Ein brillanter Roman! Magnusson verwebt kunstvoll das Leben dreier Personen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Da wäre der Schriftsteller Henry aus Chicago, seine Übersetzerin Meike aus dem Norden Deutschlands und der deutsche Banker Jasper. Zunächst haben die 3 Figuren keinerlei Anknüpfungspunkte – bis Henry spurlos verschwindet, Meike ihm aus einer fixen Idee und Geldmangel in Chicago nachstellt und beide aus unterschiedlichen Gründen auf Jasper treffen. Was daran so brilliant ist? Kein Erzählstrang ist langweilig, die Verknüpfungen kunstvoll und trotzdem sehr natürlich – man denkt nur „Ja, genau so musste das passieren“. Die Abwärtsschleife, der Strudel der Ereignisse in die alle 3 verwickelt werden ist einfach so toll zu lesen, das man richtig in einen Rausch gerät – und der Autor hält das Tempo konstant durch! Keine Minute langweilig oder anstrengend, eine verdammt gute, kurzweilig erzählte Geschichte – eine der Empfehlungen für dieses Frühjahr!
Autor: Sarah
Über kurz oder lang – Marie-Aude Murail
Ein wunderbares Buch von der Autorin von „Simpel“. Französisch, auf ganz eigene Art bezaubernd…ich habe nichts anderes erwartet. Louis macht, eher durch Zufall, ein Praktikum im Salon Marielou – einem Friseursalon. Was anfangs für die Eltern eine fixe Idee und Aufreger ist und auch für Louis eher seltsam, entwickelt eine ganz eigene Dynamik. Was ich an Murail so liebe, ist das sie ihren Figuren soviel Liebe entgegenbringt. Sie zeichnet die kleinen, menschlichen Eigenarten so genau nach, das ich das Gefühl habe, selbst im Salon zu sitzen und zu sehen, wie Louis die Haare zusammenfegt und sein Seelenleben liegt vor mir. Wie dieser Jugendliche seinen ganz eigenen, ungewöhnlichen Weg findet, das ist mehr als lesenswert und dürfte gerne Schullektüre werden…
Erscheint im März 2010!
Die Maschen der Frauen – Kate Jacobs
Der Titel ist leider selten dämlich übersetzt das Original „The Friday Night Knitting Club“ spricht mich doch viel mehr an…. Ein echtes Wohlfühl-Sonntags-auf-dem-Sofa-Buch mit tollen Figuren, die zwar teilweise etwas schemenhaft bleiben, aber das tut dem keinen Abbruch. Lässt sich super lesen, hat Herzenswärme und macht total Lust auf Stricken :-D. Und hat mich durch alle Gefühlslagen einmal durchgeschleust von Lachen zu Weinen, diese Geschichte von Georgia Walker, Besitzerin eines Strickladens und ihrer Tochter, die sie alleine großzieht…. Ich finde, sowas braucht es zwischendurch einfach mal! Von aussen hätte ich das dem Buch wirklich nicht zugetraut…Daumen hoch!
Schön machts nicht, aber glücklich – Leonie Jakobs
Das Buch trägt den Untertitel „Ein ehrlicher Schwangerschaftsroman“. Und diesen Untertitel trägt das Buch zurecht. So einiges habe ich in letzter Zeit angesehen, angelesen und eher genervt wieder weggelegt…Dieses Buch hingegen hatte ich innerhalb eines vergnüglichen Nachmittages durch und dachte nur: So isses! Sehr angenehm und mit Leichtigkeit geschrieben, nicht belanglos, sondern mit allem, was eine schwangere Frau so umtreibt. Ausserdem hat Jakobs mich einige Male zum Lachen gebracht und macht den Eindruck, sie könne auch über sich selbst lachen – für mich ein wirklich schöner Einstieg in die Schwangerschaft!
Das Mami-Buch – Katja Kessler
Gut, das fällt etwas aus dem Rahmen meiner üblichen Leserichtung ;-)
Das Mami-Buch ist rosa, kitschig und auch im Innenleben manchmal etwas arg verniedlicht – klar mit viel Liebe gemacht, was man anerkennen kann. Natürlich ist es für eine besondere Zeit gedacht, die auch durchaus für etwas Weichzeichnung taugt, aber mir war es doch „zuviel“ . Sehr schön sind aber die Fotos des Models, das die ganze Schwangerschaft und die ersten 10 Monate lang begleitet wird und einige Kapitel behandeln angenehm die Gefühlswelt einer werdenden Mutter. Insgesamt war ich nicht sehr angetan: Ansonsten war das Buch eher so lala – mir ist klar das es nicht als ernsthafter Ratgeber gedacht ist, aber mir fehlte doch an vielen Ecken mehr Info, detaillierter und weniger blumig. Als Zusatz zu anderen Ratgebern und Geschenk okay, als alleinige Begleitung fehl am Platze. Zudem gab es einige Infos die schlichtweg ziemlicher Blödsinn waren – sehr ärgerlich!
Ich würde es einer schwangeren Freundin nicht ans Herz legen oder schenken…das sagt ja schon einiges aus ;-)
Rot wie die Nacht – Daniel Zahno
Mal wieder ein Buch aus dem Hause weissbooks – ein kleiner, feiner Verlag aus Frankfurt. Hatte Zahno hier mit „Die Geliebte des Gelatiere“ schon großen Erfolg, erwartete man dieses Werk mit Spannung.
Ich musste das Buch einige Tage sacken lassen um einen endgültigen Eindruck zu formulieren. Es liest sich schnell und angenehm und erzählt eine Dreiecksgeschichte, von der man von den ersten Zeilen an ahnt, das sie kein gutes Ende nehmen wird. Zahno verzichtet hier auf ausschweifende Beschreibungen und bringt gerade durch die Knappheit sovieles zwischen den Zeilen zur Sprache. Ich schwanke während des Lesens zwischen der Faszination dieser „verbotenen“ Liebe, dem Verständnis für die Frau zwischen den zwei Männern und der bangen Frage im Hintergrund – kann das alles gut gehen? Für mich eine Erzählung die tief nachwirkt, die vieles anreisst und noch länger nach dem Lesen im inneren nachbrennen lässt…anders als sein Erstling, dennoch nicht weniger faszinierend!
Immer wieder Ghandi – Vikar Swarup
Ich habe auf dieses Buch gewartet. Habe hohe Erwartungen reingesetzt. Hab mich fast nicht getraut anzufangen, vor Angst enttäuscht zu werden. Zum Glück hält mich sowas nicht zu lange ab: den dies ist für mich die Entdeckung des Frühjahrs – bei der ich mich nicht eine Minute gelangweilt habe!
Swarup (bekannt durch „Rupien, Rupien“) beschreibt diesmal die geniale Geschichte rund um den Mord an Vicky Rai – 6 Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, kommen für den Mord in Frage. Jede hat ihre Geschichte, ein mögliches Motiv, ein Alibi, eine Verbindung zum Opfer…nacheinander deckt der Autor für uns die Zusammenhänge auf. Was dieses Buch absolut fantastisch macht ist nicht nur das Feuerwerk an Ideen, Wendungen und Zusammentreffen der Figuren – es ist auch die Lust am Fabulieren, die einen sofort nach Indien katapultiert. Bis zum Schluss habe ich mir immer wieder die Hände gerieben weil ich dachte, NUN hätte ich den Autor durchschaut – aber er hielt mich bis zur letzten Seite gespannt wie einen Flitzebogen!
So etwas tolles habe ich lange nicht gelesen! Absoluter Tipp, hier lohnt das Hardcover zu 100%!
Die Känguru-Chroniken – Marc-Uwe Kling
Nachdem dieses Buch ja dank Jürgen von der Lippe zu einem Überraschungshit wurde, habe ich es mehr zufällig in die Hand genommen, reingelesen und – blieb hängen! Hatte das Buch innerhalb kürzester Zeit durch und die meiste Zeit schallend gelacht – das Känguru ist die perfekte Mischung aus „Hartmut“ (einer Figur von Oliver Uschmann) und dem „Sams“. Ein Känguru mit politischen Ideen und chronischer Pleite als Mitbewohner ist so abwegig, das es schon wieder gut ist! Ich bin sicher, das der Humor einigen absolut nicht gefällt – mir dafür umso mehr ;-)
Geschichte einer Ehe – Andrew Sean Greer
Eine Dreiecksgeschichte der ganz anderen Art, angesiedelt in den USA der 50ger Jahre. Eine sehr dichte Sprache, unheimliche viele Gedanken, Erinnerungen, wunderschöne, traurig-ziehende Beschreibungen über die Ehe, die Liebe, das Leben. Die Geschichte tritt, obwohl sie wirklich von Anfang an Neugier und Spannung erzeugt, oft etwas in den Hintergrund, aufgrund dieser intensiven Beschreibungen, aber da diese so mitreissen, tut das keinen Abbruch. Ein toller Roman über die Liebe, vielleicht grade für diejenigen, die von der großen, perfekten Liebe mal eine Pause brauchen.
Zehn Tipps das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen – Hallgrimur Helgason
Ein Auftragskiller aus New York City findet sich in einem Flugzeug nach Island wieder. In dem verzweifelten Versuch, abzuhauen, bevor die lange Hand derer, die das Sagen haben, ihn erreicht, schlägt er einen Pfarrer nieder und entkommt mit dessen Identität. Was er nicht weiss: Father Friendly soll in Island im Fernsehen auftreten – als Gast in einem geistlichen TV-Format…herrlich schräg, mit wunderbaren Einschüben über das ungewöhnliche Island, vermengt mit den Lebensweisheiten eines Auftragskillers. Ein bisschen abgehoben, ein bisschen zuviel an manchen Stellen aber auch – endlich mal etwas anderes! Mir hats jedenfalls Spaß gemacht.
Erscheint im Februar 2010