Hand aufs Herz – Anthony McCarten

Erscheint im September 2009!

Es klingt ein bisschen, ja gradezu seltsam, das Geschehen in McCartens neuem Roman. Aber dieser Autor scheint ja eine Vorliebe für ungewöhnliche Ereignisse zu haben. Ich jedenfalls liebe ihn dafür! In diesem Fall gibt es ein Auto zu gewinnen: wenn man nur lange genug die Hand darauf hält, ohne loszulassen. Das klingt schräg? Ist es auch! Und es zieht einen Haufen Menschen an, junge, alte, ehemalige Soldaten, Verlierer, reiche Yuppies und mehr. Für viele ist es Spaß oder Herausforderung – für einige Teilnehmer steht aber noch viel mehr auf dem Spiel. Wer wird gewinnen? Wer hätte es moralisch verdient, zu gewinnen? Hier wird wieder ein Geflecht gesponnen aus interessanten Figuren, einer temporeichen Handlung und vielen aufgeworfenen Fragen – und das ganze gleitet trotz Witz und Sarkasmus nicht in Slapstick ab! Diogenes hat mit diesem Autor einen echten Glückstreffer gelandet – weiter so!

Wie ein Wanderer in mondloser Nacht – Dai Sijie

Erscheint im August 2009!
Nachdem ich ja von „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ so überaus begeistert war, habe ich mich voller Vorfreude auf das Leseexemplar vom neuen Sijie gestürzt! Die Verlagsvertreterin warnte mich etwas vor, die ersten 60 Seiten wären ein wenig holprig, aber das würde sich dann geben. Es ist schwierig dieses Buch zu fassen: es hat wundervolle, sehr intensive Passagen, es ist sehr speziell, es taucht tief ein in eine Kultur und deren Künste und Eigenheiten, die mir als Westler sehr fremd sind. Und immer wieder – diese Sprache! So kunstvoll und schön. Was es für mich trotzdem schwierig machte, sind viele Geschichten innerhalb der Geschichte, viele, viele Namen, zuwenig von der (durchaus toll konstruierten) Handlung. Diese spielt zwischen einer französischen Studentin und einem chinesischen Gemüsehändler, die eine gemeinsame Suche verbindet…Manchmal musste ich mir einen kleinen Ruck geben, um weiterzulesen. Ein nicht so leichtes Buch und trotzdem bin ich froh, es gelesen zu haben – denn die kleinen Perlen innerhalb es Buches machen es lesenswert. Dazu ein wunderschöner Titel, eine tolle Gestaltung von Piper….bei Büchern gibt es eben nicht nur Gut oder Schlecht. Trotzdem reicht es einfach nicht an „Balzac…“ heran, was mich sehr begeistert hatte.

Tote Mädchen lügen nicht – Jay Asher

Dieses Leseexemplar fand ich schon in der Verlagsvorschau spannend. Hannah begeht Selbstmord und nach ihrem Ableben tauchen 7 Kassetten, in einem Schuhkarton verpackt bei ehemaligen Schulkameraden die mit ihr zu tun hatten auf. Allerdings hatten sie wohl nicht nur das…Hannah beschuldigt jeden einzelnen, Mitschuld an ihrem Tod zu haben. Die Idee allein ist sehr packend, der Ich-Erzähler Clay hört sich die Kassetten nach und nach an, vermischt die Stimme auf dem Band mit seinen Erinnerungen…ein tolles Jugendbuch, auch für eher-wenig-Leser. Einen kleinen Abzug gebe ich für die Sichtweise Hannahs, die ich zum Teil nicht nachvollziehen kann, das mag an den etwas anderen Werten in den U.S.A liegen. Das Ende hingegen fand ich im Gegensatz zu einigen anderen Lesern sehr gut & passend.

Der letzte Agent – Jaques Berndorf

Man merkt, Siggi Baumeister und seine Katze Krümel lassen mich absolut nicht los. In diesem Buch wird „Tante Anni“ vorgestellt, die wohl später noch mal eine größere Rolle spielen wird. Soso. Der Titel verrät es schon – Agenten-Krimi!. Da ich ein 86′ Jahrgang bin, musste ich mich ein bisschen in die politischen Gegebenheiten Anfang der 90′ Jahre reindenken, aber sobald das geschafft war – ein toller Krimi! Sehr undurchsichtig, ein überraschendes Ende und unterschiedlichste Ansätze, die das ganze würzen – ab und an etwas holprig, was ich aber eigentlich gerne verzeihe. Ich wiederhole mich aber – klasse Unterhaltung. Berndorf macht einfach Spaß!

Eine Reise nach Genf – Jaques Berndorf

Hier handelt es sich um einen „Siggi Baumeister“ auf Abwegen, der Fall spielt also nicht in der Eifel. Wie sich schon erahnen läßt, spielt dieser zu Großteilen in Genf und Umgebung. Ein bisschen schade ist es natürlich um das Eifel-Flair, andererseits ergibt es auch andere Facetten von Baumeister und man versteht nur noch besser, was ihn eigentlich in die Eifel zieht. Der Fall an sich ist spannend, politisch und mitunter nicht grade ungefährlich für Baumeister. Nicht der beste aber innerhalb der Reihe wieder toll! Ich denke ich würde zunächst die Reihe lesen und dann die „Auf Abwegen“ nachschieben…das geht ganz gut.

Eifel-Blues – Jaques Berndorf

So, um chronologisch korrekt zu bleiben, habe ich mir den ersten Eifel-Krimi besorgt. Was soll ich sagen? Katze Krümel kommt oft vor, wir lernen Siggi Baumeister und seine etwas anderen Arbeitsmethoden kennen (und schließen seine schnoddrige Art sofort ins Herz) und der Fall war auch schön undurchsichtig und spannend. Genau solche Krimis mag ich! Ungewöhnlich, witzig, toll zu lesen! Ich freue mich schon auf die nächsten…

Ein Apfel ist ein komischer Pfirsich – Cynthia Lord

Catherine hat ein Regelbuch. Dort sammelt sie alle Regeln, die ihr kleiner Bruder David nicht behalten kann. David ist autistisch und solche Dinge wie „Hosen anlassen“ „Kein Spielzeug ins Aquarium“ „Nicht alles was man denkt, muss man sagen“ sind für ihn schwer zu merken, Pünktlichkeit hingegen ist fast überlebenswichtig. Catherine liebt ihren Bruder, fühlt sich aber wie sein Schatten und nicht wahrgenommen. Als sie im Therapiezentrum Jason kennenlernt und seine spezielle Art der Kommunikation, lernt Catherine nicht nur, was Freundschaft ist, sondern auch sehr viel über sich selbst und ihre Familie.

Ein ganz tolles Jugendbuch über das „Anders-Sein“, das „Akzeptiert-Werden“ in Gesellschaft, über Ausdruck – sehr sensibel erzählt, ohne jeglichen moralischen Zeigefinger! Dieses Buch möchte ich meinen Kindern gerne vorlesen!

Ich bin dann mal weg – Hape Kerkeling

Über dieses Buch ist bereits viel geschrieben worden. Ich habe es in der Weihnachtszeit täglich zig mal über den Ladentisch geschoben. Nun wollte ich es endlich auch selbst lesen… Was für mich heraus stach war weniger der Aspekt des Pilgerns, noch die Beschäftigung mit Religion (obwohl ich die auch nicht erwartet hätte und sehr angenehm überrascht war). Für mich war es: Freundschaft. Sowohl mit sich selbst als auch mit den anderen, die diesen Weg gepilgert sind. Die meisten pilgern wohl um zu Gott zu finden. Wenn man der Meinung ist, das Gott auch in einem selbst ruht, dann muss man Freundschaft mit sich selbst schließen um Gott zu treffen. Das muss passieren,  bevor man mit anderen gute Beziehungen anfangen kann. Dort hat Hape Kerkeling einen Nerv getroffen, den hoffentlich noch viele andere herauslesen. Das Buch war ehrlich. Das imponiert mir gerade in der heutigen Zeit sehr.
Ein tolles Erzähltalent, ein gut geschriebener Bericht, Zeugnis eines Menschen, der losgegangen ist. Und last but noch least – ich habe sehr geschmunzelt und lief ein kleines Stück weit mit.
Ein tolles Buch!

Irisches Tagebuch – Heinrich Böll

Die verlorene Ehre der Katharina Blum gefiel mir ja in der Schule wirklich. Klar, hart &  gut. Irland ist ein wunderbares Stück Erde, die Beschreibungen von Böll treffen meiner Meinung nach zum Teil auch wunderbar den Alltag zu dieser Zeit, kleine skurrile Ereignisse die nur dieses Land zutage bringt. Trotzdem hatte ich mit einigen Abschweifungen, Verschachtelungen zu kämpfen, manches erschien mir doch recht wahllos aneinander gereiht. Wer sich für das Irland dieser Zeit interessiert und sich nicht an diesem Episoden/Tagebuch-Stil stört, für den ist es ein schönes, kleines Buch. Ich würde ihm eine 3 geben – nicht schlecht aber für mich auch nicht herausragend.

Englischer Harem – Anthony McCarten

Oft kommt die Anfrage: Ich brauche was zu lesen. Es soll Witz haben, gut erzählt und spannend sein. Aber nicht zu seicht, nicht zu hohe Literatur – eine packende Geschichte mit ungewöhnlichem Thema. Ab heute kann ich all diesen Menschen dieses Buch nur ans Herz legen.Ich habe einen herrlichen Urlaubstag damit verbracht und finde es richtig, richtig toll!

Wie der Titel schon andeutet, geht es in dieser Geschichte durchaus um einen Mann und seine 3 Frauen. Allerdings ist in diesem Roman auch nichts wie es scheint – McCarten spielt mit den Klischees und den Erwartungen des Lesers, packt seine Gesellschaftskritik in schön gestaltete Szenen und auf 582 Seiten kommt kein bisschen Langeweile auf. Als Tracy Pringle, 20 Jahre und Supermarktkassiererin ihren Eltern verkündet das sie heiraten wird, sind diese entsetzt. Als sie mitbekommen das der Auserwählte Perser ist und bereits 2 Frauen hat – Schock! Aber das ist nur der Anfang dieses grandios erzählten Romans der einen in seinen Bann zieht – mit sehr viel Witz, Weisheit, einem Aufruf für Toleranz…McCarten gelingt es sehr authentisch, die verschiedenen Kulturen zu mischen und sie zu Wort kommen zu lassen – kein erhobener Zeigefinger, wohl aber ein kluges Hinterfragen der eigenen, doch allzu oft festgezurrten Meinung. Gespickt mit vielen absolut tollen Sätzen, die mich beeindruckt haben!

„Was ist denn Schlimmes daran, wenn manch einer mit dem Leben einen Kompromiss schließt? Wer hat ein Recht zu urteilen, wenn er nichts weiß über das Wie, Warum und Wozu? Das habe ich in meinem Leben gelernt – nach ein oder zwei Schiffbrüchen, da hält man sich an jedem Stück Treibgut fest, nur um zu überleben.“