Wer sich nicht in die muffelige, dauermüde dafür aber umsomehr von sich überzeugte Weihnachtswichtelin Elfrid verliebt, ist selber schuld! So ein schönes Kinderbuch für die Weihnachtszeit. Mila mag ihr Weihnachtsfest so wie es immer war: sie und Mama, auf der Couch. Als sich für dieses Jahr der Nachbar ankündigt, den ihre Mutter eindeutig zu sehr mag, wünscht sich Mila nichts sehnlicher, als dass er verschwindet und sie wie immer feiern können…zu dumm nur, dass der Wunsch ausgerechnet an Elfrid übertragen wird – denn damit geht das Chaos erst los…Elfrid ist zwar der Meinung, eine der begabtesten ihres Faches zu sein – leider steht ihr diese Überzeugung mehr als einmal im Weg und je mehr sie versucht, den Wunsch zu erfüllen, desto mehr überschlagen sich die Ereignisse…. Sensibel erzählt, spannend und einfach herrlich komisch!
Schlagwort: Familie
Als Gott ein Kaninchen war – Sarah Winman
Ich verreisse selten ein Buch. Oftmals komme ich auch gar nicht in die Situation, weil mir meist mein Lesestoff zumindest ganz gut gefällt. Hier stand das Leseexemplar lange im Schrank, irgendwann dachte ich: der Titel ist so nett, es klingt doch nach schönem Wegschmökern, also her damit. Warum ich es überhaupt beendet habe, frage ich mich mittlerweile. Vielleicht wollte ich wissen, ob die Autorin das wirklich so bis zum Ende durchzieht? Die Sprache war mir oft zu flapsig, zu belanglos, zu platt. Die Erzählerin nicht wirklich sympathisch und was mich am meisten nervte – was den Figuren alles zustößt, da wurde wirklich nicht ein Klischee ausgelassen. Ein Drama jagte das nächste, bis zum unvermeidlichen Schluss, da hab ich wirklich nur noch den Kopf geschüttelt. Zum Teil passierten wirklich schlimme Dinge, die dann lapidar nicht wieder auftauchten. Irving kann ich sowas abnehmen, hier fragte ich mich wirklich oft, ob ich nun nicht einfach aufhöre. Ich habe das Buch danach noch zwei Kollegen mitgegeben, die durchaus einen anderen Geschmack haben als ich und beide brachten mir das Buch nach zehn bzw. zwanzig Seiten wieder. Ich kann einem Buch so manches sprachliche Details verzeihen, wenn es mich gut unterhält. Oder die ein oder andere Länge, wenn es mich durch Wortwahl und Satzbau anspricht. Für mich – Fehlgriff, Fehlgriff.
Überlebensgroß – Mark Watson
Das Buch konnte mich von vorne bis hinten nicht überzeugen – was schade ist. Obwohl große Namen es auf der Rückseite lobten, so kam es bei mir doch zu gewollt, zu angestrengt herüber. Es ist wenigen gegeben, die Dramen des Lebens mit einer gewissen Leichtfüßigkeit beschreiben zu können – und wenn man es nicht kann, endet es eher in Tragikkomik… denn manches kann man nicht locker-leicht beschreiben, ohne dass man das Gefühl bekommt, der Autor nehme seine Figuren nicht ernst. Hier erschienen mir die Probleme zu hausgemacht, ich konnte mich mit niemandem richtig anfreunden und auch wenn ein paar Dinge es immer so rausrissen, dass ich es zuende gelesen habe – so richtig Freude hatte ich nicht daran. Und obwohl ich oftmals mit Christine Westermann übereinstimme – diesmal leider nicht.
Germán Kratochwil – Scherbengericht
Dieses Buch stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2012. Titel und Cover machten mich neugierig, also kam es in meine Auswahl der Bücher, die ich von der Longlist lesen würde. Im Gedächtnis blieb mir: eine gut erzählte, solide Familiengeschichte, in der jeder für sich alleine kämpft. Einige Episoden gefielen mir sehr, durch einige musste ich mich ein wenig durchbeissen, auch weil die handelnde Person mir nicht immer sympathisch war. Wenn ich ein Wort für das Buch finden müsste, wäre es wohl „grundsolide“ – das Fundament war da, die Bauträger an der richtigen Stelle, Fenster und Türen – und doch hatte mir zum Schluss ein wenig das Leben im „Haus“ gefehlt.
Ganz normale Helden – Anthony McCarten
Seit einigen Jahren gehört McCarten zu den Autoren, deren Bücher ich (auch wenn sie durchaus schwankend sind) mit Spannung erwarte. Unvergessen bleibt für mich „Englischer Harem“, für viele andere wird es „Superhero“ gewesen sein. Mit diesem Roman knüpft McCarten an die Geschichte nach Superhero an. Allein schon dafür gebührt ihm Respekt, denn Fortsetzungen im Generellen sind schon eine schwierige Geschichte, noch schwieriger wird es allerdings, wenn im vorigen Roman die eigentliche Hauptfigur verstirbt. Und doch: er hat es geschafft, das Buch kann sowohl als eigenständiges Werk stehen, aber auch als (sehr gute) Fortsetzung verstanden werden. Und er hat getan, was so mancher vergisst: was passiert nach dem „Ende“? Und wo stehen die Figuren, die vielleicht vorher an den Rand gedrängt wurden, aufgrund der erdrückenden Ereignisse. Für mich hat auch der Teil, der den neuen Medien, virtuellen Welten gewidmet ist, ganz großen Reiz, sind mir doch virtuelle Kontakte nicht fremd und auch die Spielwelten durch meinen Mann sehr vertraut. Ich könnte mir vorstellen, dass es ein Manko ist für jemanden, der sich nicht groß für die Materie interessiert, deshalb ist es auch etwas speziell, dieses Buch zu empfehlen. Und doch: ich empfehle es mit Freuden!
Gefährliche Kaninchen – Kirsten John
Familientausch der ganz anderen Sorte. Ein ganz entzückendes Kinderbuch, mit leisen, ernsten Tönen, in dem sich zwei Freunde finden, die jeweils das Leben des anderen bewundern – bis sie versuchsweise mal die Familien tauschen. Aber vielleicht lässt sich ja doch das eine oder andere daran ändern – oder?
Glückskind – Steven Uhly
Wo soll ich beginnen, wo enden? An diesem Buch ist einfach rundherum alles besonders! Fangen wir ausnahmsweise mal mit der Gestaltung an. Das Buch liegt weich in der Hand, der rote Umschlag wirkt als ob das Papier handgeschöpft sei – edel und fragil zugleich, er fällt auf. Auch das Innere ist mit soviel Liebe und Sorgfalt gestaltet – man blättert durch die ersten drei Seiten und hat das Gefühl, der Verlag hat dem Buch extra schöne Kleider angezogen um dem großartigen Inhalt gerecht zu werden. Allein damit hatte mich „Glückskind“ schon für sich eingenommen. Und das Buch war – so, so schön!
Es war an einem grauen Oktobertag ein echter Lichtblick, ein Buch voller Hoffnung, ein Buch in dem Dinge möglich werden. Obwohl die Thematik, Hans D. findet in einer Mülltonne ein ausgesetztes Baby, nun nicht gerade eine heitere Handlung verspricht und es auch keinerlei Wunder oder fantastische Elemente enthält. Aber was dieser Fund im Leben von Hans ins Rollen bringt, wie er reflektiert, sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt, sich des Kindes annimmt und dabei von unerwarteter Seite Hilfe bekommt – das liest sich so besonders, so berührend, ich finde es schwer, dafür Worte zu finden. Uhly bedient sich einer ruhigen, gesetzten Sprache, hier finden sich keine blumigen Beschreibungen. Hier findet sich Leben. Geliebt werden. Und ein Neuanfang.
Ich bin sehr begeistert und das Buch verdient definitiv noch sehr viele Leser!
Lieber Osama – Chris Cleave
Eigentlich fällt mir hier seit dem Lesen nur ein treffendes Wort ein: Heftig. Heftig, heftig, heftig. Hier kommt wirklich einiges an Leid, Dreck, Elend zusammen. Hier wird geflucht, verflucht, eine Frau verliert ihre Familie und fast auch sich selbst. Der Brief, den sie an den „Verursacher“ des Anschlags schreibt, hat sich gewaschen … tue mich sehr schwer: wem möchte ich so ein Buch empfehlen? Wer hält das durch und aus? Auch die Sprache ist nicht gerade „gediegen“ – sie scheint mir authentisch, ist aber auch nichts zum lockeren Weglesen. Aber andererseits: es ist schon eine Kunst, so über eine Tragödie zu schreiben…
Madita – Astrid Lindgren
Von Madita hatte ich als Kind nur ein oder zwei Bilderbücher, so dass ich mir vor Jahren eine schöne gebundene Ausgabe von Oetinger zulegte, mit allen Geschichten – jetzt war die Zeit dafür. Lindgren ist einfach ein Ausnahmephänomen, ich mag sovieles von ihr – und auch dieses Buch mochte ich. Allerdings muss ich sagen, nicht ganz so gerne, wie zum Beispiel Pippi Langstrumpf oder auch Ferien auf Saltkrokan (was ich ja ebenso erst später entdeckte). Ein bisschen verwöhnt fand ich Madita dann doch, dass konnte ich nicht überlesen. Trotzdem, es ist Meckern auf hohem Niveau ;-)
abends um 10 – Kate di Goldi
Was gibt es für einen Grund, ein trauriges Buch unbedingt lesen zu wollen, obwohl man ahnt, dass es einen traurig und leicht melancholisch zurücklassen wird? Meist ist es die Empfehlung einer Buchfreundin und so war es auch hier wieder der Fall – es war Christine von Lesemomente . Zum Lesen gab sie mir den Ratschlag „Lies „abends um 10“ bitte nur wenn du in passender Stimmung bist (ruhig, bereit für viel Atmosphäre und etwas nachdenklich vielleicht)“.
Diesen Ratschlag kann ich nur genauso weitergeben. Ein besonderes Buch, eines, das nicht unbedingt geradlinig verläuft, es fordert den Leser, setzt ihn einer Situation aus, die ich bisher noch nie in einem Buch vorgefunden habe. Und all das wird so sensibel und liebevoll erzählt, dass man die Figuren am Schluss ganz schwer loslassen kann. Und vielleicht die eine oder andere Träne rollt. Danke Christinchen! ?