Zwei uralte Damen, die nicht besonders gut Auto fahren. Ein Wald voller Beeren und Bären. Skurrile Figuren, ein junges Mädchen, unangenehme Eltern. Eigentlich ist das ganze Buch vollgestopft mit seltsam anmutenden Ereignissen, die nicht zusammenpassen – und doch habe ich es mit großer Begeisterung gelesen, weil es so herrlich anders ist, sich so wohltuend abhebt von vielem anderem auf dem Kinderbuchmarkt. Weil hier zwar schlimme Dinge passieren, überzeichnet wird – aber trotz allem einfach durchdringt – Du kannst viel erleben und überstehen, wenn Du an Dich glaubst und über Dich hinauswächst. Ich fands einfach nur richtig klasse und habe schon Nachschub bestellt…
Schlagwort: Familie
Alles voller Hoffnung – Renate Dorrestein
Igor wird von seiner Großmutter Nettie großgezogen, nachdem seine eigene Mutter, als er fünf Jahre alt ist, das Sorgerecht an die Großmutter verliert. Und Igor ist anders – er ist geistig behindert. Als Igor in einer Werkstatt anfängt und sich verliebt, scheint sich alles zum Guten zu wenden…zunächst! Dorrestein hat hier ein, ja, leider muss man es so sagen, heute immer noch „Tabu-Thema“ angesprochen – und daraus einen bewegenden Roman gemacht. Ich habe dazu einen persönlichen Bezug und kann nur für mich sprechen: ich finde sie hat sich der Thematik gut und sehr sensibel angenähert und der Titel passt (weniger das Cover – das verwirrt mich immernoch…). Eine besondere kleine Familie, mit zwei starken Charakteren. Ich würde durchaus noch mehr von ihr lesen.
Zerbrechlich – Jodi Picoult
Endlich wieder eine Picoult die mich mehr überzeugt hat. Süffige Geschichte, stimmige Figuren, Drama, Moral und insgesamt fügte sich alles zu einem runden Ganzen zusammen. Zuletzt hatten mich einige Bücher von ihr eher enttäuscht, vorallem weil sehr viele Themen auf einen Schlag behandelt wurden und damit etwas kurz kamen, dass war hier nicht der Fall. So gefällt mir Picoult wieder richtig gut und dieser Roman wurde schnell verschlungen.
Eddies Bastard – William Kowalski
Fühlte mich gut unterhalten, spannendes Familiengeheimnis mit interessanten Details. Gerade zu Anfang flogen die Seiten nur so dahin. Ein wenig flachte es zum Ende hin ab, das mag aber den Geschehnissen geschuldet sein. Seitdem ich weiss, es gibt eine Fortsetzung, denke ich, dort werden auch noch einige offene Fragen geklärt. Angenehm zu lesender Schmöker für den Urlaub.
Ismael Trilogie – Michael Gerad Bauer
Achtung, es folgt ein Begeisterungssturm! Diese wunderbare Trilogie hat mich wieder daran glauben lassen, dass es einfach wunderbare Jugendbücher (die gerade Jungs gerne lesen werden!) gibt. Die Bücher strotzen nur so vor Humor, ich habe gegrinst, lauthals gelacht, geschmunzelt – die ganze Palette vergnügten Lesens! Die Figuren rund um Ismael Leseur wachsen einem so ans Herz und begleiten den Leser zum Glück durch die ganzen drei Bände.
Was macht das Spezielle dieser Bücher aus? Ich würde sagen: der Autor hatte richtig viel Spaß am Schreiben gehabt, das spürt man in jedem Satz. Noch dazu verliert er über alle drei Bände nicht das Besondere, es wurde eher noch besser, weil man mit allen mitfieberte und die Eigenheiten der Agierenden schon kannte. Wer einen leseunwilligen Teenager zuhause hat – zugreifen. Wer sich mal wieder richtig amüsieren will – zugreifen. Wer gerne gut geschriebene, noch dazu die großen Themen betreffende Jugendliteratur lesen will – zugreifen. Ach, was sag ich: einfach bitte alle zugreifen, kaufen, lesen!
Nenn mich nicht Ismael / Ismael und der Auftritt der Seekühe / Ismael: Bereit sein ist alles
Manuela Reichart – Zehn Minuten und ein ganzes Leben
Eine interessante Idee, ein ganzes Leben in kurzen, fast schon bruchstückhaften Episoden zu erzählen. Es ist ein kleines schmales Buch und die meisten Geschichten dieses einen Lebens entfalten sich zwischen den Zeilen. Manchmal ist auch weniger mehr, hier ist es gut gelungen.
Muttergefühle. Gesamtausgabe – Rike Drust
Im allgemeinen sind Mutterberichte ja etwas äusserst subjektives. Das eigene Leben und Erleben wird wohl niemals eines dieser Bücher in seinen Beschreibungen zu 100% treffen. Trotzdem, es gibt Unterschiede – und Rike Drust schneidet bei mir gut ab. Oftmals fühlte ich mich verstanden, hatte ich ähnliches erlebt und gerade ihre Einstellung zum Arbeiten mit Kind fand ich spannend (ein Thema, welches noch nicht allzuoft beackert wurde – leider!). Manchmal war sie mir fast ein wenig zu rotzig-trotzig, aber ein wenig provozieren will ein solches Buch ja auch. Gute Lektüre, wenn man gerade viel zu wenig Schlaf abbekommt, der Haushalt überhand nimmt und man sich einfach mal ein wenig in elterlicher Solidarität wiegen möchte.
Florentine oder wie man ein Schwein in den Fahrstuhl kriegt – Jutta Wilke
Dieses Kinderbuch ist einfach durch und durch charmant geschrieben – ich habe es mit einem Lächeln im Gesicht gelesen und bei einigen Szenen konnte ich das Lachen auch nicht mehr unterdrücken. Wie aus einer kleinen Idee (Schwein im Fahrstuhl) ein so liebevoll gestaltetes Kinderbuch entsteht, das erfreut mein Leserherz. Florentine ist einfach ein tolles Schwein und ganz nebenbei erzählt Jutta Wilke hier nicht nur eine spannende Geschichte, sondern räumt noch gehörig auf, mit Vorurteilen und Klischees. Klasse!
Das Hotel New Hampshire – John Irving
Wie immer nach einem Irving bin ich ziemlich platt. Man muss ihn bewundern, für sein Fabulieren, seine Fantasie, seine schrägen und doch so glaubhaften Charaktere…und diese Fähigkeit, seitenweise genauestens alles auseinanderzuklamüsern, um einem dann in 3 lapidaren Nebensätzen eine Bombe vorzusetzen. Und es ist so schräg und dermaßen überzeichnet – ich schwanke immer zwischen Lachen und Entsetzen. Und er hat die Fähigkeit, mir eine Geschichte zu erzählen die ich nach einer kurzen Inhaltsangabe nie lesen würde, und die mich doch nicht loslässt. Wahnsinn. Einfach verrückt der Mann, aber in guter Weise. Wobei ich sagen muss, seine späteren Werke wirken dann doch angepasster und „Letzte Nacht in Twisted River“ war auch unheimlich abgedreht, hat mir aber supergut gefallen.
Das Ende der Unschuld – Megan Abbott
Meisterhaft eingefangen hat die Autorin dieses flirrende Gefühl, 13 Jahre alt zu sein – die Welt zu entdecken, die Risse in anderen Menschen, das eigene Gefühlsleben, den Empfindungen nachzuspüren und all das während eines nicht enden wollenden Sommers. Aber daneben stößt sie auch in ziemliche Untiefen des menschlichen Seins vor. Die Hälfte der Leszeit über fühlte ich mich unwohl beim Lesen, war bestürzt aufgrund der Ereignisse und Verdächtigungen. Ich tat mich sehr schwer damit, diesen Leseeindruck zu schreiben und habe ihn mehrfach umgeschrieben – denn trotz der heftigen Geschehnisse ist hier ein gutes Buch geschrieben worden.