Lieber Mischa: … der Du fast Schlomo Adolf Grinblum geheißen hättest, es tut mir so leid, dass ich Dir das nicht ersparen konnte: Du bist ein Jude – Lena Gorelik

Übertreiben, Überspitzen, Ironie – damit wird in diesem ja..was ist es nun – ein Sachbuch? Ein Brief? Ein Erfahrungsbericht? – jedenfalls wird mit obigen Stilmitteln nicht gespart. Aber genau das scheint mir der richtige Weg zu sein, darüber zu berichten, wie es heutzutage ist, als Jude in Deutschland zu leben und aufzuwachsen. Gorelik ist klug, hat viel Wortwitz und ist sich ihrer eigenen inneren Zerissenheit, die sie lebhaft zum Ausdruck bringt, voll bewusst. Ein beeindruckendes Buch, was so einiges an Fragen klärt und genausoviele aufwirft.

Die Frauen, die er kannte – Hjorth & Rosenfeldt

Der zweite Band der Krimi-Reihe rund um Sebastian Bergmann und sein „Team wider Willen“. Ich mache es kurz – der Cliffhanger aus Band Eins wird konsequent ausgearbeitet, der Fall ist spannend, das Team ist einem ja schon bekannt und ans Herz gewachsen – auch dieser Krimi ist einfach wieder saugut – und dank einer gewissen Dicke ein Garant für langanhaltende, tolle Unterhaltung.

Laqua – Nina Blazon

Ein Kinderbuch ab etwa 10 Jahren, angesiedelt in Venedig. Diese Stadt habe ich bereits besucht und finde, die Autorin hat die Örtlichkeiten sehr authentisch beschrieben. Es kommt eine spannende Atmosphäre auf und die unheimlichen Ereignisse um das alte Hotel von Kristina und Jans Urgroßmutter sind packend geschrieben. Ein runder und fantasievoller Abenteuerroman für Kinder, mit genau der richtigen Portion Grusel, den man schön wegschmökern kann.

Shopaholic & Sister – Sophie Kinsella

Mal wieder ein wenig englische Lektüre – und nochmals bleibe ich dabei: Kinsella kann mich einfach grandios unterhalten. Ich muss so oft kichern, auch wenn natürlich nichts wirklich unvorhersehbar ist. Aber darum geht es ja auch nicht – vorallem hat Becci Bloomwood einfach trotz Macken und Fehlern ein großes Herz und die Courage, sich aus den selbstverschuldeten Dramen auch wieder rauszuwühlen. Und das ungleiche Schwester-Gespann war ein schöner Einfall, der für die nächsten Bände sicherlich noch von Vorteil ist.

Madita – Astrid Lindgren

Von Madita hatte ich als Kind nur ein oder zwei Bilderbücher, so dass ich mir vor Jahren eine schöne gebundene Ausgabe von Oetinger zulegte, mit allen Geschichten – jetzt war die Zeit dafür. Lindgren ist einfach ein Ausnahmephänomen, ich mag sovieles von ihr – und auch dieses Buch mochte ich. Allerdings muss ich sagen, nicht ganz so gerne, wie zum Beispiel Pippi Langstrumpf oder auch Ferien auf Saltkrokan (was ich ja ebenso erst später entdeckte). Ein bisschen verwöhnt fand ich Madita dann doch, dass konnte ich nicht überlesen. Trotzdem, es ist Meckern auf hohem Niveau ;-)

Souvenirs – David Foenkinos

Anfangs hat mich das Buch entzückt, dank dem Vorgänger „Nathalie küsst“ erwartete ich wieder eine Geschichte die von leichter Hand geschrieben scheint und doch tiefer geht. Ein kleines bisschen verliert sich dieser Zauber der ersten Seiten im Verlauf der Geschichte – was vielleicht den Handlungen der Protagonisten geschuldet sein mag, vielleicht aber auch der Episodenhaftigkeit. Trotzdem habe ich diesen Roman gerne gelesen, weil er alle Facetten des Lebens beleuchtet und durch charmante Einfälle besticht – Souvenirs eines bewegten Lebens eben.

abends um 10 – Kate di Goldi

Was gibt es für einen Grund, ein trauriges Buch unbedingt lesen zu wollen, obwohl man ahnt, dass es einen traurig und leicht melancholisch zurücklassen wird? Meist ist es die Empfehlung einer Buchfreundin und so war es auch hier wieder der Fall – es war Christine von Lesemomente . Zum Lesen gab sie mir den Ratschlag „Lies „abends um 10“ bitte nur wenn du in passender Stimmung bist (ruhig, bereit für viel Atmosphäre und etwas nachdenklich vielleicht)“.

Diesen Ratschlag kann ich nur genauso weitergeben. Ein besonderes Buch, eines, das nicht unbedingt geradlinig verläuft, es fordert den Leser, setzt ihn einer Situation aus, die ich bisher noch nie in einem Buch vorgefunden habe. Und all das wird so sensibel und liebevoll erzählt, dass man die Figuren am Schluss ganz schwer loslassen kann. Und vielleicht die eine oder andere Träne rollt. Danke Christinchen! ?

Der Blaubeersommer – Polly Horvath

Zwei uralte Damen, die nicht besonders gut Auto fahren. Ein Wald voller Beeren und Bären. Skurrile Figuren, ein junges Mädchen, unangenehme Eltern. Eigentlich ist das ganze Buch vollgestopft mit seltsam anmutenden Ereignissen, die nicht zusammenpassen – und doch habe ich es mit großer Begeisterung gelesen, weil es so herrlich anders ist, sich so wohltuend abhebt von vielem anderem auf dem Kinderbuchmarkt. Weil hier zwar schlimme Dinge passieren, überzeichnet wird – aber trotz allem einfach durchdringt – Du kannst viel erleben und überstehen, wenn Du an Dich glaubst und über Dich hinauswächst. Ich fands einfach nur richtig klasse und habe schon Nachschub bestellt…

Die Lektionen – Naomi Alderman

Ein reicher, junger Student mit viel Charisma, die altehrwürdige Atmosphäre von Oxford und Studenten, die die Nähe von diesem jungen Mann suchen, wie Motten das Licht. Was passiert, wenn Geld keine Rolle spielt? Wie lange halten Freundschaften, die sich auf diesem Fundament gründen? Wie offen kann man sein (auch in sexueller Hinsicht), was ist Spiel, was ist Ernst? Das Buch hat mich nicht völlig begeistert, jedoch einiges an Fragen aufgeworfen, was ich ja immer wertschätze. Spitze und pointierte Beobachtung, die sicherlich auch aus eigenem Erleben gespeist wurde, ist die Autorin doch selbst Absolventin von Oxford.

Alles voller Hoffnung – Renate Dorrestein

Igor wird von seiner Großmutter Nettie großgezogen, nachdem seine eigene Mutter, als er fünf Jahre alt ist, das Sorgerecht an die Großmutter verliert. Und Igor ist anders – er ist geistig behindert. Als Igor in einer Werkstatt anfängt und sich verliebt, scheint sich alles zum Guten zu wenden…zunächst! Dorrestein hat hier ein, ja, leider muss man es so sagen, heute immer noch „Tabu-Thema“ angesprochen – und daraus einen bewegenden Roman gemacht. Ich habe dazu einen persönlichen Bezug und kann nur für mich sprechen: ich finde sie hat sich der Thematik gut und sehr sensibel angenähert und der Titel passt (weniger das Cover – das verwirrt mich immernoch…). Eine besondere kleine Familie, mit zwei starken Charakteren. Ich würde durchaus noch mehr von ihr lesen.