Auch wenn dieses Buch enorm viele Lorbeeren geerntet hat, von mir gibt es etwas weniger überschwengliche Töne. Obwohl ich es gerne gelesen habe und vieles daran wunderbar finde: die Sprache, die speziellen Dinge, für die Jewel sich interessiert, die Poetik. Doch hundertprozentig kann ich mich nicht dem Lob anschliessen. Vielleicht kann ich es zu schwer aushalten, wenn Menschen unglücklich sind, wenn Kinder innerhalb ihrer Familien so mißverstanden und dysfunktional werden. Das hat dann weniger mit dem Buch zu tun, als mit meinen Empfindungen und doch: beim Lesen beschlich mich hier und da ein Unwohlsein, was ich schlecht beschreiben konnte, es war mir zuviel, ich wollte die Eltern schütteln, den Aberglauben aus dem Buch vertreiben.
Schlagwort: Familie
The secret lives of dresses – Erin McKean
Ein richtiges Feel-good-Buch mit Vintage-Kleidern, die mehr als nur schön und alt sind, denn sie tragen ein geheimes Leben in sich. Im Original gelesen und mich dabei kuschelig aufs Sofa gelegt.
Weit weg und ganz nah – Jojo Moyes
Nett für zwischendurch. Erinnert mich ein bisschen an Marian Keyes, Maeve Haran und Sophie Kinsella, so eine Mischung aus allem. Nicht so sehr Chick-Lit wie Kinsella, nicht so dramatisch-traurig wie Keyes, aber ganz klar in Great Britain angesiedelt, ein bestimmtes Flair, bestimmte Typen von Menschen, vom Schicksal zusammengebracht.
Zwölf Leben – Ayana Mathis
Dieses Buch beginnt dramatisch und die Bilder in meinem Kopf, die das erste Kapitel zeichnete, werden sicherlich noch eine Weile dort bleiben. Ein Buch über Familienbande, über zahlreiche Geschwister und ihre so unterschiedlichen Wege – und ihre Mutter, die mit zwölf Kindern mehr als nur eine Geschichte zu erzählen hat.
Grenzgang – Stephan Thome
Nun endlich las ich den ersten Roman von Stephan Thome und auch dieser hat mich begeistert. Auch wenn ich selbst durchaus in einer sehr überschaubaren Kleinstadt aufgewachsen bin, so sind mir Festivitäten wie der Grenzgang doch eher fremd. Und doch: selbst wenn man Stadtmensch durch und durch ist, bringt Thome einem die Atmosphäre näher, die eingeschworene Kleinststadtgemeinschaft, das Rucken der Vorhänge, das Klein auf Klein und das Ausbrechen und Zurückkehren. Was er ebenso meisterhaft schafft, ist aus der Perspektive einer 40jährigen Frau zu schreiben, das hat mich wirklich fasziniert, es geht weit über „Ruft er an?“ hinaus, mitten hinein in die Ängste und Zweifel dieser Frau, ihrem Umgang mit ihrem maulfaulen Sohn, dem Ex-Mann und seiner neuen Freundin, der pflegebedürftigen Mutter. Und das Lob, was seine Dialoge angeht, kann ich nur ebenfalls wiederholen, diese sind schnell, intelligent und authentisch. Ich freue mich schon sehr, wenn ich irgendwann ein drittes Buch von diesem talentierten Autor lesen darf!
Die Selbstmordschwestern – Jeffrey Euginides
Ich werde ganz sicher nicht leugnen, dass es an mir liegt – aber ich konnte mit diesem Buch so wenig anfangen. Es bleib für mich schwer greifbar, es schlüpfte mir so oft aus der Hand, aus meinen Gedanken. Allein, nicht genau zu wissen, wer die Erzähler sind. Und auch die, ja, geradezu Obession, mit der die Schwestern beobachtet wurden, war mir zu voyeuristisch, viel zu intim. Es ist immer schwierig, ein Buch zu lesen, in dem man sich mit keiner der Figuren auch nur ansatzweise identifizieren kann. Obwohl ich ein Faible für schräge, skurrile Figuren habe – hier bin ich deutlich an meine Grenzen gestoßen.
Nach allem, was passiert ist – Sophie Columbeau
Eine Teenager-Idee, ein großes Aufflackern der Hormone und der Absturz danach: aus den Köpfen der Beteiligten heraus wird nach vielen Jahren versucht, die eigentliche, die wirkliche Wahrheit herauszufinden über diese eine, wilde Nacht der vier jungen Leute. Und der Leser? Weiss am Ende, dass es die eine, die objektive Wahrheit schlicht nicht geben kann. Unterhaltsam!
Die Geschwister Gadsby – Natasha Farrant
Feines Jugendbuch – ihr solltet die Familie Gadsby und insbesondere die Geschwister Gadsby dringend kennenlernen! Gelungener Aufbau, symphatische Protagonisten, eine interessante (Kamera)-Perspektive. Japp, dicke Empfehlung!
Mehr als nur ein halbes Leben – Lisa Genova
Erneut wendet sich Lisa Genova einem schweren Schicksal zu – in diesem Roman ist es Sarah, die als Folge eines Unfalls einen linksseitigen Neglect zurückbehält. Ihr ganzes Leben – vorher genau getaktet, um Arbeit, Kinder, Ehemann und Gesellschaftliches unter einen Hut zu bekommen, ist so nicht mehr lebbar. Wenn das, was uns ausmacht und worauf wir stolz sind, aufgrund unserer körperlichen Verfassung nicht mehr möglich ist – was bleibt dann von uns? Diese Lektion muss Sarah auf die harte Tour lernen. Für mich nicht ganz so packend wie “Still Alice”, dennoch lesenswert.
Sommertöchter – Lisa-Maria Seydlitz
Eine Familiengeschichte im Sommerhaus – vom Finden, vom Verlieren, man spürt den Wind in den Haaren und den Sand unter den Füßen. Und auch wenn viele Fragen bleiben, so hat man doch am Ende ein wenig das Gefühl, die Sommertöchter haben etwas von sich selbst wiedergefunden.