerhalb der Familie. Tolle Umsetzung eines schwierigen Themas.

Wunder – Raquel J. Palacio

Dieses Buch nimmt einen von der ersten Seite an für sich ein. Der Ich-Erzähler August, der sein Aussehen so beschreibt, dass man es sich nichtmal so schlimm vorstellen könnte, wie es wirklich ist. Sein Gesicht ist von Geburt an und trotz vieler Operationen „entstellt“ und August muss von Kindesbeinen an Blicke, Geflüster, Lästereien und Unsicherheiten erleben. Was dieses Buch besonders macht? Zum einen ist es August, der sich dem ganzen unerschrocken stellt und auch nach Tiefschlägen wieder aufsteht und eine erstaunliche Sicht der Dinge aufweist. Aber auch die Menschen, die mit August in Kontakt stehen, kommen zu Wort und so ergibt sich für den Leser eine Sicht auf das grosse Ganze. Zum Schluss hin standen mir die Tränen in den Augen und ich dachte noch: Mensch, das ist jetzt aber ein wenig dick aufgetragen. Und dann dachte ich: Was für ein Blödsinn. Ich will solche Bücher! Ich will Bücher die mich zum Weinen bringen, Bücher wo ich die Hand in die Luft strecke, zur Faust geballt und JAAAA brülle, weil es sich gut ausgeht. Weil es mich berührt, weil ich will, dass solche Dinge geschehen und passieren können und dass es stets Menschen mit großen Herzen und klugem Verstand geben wird. Oh ja!

Looking for Alaska – John Green

Es gibt Bücher, bei denen weiss ich genau, noch nach Monaten, wie ich sie gelesen habe. Hier hatte ich mir das englische Original gekauft und allein deshalb langsamer gelesen als üblich – und noch mehr, weil ich jede Faser, jeden Wortfetzen dieses Buches genießen wollte. Das Leben spüren, der übermächtige Wunsch, ganz dazusein, alles zu erleben – das Leben begreifen: so fühlte sich die Lektüre an. Ich saß aufrecht im Bett, angespannt, mit Gänsehaut, die Tränen liefen. So oft setzte ich das Buch ab, so sehr gerührt von den Geschehnissen, so berührt. Manche Bücher sind einfach in dem Moment, in dem man sie liest, in einer bestimmten Lebensphase Begleiter, treffen einen ins Herz. Für mich ist dieses Buch so ein Begleiter – ich werde es sicher nochmals lesen und diese erste Lektüre – nicht vergessen. Eines meiner drei liebsten Bücher in 2012.