Alles ist erleuchtet – Jonathan Safran Foer

Ich hatte schon erwartet, dass ich mich wohl schwertun würde, konnte mich sein erster Roman schon nicht in Gänze überzeugen. Es ist nicht so, das Foer nicht schreiben kann – das kann er. Aber manchmal wirkt die Geschichte spröde, manches Stilmittel gefällt mir nicht so recht. Dann kommt wieder eine Passage, die mich begeistert, weshalb ich doch immer weiterlese. Und dennoch zum Schluss hin das unbefriedigende Gefühl, es zwar beendet zu haben, aber doch noch viele Fragen zu haben. Sehr schwierig.

Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit – Maggie Shipstead

Hier wurde ich nicht recht warm mit den Personen, die diese Geschichte bevölkern. Bei niemandem konnte ich mich wiederfinden, bei allen erzeugte die Lektüre eher eine grundlegende Antipathie. Die Oberflächlichkeit dieser Hochzeitsgesellschaft wurde insofern eindrucksvoll portraitiert, allerdings fehlte mir der rote Faden, das Buch zerfaserte für mich zu sehr. So richtig glücklich bin ich nicht mehr geworden beim Lesen, aber es war trotzdem nett für zwischendurch.

Stella Menzel und der goldene Faden – Holly-Jane Rahlens

Das ist ein Buch, mit dem man sich, zusammen mit seinen Kindern hinsetzen möchte und es immer und immer wieder vorlesen möchte. Am besten natürlich, unter einer mitternachtsblauen Decke mit silbernen Sternen, zusammengehalten von goldenem Faden… Fast ist es mir, als würde ich die Stimme von Stellas Großmutter hören, wie sie Stella immer wieder die Geschichte dieses besonderen Stoffes erzählt, die so viel früher begann: als Überwurf, als Tischdecke, als Vorhang, als Kuscheldecke, als Kleid…(aber ich will ja nicht alles verraten). Eine warme Familiengeschichte darüber, was wichtig ist und was bleibt. Und das auch aus dem kleinsten immer wieder etwas neues entstehen kann. Wunderschön!

Jimmy, Jimmy: Die Geschichte wie mein Vater wieder 10 Jahre alt wurde – Mark O’Sullivan

Der Titel verrät eigentlich schon die Geschichte: eine Familie setzt sich mit den Unfallfolgen des Vaters auseinander, der nun geistig auf dem Stand eines 10jährigen ist. Die Familie leidet unter den Auswirkungen, rückt zusammen, fällt auseinander. Ein ernsthafter Ton und eine sehr unverklärte Sicht der Dinge machen dieses Buch recht traurig, dafür aber auch zu einem ehrlichen Zeugnis und einer besonderen Lektüre ohne Weichzeichner.

Das Leben natürlich – Elisabeth Strout

Ich hatte mich sehr auf die neue Strout gefreut, kenne ich sie als Menschenkennerin mit einem Gespür für die Untiefen der Seele. Diese hat sie in ihrem neuen Roman auch wieder ausgelotet: allerdings nur von zwei der drei Hauptfiguren. Während sie es schafft, eine auseinandergebrochene Familie in all ihrem Versagen, Wünschen, Lastern und Sehnsüchten zu portraitieren, bleibt der Vorfall, um den sich das Buch dreht nebst der dritten Hauptfigur, blass. Bis zum Schluss waren die Beweggründe im Dunkeln, was mich irritiert hat. Nun stellt sich die Frage: soll man dem Klappentext die Schuld geben, weil er in mir eine Erwartung geweckt hat, die das Buch nicht erfüllen konnte? Oder sich freuen, dass es trotzdem ein lesenswerter Roman geworden ist?

Die Listensammlerin – Lena Gorelik

Obwohl mir dieses Buch sehr gut gefallen hat, fand ich es schwer einen Leseeindruck zu formulieren. Stattdessen habe ich mir Stichpunkte gemacht und es auf später verschoben. In der Zwischenzeit hat die Klappentexterin auf ihrem Blog das ganze soviel besser gemacht als ich, dass ich fast schon den Leseeindruck unter den Tisch fallen lassen wollte…aber dafür fand ich das Buch dann doch zu gut. Daher – hier meine kleine Liste ;-)

  • Familienroman
  • Grischa
  • Listen, sympathisch, angenehm nerdig
  • gut lesbar
  • Verbindung zwischen Familie, Prägung,
  • Angst um Tochter, Krankheit, Beziehung der Eltern
  • Schreiben
  • der unbekannte Onkel, der schwarze Schaf, Politik

Nenn mich einfach Superheld – Alina Bronsky

Der Plot war so vielversprechend und auch die ersten Kapital lasen sich frisch und voller unverbrauchter Gefühle und Aussagen, bereit, dem Leser einiges zuzumuten. Für mich hatte das Buch einen Bruch, mit dem ich mich erst zum Schluss hin anfreunden konnte, den dieser glättete die Wogen für mich. Es ist das gute Recht des Autoren, seine Leser im Unklaren zu lassen, ebenso aber auch mein Gefühl eine Daseinsberechtigung: mich ein wenig betrogen zu fühlen, weil ich einige Zeit im Buch umherirrte, völlig unsicher, wohin es mich führen würde.

Die Frau, die ein Jahr im Bett blieb – Sue Townsend

Britischer, bitterböser Humor bei der Betrachtung einer eigentlich ganz normalen, spießigen Familie. Als Familienoberhaupt Eva beschliesst, nach dem Auszug ihrer Kinder einfach im Bett zu bleiben, bricht ein Chaos aus, mit dem wohl niemand gerechnet hatte – am wenigsten Eva selbst. Eine hundertprozentige Empfehlung wird es nicht werden, man muss diese spezielle Art von Humor schon sehr mögen. Für Freunde des Skurrilen kann ich allerdings sagen: hier ist die Verweigerung des alltäglichen Alltagsbreis trefflich auf die Spitze getrieben worden.