Ein plötzlicher Todesfall – J.K. Rowling

Mit Spannung habe ich die neue Rowling erwartet – wie soviele andere auch. Abschliessend kann ich sagen: ich war lange nicht so enttäuscht, wie ich (laut diversen Zeitungen) hätte sein müssen, leider aber auch nicht so begeistert, wie ich hätte sein können. Rowling hat einen großen Gesellschaftsroman geschrieben und sie hat sich damit freigeschwommen, indem sie alles hineingepackt hat: sie provoziert und ist unheimlich plakativ das kann einem schnell zuviel werden. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht, Schicht um Schicht die Personen des Dorfes zu enthüllen, Rowling tut ihren Helden ganz schön was an… das Buch hat definitiv einige Längen, zieht zur Mitte hin aber nochmals an und der Schluss ist heftig und liess meine Gesamtwertung nochmals steigen. Einige Figuren und Szenerien sind ihr unheimlich gut gelungen, da ziehe ich den Hut vor ihr. Ich freue mich auf ihr nächstes Buch, weil dieses sich dann nicht mehr so stark „abgrenzen“ muss von Harry Potter – und dann wohl ziemlich sicher meinen Geschmack treffen wird.

Ich nannte ihn Krawatte – Milena Michiko Flašar

Hat mir sehr, sehr gut gefallen. Ich hatte Gänsehaut, Tränen in den Augen – hier gehts um alles. Um das Leben, ums Überleben, mich hat es sehr berührt. Die Autorin malt in einer ganz unaufgeregten und doch poetischen Sprache so große Bilder. Hier treffen sich zwei Menschen, die der Gesellschaft verloren gegangen sind – im gemeinsamen Dialog finden die beiden ein wenig Halt im anderen und vielleicht auch ein wenig Weisheit. Dieses Buch ist so tieftraurig und auf der anderen Seite von so fragiler Schönheit… dieses Buch hat mich verändert und es wird auch andere Leser verändern, da bin ich mir sicher.

Fliehkräfte – Stephan Thome

Das Buch hat mich fast das ganze Jahr 2012 begleitet – zunächst als Leseexemplar im Frühjahr und wachsender Freude beim Lesen, dann, als die Kollegen es alle nacheinander lasen und aus den unterschiedlichsten Gründen begeistert waren, als wir es bei unseren Lieblingsbüchern vorstellten, als die Nominierung für den Deutschen Buchpreis kam und die Shortlist. Erschienen bei Suhrkamp, toll erzählt und gut zu lesen, eine Geschichte, die viele unterschiedliche Menschen ansprechen kann und es auch tat. Thome ist ein Glücksfall – er schreibt literarisch und doch nicht zu abgehoben, seine Figuren wirken so lebensnah und es bleibt schlicht zu sagen: das Buch lohnt sich einfach sehr!

Die Shakespeare-Schwestern – Eleanor Brown

(Lesekreis): Also – bisher gefällt es mir wirklich gut. Für mich verbucht das Buch einiges an Pluspunkten: ein kleiner, aber für mich immer spannender, dass es mal in einem ganz anderen Bundesstaat spielt – so gerne ich auch von NYC oder San Francisco lese, freue ich mich doch immer, mal etwas neues zu erkunden. Auch der Wechsel zwischen einer gewissen Flapsigkeit und wieder ernsthafteren Passagen, die die Familienbeziehungen durchleuchten, ist bisher gut gelungen. Dann natürlich der Vater und seine Shakespeare-Zitate, das ist einfach eine schön-schrullige Idee, die sich ja durch den ganzen Roman zieht. Und als eine Tochter und vorallem als Geschwisterkind, deren andere Geschwister und ich jeweils auch Namen im „Zusammenhang“ erhalten haben, kann ich auch das sehr gut nachvollziehen ;-).

Was mich ein wenig irritiert, jetzt nichtmal negativ, ist die Erzählstimme. Es ist ja eindeutig innerhalb der Schwestern, aber keine spezielle. Das finde ich etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch nicht schlimm. Ansonsten lässt es sich einfach angenehm lesen, ich bin sehr gespannt auf die weiteren Entwicklungen und ob das Buch weiter so gemächlich voranschreitet und es einen großen Showdown gibt…oder es jetzt etwas an Schlagzahl aufnimmt. Ergo: es kam kein großer Sturm mehr auf, trotzdem liess es sich sehr nett lesen und geht als unterhaltsame Sommerlektüre durch.

Shopaholic & Baby – Sophie Kinsella

Je weiter die Reihe voranschreitet, desto weniger muss ich dazu schreiben ;-) Ich poliere damit mein Englisch auf und schmunzle über den Einfallsreichtum der Autorin was Fettnäpfchen angeht. Insgesamt war ich hier ein wenig gedämpfter Stimmung, mag sein, weil so langsam das Ende der Fahnenstange erreicht ist oder der Band mich einfach nicht so angesprochen hat wie die vorherigen. Trotzdem werde ich den letzten Band auch noch lesen, die Reihe wird abgeschlossen.

Unser Haus am Meer – Polly Horvath

Ich habe eine Schwäche für Kinderbücher, die skurril daherkommen. Als ich bei der wunderbaren Ada Mitsou dann von diesem Buch las, war klar: musste auch haben. Und ich bin sicher noch eine ganze Weile dankbar für diesen Tipp: das Buch hat soviel Herz, schräge Figuren und eine große Portion Witz und die ein oder andere wirklich ungewöhnliche Szene. Klasse! Und beim Schreiben sehe ich gerade, dass sie bereits den zweiten Band rezensiert hat und genauso begeistert war…na…der kommt dann wohl auch bald zu mir ;-)

Wieviel Leben passt in eine Tüte? – Donna Freitas

Ein sensibel erzähltes Jugendbuch über das Leben einer Familie nach dem Verlust der Mutter – mit der wunderschönen Idee eines Survival-Kits, welches die Mutter vor ihrem Tod für die Tochter anfertigt – wohlwissend, dass ihr Kind diesen Anker brauchen wird. Die Gegenstände darin geben Rose zunächst Rätsel auf, aber mit jedem Tag ohne ihre Mutter ergeben sie nach und nach Sinn. An einigen Stellen wurde mir der Unterschied der Kulturen sehr bewusst, da gibt es schon einige Unterschiede zwischen den USA und Deutschland. Der Tod und der Umgang damit kennt keine Regeln und so ist es für mich in Ordnung, das Freitas ihren Figuren ganz unterschiedliche Arten der Trauer mitgibt, die vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar sind.

Blutsverdacht – Marie-Aude Murail

Die französische Autorin, die ich seit „Simpel“ sehr schätze, hat hier einen Jugendkrimi geschrieben. Und der hat alles, was es braucht: eine spannende Hintergrundgeschichte, Gänsehaut-Momente, die große Frage, wem man eigentlich trauen kann und ob die jahrelang für bare Münze gehaltenen Familiengeschichten einer Internetrecherche standhalten können… Spannend bis zur letzten Seite und der Fall durchaus nicht unknifflig – tolle Krimi-Empfehlung für Jugendliche!

Jetzt – Morris Gleitzman

Nachdem ich zu den beiden Vorgängerbänden soviel schrieb, weil sie mich dermaßen beeindruckt haben, war ich ein wenig erstaunt, das dieser dritte Band in der Jetzt-Zeit spielen sollte, noch dazu weder in Deutschland, noch in Polen, sondern in Australien. Das tut meiner Begeisterung aber keinen Abbruch, im Gegenteil: Felix ist erwachsen geworden, er hat sich in Australien ein neues Leben aufgebaut. Gleitzman schafft es, Erinnerungen und die prägenden Erlebnisse in Felix‘ Leben mit den heutigen Ereignissen in Australien (Stichwort Buschfeuer) in Verbindung zu bringen – und mit den Sorgen und Nöten seiner Enkelin, die Zelda heisst…damit hat er für mich nicht nur einen überzeugenden Bogen geschlagen und eine ungewöhnliche Perspektive eingenommen sondern mich auch nochmal mehr sensibilisiert, für alles, was heute noch und wieder passiert. Also: gehört definitiv auch in eine Liga mit „Einmal“ und „Dann“.