Ein eher leises, ruhiges Jugendbuch, die Geschichte einer jungen Frau, die auf einer Insel aufwächst und die mit gänzlich anderen Herausforderungen zu kämpfen hat, als ihre Altersgenossen in einer Großstadt. Und doch – manches bleibt sich gleich, ob Stadt, Land oder Insel. Einfühlsam geschildert, mit einem Blick auf die eher dunklen Punkte, die in einer kleinen Gesellschaft Schwierigkeiten erzeugen können, auf Nöte, Süchte, Wünsche.
Schlagwort: Familie
Als Mutter verschwand – Kyung-Sook Shin
Eine kleine Perle. Über koreanische Literatur stolpert man hierzulande selten und so war ich gespannt, wie sich diese Familiengeschichte lesen würde. Als die Mutter einer Familie bei einer Reise spurlos verschwindet, hinterlässt sie eine Lücke, die so nicht geschlossen werden kann. Die Familienmitglieder kommen nacheinander zu Wort und so entsteht eine Bestandsaufnahme des Lebens der Mutter – die doch keiner von ihnen wirklich kannte oder fassen konnte. Zärtlich, traurig, zum Teil behutsam und auch anklagend – ein zu Herzen gehendes Buch, obwohl es ohne das große Drama, den Showdown auskommt – auf stille Art berührt es mehr, als pompöse Ereignisse es tun würden. Empfehlung!
Die Bestimmung: Tödliche Wahrheit – Veronica Roth
Die Fortsetzung vermochte mich nicht ganz so zu fesseln, wie der erste Band, ist aber ebenfalls gespickt mit Intrige, Drama und der Frage: Wem kann man eigentlich trauen? Spannung ist da, wenn auch niedriger und langsamer dosiert als im ersten Teil. Somit: der dritte Teil wird interessant…
Der Duft des Regens – Francis Greenslade
Vielleicht tue ich dem Buch ein wenig unrecht, aber es konnte mich nicht ganz so sehr beeindrucken, wie andere Geschichten mit ähnlicher Thematik (von denen ich einige kurz zuvor las). Es mag also dem direkten Vergleich mit „The Silver Star“ geschuldet sein…Wunderschön allerdings: die Beschreibungen der kanadischen Landschaft und die Atmosphäre einer Traurigkeit…
no place, no home – Morton Rhue
Hat mir wieder richtig gut gefallen. Eine Auseinandersetzung zum Thema Obdachlosigkeit, einer Art Zeltstadt, die Auswirkungen von Mieterhöhungen, Arbeitslosigkeit und Wohnraumknappheit. Ich glaube, dass Rhue hier ein heisses Eisen anfasst, was bisher noch nur als Spitze eines Eisbergs zu sehen ist. Toll zum Jugendbuch aufgearbeitet, aufwühlend und nachdenklich machend.
The Silver Star – Jeannette Walls
Ich werde dieses Buch mit einem meiner Lieblingsbücher vergleichen und mir ist klar, dass ich damit einen hohen Standard setze. Als ich begann zu lesen, fühlte ich mich sofort an „Wer die Nachtigall stört“ erinnert. Walls kann wunderbar erzählen und erstaunlicherweise schafft sie es, den einzigartigen Ton in ihren Bücher zu behalten und trotzdem eine ganz eigene Erzählung zu schaffen, die sich nicht mit vorherigen Werken vergleichen lässt. Ein ganz großer Roman, eine Geschwistergeschichte, eine Geschichte über die Liebe, das Loslassen, die eigenen Wurzeln und verdammt viel Mut. Große, große Leseempfehlung!
Eine Tochter in Berlin – Otto de Kat
Obwohl dieses schmale Büchlein zu einer recht gefährlichen Zeit spielt und ein explosives Geheimnis enthält, hat es mich doch nicht recht fesseln können. Während des Lesens fand ich so einige bemerkenswerte Sätze und Gefallen am Buch, aber nach der Lektüre war dieses Buch doch recht schnell wieder weiter weggerückt. Tut mir irgendwie ein bisschen leid darum, weil ich nichts wirklich kritisieren kann oder möchte – manchmal passen Buch und Mensch eben einfach nicht zusammen.
And the mountains echoed – Khaled Hosseini
Wenn jemand den Titel „Geschichtenerzähler“ verdient, so ist es eindeutig Khaled Hosseini. Auch in seinem dritten Buch schafft er es wieder, ein ganzes Kaleidoskop an Geschichten, Schicksalen, Menschen, Gefühlen zu offenbaren. Anders als in vorherigen Büchern spielt dieser Roman an mehr Orten, umfasst eine größere Zeitspanne. Das tut dem Lesegenuß aber keinerlei Abbruch. Wieder ein sehr gelungener Roman!
Vergiss den Sommer nicht – Morgan Matson
Bitte, tut euren Teenie-Mädchen einen Gefallen. Besorgt dieses Buch für euren Sommerurlaub. Und gebt den Mädels gleich noch eine Packung Taschentücher mit und wenn ihr das Buch abends aus der Strandtasche fischt, um selbst mal reinzulesen, wundert euch nicht, wenn ihr gegen 4 Uhr morgens mit den Tränen kämpfend, immer noch lesend auf dem Sofa eures Ferienhauses sitzt. Aber es wäre zuwenig gesagt, wenn man das Buch nur auf seine traurigen Ereignisse reduziert. Es ist eine besondere Familiengeschichte, in der lange nicht alles ausgesprochen wird, in der schlimmes passieren muss, bevor sich etwas verändert. In der es um Schuld, um Trauer, um Treue und Beständigkeit geht, um Freundschaften und Annäherung innerhalb einer fremd gewordenen Familie. Und doch ist es von zarter Schönheit, ohne dass Zuckerguss über die Ereignisse gegossen wird. Ach, ich wünsche diesem Jugendbuch soviele Leser!
An jedem neuen Morgen – Roger Rosenblatt
Ein schmales Büchlein, keine Fiktion sondern ein Erfahrungsbericht, eines Vaters, der nicht nur seine Tochter verliert, sondern durch ihren Tod, zusammen mit seiner Frau als Großeltern für die drei noch sehr jungen Enkelkinder mehr als nur da ist. Die beiden ziehen bei der Familie ein und versuchen, trotz Trauer, ein unkonventionelles Familienleben zu meistern. Was an diesem Buch heraussticht, ist eine gewisse Sachlichkeit, es sind Momentaufnahmen, Anekdoten, die alle von einem großen Zusammenhalt und einer engen Familienbeziehung zeugen. In diesen Seiten findet sich auch Trauer, meist unausgesprochen, zwischen den Zeilen. Diese Familie entschliesst sich, dass es weitergehen muss, mit einem ungeheuren Willen, manchmal hat mich das ein wenig irritiert, wünschte ich mir, dass mehr miteinander gesprochen würde, aber Trauer ist so vielfältig, dass ich mir da kein Urteil erlauben möchte.