Finn reloaded – Oliver Uschmann

Der nächste Teil rund um Finn und seine beiden Kumpel. Ich kann mich nicht entscheiden, welchen Band ich lieber mag: der erste bestach durch seine Frische und die Idee, der zweite punktet damit, dass man diese drei Jungs schon so ins Herz geschlossen hat – und damit, dass er einfach wieder toll ist. Ich bin froh, dass ich die Bücher auch im Laden Stück für Stück an den „Mann“ bringe – sie haben den Erfolg ohne Wenn und Aber verdient!

 

Bugatti taucht auf – Dea Loher

Was mich auch noch nach Monaten an diesem Buch fasziniert, ist eine ganz bestimmte Szene. Und das muss ein Buch erstmal schaffen, sich so im Gedächtnis festzubeissen. Die Geschichte reizt, auch die unterschiedlichen Erzähler und Stilarten schafften es, dass ich sofort gefangen war und dranbleiben wollte. Die Szene um die es mir geht, ist ein Verhör, das literarisch für mich so herausstach, zumindest habe ich noch nie etwas in dieser Art gelesen – es wurde mir fast schwindelig, allem zu folgen, die Raffinesse mit der Erinnerung, Aussage und Beobachtung hier gemischt werden. Allein dafür lohnt sich dieses Buch ganz unbedingt!

Später Frost – Voosen/Danielsson

Wenn ich mal Krimis lese, dann gerne solche, die in Skandinavien beheimatet sind. So dachte ich, hier einen Volltreffer vorzufinden: Schweden, ungewöhnliche Ermittler, spannender Fall. Leider wurde ich ziemlich enttäuscht. Schweden stimmte, die ungewöhnlichen Ermittler waren allerdings so abgefahren (zumindest eine von ihnen), dass ich wirklich nur dachte: im normalen Leben wären solcherlei Methoden garantiert direkt mit Entlassung geahndet worden. Dichterische Freiheit in allen Ehren, auch Wallander hat oftmals seine Kompetenzen überschritten, aber doch nicht in diesem Ausmaße. Noch dazu las es sich manchmal sehr flapsig – hier wurden große Themen, Zeitsprünge und politische Verwicklungen abgehandelt – für meinen Geschmack allerdings zu kurz, das hätte ruhig länger sein können, was dem Buch die benötigte Tiefe verliehen hätte. Der Fall an sich war allerdings recht spannend. Ich bleibe also sehr zwiegespalten, werde aber vermutlich nichts mehr von beiden lesen.

Glückskind – Steven Uhly

Wo soll ich beginnen, wo enden? An diesem Buch ist einfach rundherum alles besonders! Fangen wir ausnahmsweise mal mit der Gestaltung an. Das Buch liegt weich in der Hand, der rote Umschlag wirkt als ob das Papier handgeschöpft sei – edel und fragil zugleich, er fällt auf. Auch das Innere ist mit soviel Liebe und Sorgfalt gestaltet – man blättert durch die ersten drei Seiten und hat das Gefühl, der Verlag hat dem Buch extra schöne Kleider angezogen um dem großartigen Inhalt gerecht zu werden. Allein damit hatte mich „Glückskind“ schon für sich eingenommen. Und das Buch war – so, so schön!

Es war an einem grauen Oktobertag ein echter Lichtblick, ein Buch voller Hoffnung, ein Buch in dem Dinge möglich werden. Obwohl die Thematik, Hans D. findet in einer Mülltonne ein ausgesetztes Baby, nun nicht gerade eine heitere Handlung verspricht und es auch keinerlei Wunder oder fantastische Elemente enthält. Aber was dieser Fund im Leben von Hans ins Rollen bringt, wie er reflektiert, sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt, sich des Kindes annimmt und dabei von unerwarteter Seite Hilfe bekommt – das liest sich so besonders, so berührend,  ich finde es schwer, dafür Worte zu finden. Uhly bedient sich einer ruhigen, gesetzten Sprache, hier finden sich keine blumigen Beschreibungen. Hier findet sich Leben. Geliebt werden. Und ein Neuanfang.

Ich bin sehr begeistert und das Buch verdient definitiv noch sehr viele Leser!

Lieber Osama – Chris Cleave

Eigentlich fällt mir hier seit dem Lesen nur ein treffendes Wort ein: Heftig. Heftig, heftig, heftig. Hier kommt wirklich einiges an Leid, Dreck, Elend zusammen. Hier wird geflucht, verflucht, eine Frau verliert ihre Familie und fast auch sich selbst. Der Brief, den sie an den „Verursacher“ des Anschlags schreibt, hat sich gewaschen … tue mich sehr schwer: wem möchte ich so ein Buch empfehlen? Wer hält das durch und aus? Auch die Sprache ist nicht gerade „gediegen“ – sie scheint mir authentisch, ist aber auch nichts zum lockeren Weglesen. Aber andererseits: es ist schon eine Kunst, so über eine Tragödie zu schreiben…

Wir beide, irgendwann – Jay Asher/Carolyn Mackler

Das war nett. Will sagen: die Idee war witzig aufgemacht, besonders für jemanden wie mich, der auch durchaus noch den Ton eines sich verbindenden Modems kennt, war es ein schöner Flashback, zurück in eine Zeit in der es zwar Computer gab, aber eben kein Facebook… und auch, wie anders die Jugendlichen, die damit konfrontiert werden, zunächst reagieren. Ich glaube, ich hätte es als Jugendliche gerne gelesen, liess sich gut wegschmökern. Mehr war es für mich allerdings dann auch nicht, es blieb nicht haften.

Willkommen auf Skios – Michael Frayn

Britischer Humor und eine Verwechslungskomödie, die klassisch beginnt und dann genüsslich vom Autor bis auf die Spitze getrieben wird. Nicht unbedingt neuer Stoff, jedoch einfach herrlich, den Irren und Wirren zuzusehen – und den meist eitlen Menschen, die möglichst glauben wollen, was nicht sein kann ;-). Das Michael Frayn für die Bühne schreibt, kann er in diesem Roman nicht verhehlen – hier wäre eine Adaption keine große Sache (und ich würde es mir gerne ansehen…)

Picknick mit Bären – Bill Bryson

Was soll ich sagen – ich MAG Bill Bryson einfach. Seine Fähigkeit, sich selbst auf den Arm zu nehmen, seine Ideen, seinen Schreibstil – mit ihm kann ich die Welt bereisen, ohne mein Bett zu verlassen. Auch in diesem Werk, in dem er den Versuch startet, den Appalachian Trail zu laufen, den längsten Trail in den USA, war es wieder so, dass ich einfach genoßen habe, als „dritte Frau“ mit dabei zu sein. Andere Bücher mochte ich vielleicht einen Ticken lieber, weil die USA jetzt nicht mein Favorit sind, was Reisen angeht, aber gerade deswegen ist es ja auch spannend, dieses Land mal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.