Die Betäubung – Anna Enquist

Das Wort „verstörend“ kann man durchaus für diesen Roman anwenden – aber im positiven Sinne. Denn dieser Roman fällt ein wenig aus der Rolle, seine Beschreibungen, gerade was die Details im Krankenhaus angeht, die Vorgänge und Operationen sind so gestochen scharf und gehen einem nahe. Teilweise so sehr, dass ich pausieren musste (ich vertrage allerdings auch nicht sehr viel in diesem Bereich). Aber gerade das lässt den Roman für mich so hervorstehen – als ich im Nachwort las, dass Enquist im Zuge einer Literaturprojekts längere Zeit in einem Krankenhaus hospitieren dürfte, erklärte sich für mich diese Besonderheit, man hatte zum Teil wirklich beim Lesen das Gefühl, mit im OP-Saal zu stehen. Die Geschichte der beiden Geschwister, die zwei unterschiedliche Professionen abdecken (Anästhesistin und Psychoanalytiker) und durch einen gemeinsamen Nenner immer mehr ins Straucheln kommen, hat mich in ihren ganz eigenen Sog gezogen.

Sunset Park – Paul Auster

Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Paul Auster richtig einordnen kann. Ich kannte von ihm zuvor nur seine New York Trilogie, die mir eine liebe Buchhändlerfreundin einst ans Herz legte. Ich hatte mit dieser durchaus zu kämpfen und bin heute noch nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe. Trotzalledem habe ich das Buch in guter Erinnerung. Daher war ich fast überrascht, wie leichtgängig sich Sunset Park las – mir gefiel der vorherrschende Ton, die Geschichte, die vielen Persönlichkeiten, die diesen Roman bevölkern, die Dramaturgie des Buches. Ich würde fast denken, jemand der Auster schon länger liest und noch mehr von ihm kennt, könnte enttäuscht sein, weil es sich doch ziemlich von der New York Trilogie abhebt. Für mich hat es allerdings genau gepasst.

 

In die Sonne schauen – Irvin D. Yalom

Mein erster Yalom und ihm werden garantiert weitere folgen. Er versteht die große Kunst, psychologische Zusammenhänge für den Laien verständlich aber dennoch nicht ohne Anspruch aufzubereiten. Noch dazu schreibt er so spannend und mitreissend, dass man das ganze verschlingt wie einen Roman. Die Thematik „Angst vor dem Tod“ mag speziell erscheinen aber Yalom bringt einen dazu, noch deutlich weiter zu schauen, hinter welchen, fast alltäglichen Sympthomen sich diese Angst verstecken kann, dass es ein Thema ist, welches uns täglich viel mehr umtreibt, als wir uns dessen bewusst sind. Hat großen Eindruck bei mir hinterlassen.

Aus den Fugen – Alain Claude Sulzer

Ein gefeierter Pianist beendet völlig unvermittelt sein eigenes Konzert – er kippt seinen Stuhl um und verlässt, ohne sich umzudrehen die Bühne. Mit dieser schönen Szenerie beginnt das Buch. Um den Pianisten und diesen ungewöhnlichen Konzertabend ranken sich so einige Schicksale. Leider können diese nicht alle ganz mit dem starken Anfangsmotiv mithalten – es bleibt unterhaltsam, erreicht aber nicht die Intensivität, die es hätte haben können. Ein kleines bisschen schade, trotzdem gerne gelesen.

Onkel Toms Hütte – Harriet Beecher Stowe

Hier bleibt nicht viel zu sagen – ein Klassiker, den ich schon sehr viel früher hätte lesen wollen und sollen, wird doch sehr häufig auf dieses Buch Bezug genommen in der Literatur. Nun hatte ich Wartezeit zu überbrücken, das Buch stand dort im Regal und ich habe es endlich gelesen und bin froh darum – kann also nur empfehlen, falls noch nicht bekannt, dieses Buch zu lesen ;-)  .

Zwitschernde Fische – Andreas Séché

Eine schwärmerische, fast verschwenderisch ausgeschmückte Geschichte über Bücher, Literatur und das Lesen. Was mich zu Anfang bezaubert hat wurde mir zum Schluss hin ein klein wenig zuviel des Guten – aber das Buch entführt einen für eine Weile in ganz andere Gefilde, lässt einen träumen und schwelgen – ein schönes Buch für den Urlaub, wenn der Alltag mal ganz weit weg rücken soll. Für Wortverliebte und Buchliebhaber sowieso.

Night School: Du darfst keinem trauen – C.J. Daugherthy

Von aussen würde man das Buch wohl als einen weiteren Titel in Richtung Vampire, düster, geheimnisvoll einordnen. Geheimnisvoll ist es auch – allerdings kommt es von vorne bis hinten ohne übersinnliche Phänomene aus. Prima Lesefutter für Jugendliche (denn es wird einige weitere Bände geben) das sich, ganz klassisch, im Internat abspielt. Hier geht es aber wie gesagt mal weder um Magie, noch um Fantasiewesen sondern um knallharte Fakten: Elite, Konkurrenzkampf, Intrige, Macht – spannend erzählt.

Chicken Soup for the Mother’s Soul – Jack Canfield/ Mark Hansen

Entweder man mag die Hühnersuppen-Bücher oder man mag sie nicht, dazwischen gibt es nicht viel. Wer mich kennt weiss – ich mag sie sehr. Und auch dieser Band hat mich wieder gerührt und berührt, die englischen Originale sind immer noch einen Ticken besser. Und gerade das Thema ist natürlich nochmal ein Sahnehäubchen oben drauf – inspirierend, kraftgebend, berührend – einfach immer wieder herzerwärmend.

Mein Hund Mister Matti – Michael Gerad Bauer

Auf den ersten Blick dachte ich: schöne, unaufgeregte Familiengeschichte rund um einen Hund. Das ist auch nicht ganz falsch, allerdings ist Mister Matti mehr als nur ein Hund – er gehört samt und sonders zur Familie. Und in dieser ist längst nicht alles immer bonbonfarben. Nein, hier gibt es auch Streit, Mißverständnisse und Spannungen. Bauer versteht es, diese Dinge einfließen zu lassen, ohne sie überhand nehmen zu lassen und gibt dem Leser damit die Möglichkeit, sich sehr mit dem jungen Protagonisten zu identifizieren. Aber die Zeit mit Mister Matti ist auch witzig und zum Schmunzeln – zum Schluss hin – und das hat länger kein Buch mehr geschafft – musste ich allerdings auch die Tränen wegwischen – und ich bin froh, dass sich dieses Buch mehr ist, als nur ein paar Anekdoten um ein Haustier – nämlich eine wunderbare Geschichte für Kinder, die sich mit dem ganzen Leben auseinandersetzt!

Abschied für Anfänger – Anne Tyler

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt, recht vorhersehbar und es war mir ein wenig zuviel „alles geht am Ende auf“-Gefühl. Bei einem anderen Autor würde ich es wohl als fast schon kitschig bezeichnen. Nicht so allerdings bei Anne Tyler – zum einen schreibt sie nicht seicht und zum anderen – das Leben kann durchaus diese Wendungen nehmen, „Geschichten die das Leben schrieb“ – und sie schreibt es so auf, dass ich es ihr abnehme.