Über uns Stille – Morton Rhue

Eigentlich mag ich Morton Rhue. Eigentlich mochte ich auch dieses Buch, welches sich mit einem fiktiven Atomangriff befasst – und der einzigen Familie innerhalb einer Straße, die wirklich einen Bunker baute, um zu überleben. Als der Angriff stattfindet, muss die Familie viele Entscheidungen treffen – zum Teil um Leben und Tod, denn der Zufluchtsort ist an sich nur auf die Familie ausgerichtet. Rhue hat hier ein, ich denke mal durchaus nicht ganz unrealistisches, Bild einer Katastrophe gezeichnet. Und doch überzeugt es mich nicht komplett – denn auch wenn es ein Jugendbuch ist, ist mir manches zu verknappt, zu vereinfacht gedacht (im Vergleich dazu ist „Die Welle“ obwohl nicht umfangreicher, viel anspruchsvoller, weil auch vieles zwischen den Zeilen stattfindet). Es ist insofern in Ordnung, weil es einen ganz guten Einstieg ins Thema bietet, allerdings würde ich es erst ab 14 empfehlen und mich dann fragen, ob mit 14, 15, 16 nicht schon deutlich „massivere“ Literatur zugemutet werden kann, mit mehr Inhalt und Gewicht.

Vango: Prinz ohne Königreich

Auf diese Fortsetzung hatte ich schon mit wilder Ungeduld gewartet und sie an einem Stück verschlungen – ganz große Klasse! Diese beiden Bände gehören mit zu dem besten, was die Jugendliteratur aktuell zu bieten hat: Abenteuer, Spannung, historisch interessant, (siehe meine Besprechung zu Teil 1) – man möchte einfach nur lesen, lesen, lesen. Ganz großer Tipp!

Hilfe, die Herdmanns kommen! – Barbara Robinson

Von diesem Weihnachtsklassiker wird mir seit Jahren vorgeschwärmt – von Kollegen, von Kunden, von Freunden. Dieses Jahr habe ich dann endlich zugegriffen und was soll ich sagen? Sie hatten alle recht! Urkomisch, dabei gleichzeitig aber so rührend zum Schluss hin – das werde ich ganz definitiv meinen Kindern vorlesen (und der eine oder andere Erwachsene könnte die Lektüre, gerade zur Weihnachtszeit, auch durchaus vertragen). Diese wilde Herdmann-Truppe hat Potential und mir sehr viel Spaß gemacht!

Zimtzuckerherz – Heike Abidi

Ich wollte mal wieder einen netten Roman lesen, mit ein wenig Spaß, witzig-verrückten Situationen und Herz. Und da ich ein riesiger Zimtfan bin, konnte ich an diesem Buchtitel nicht vorbei. Das Buch habe ich gemütlich durchgeschmökert, wurde gut unterhalten, fand das Setting sympathisch, die Hauptfigur genau richtig chaotisch und die Liebesgeschichte einfach schön. Mission erfüllt, Leserschmökerherz glücklich.

Herzenstimmen – Jan-Philipp Sendker

Gelungene Fortsetzung eines Dauerbrenners. Ich verkaufe den Vorgänger „Das Herzenhören“ immer noch, nach Jahren, mit schöner Regelmäßigkeit. Der Spagat, einerseits wieder so ein bewegendes Buch zu schreiben, andererseits auch etwas Neues reinzubringen, hat funktioniert. Auch finde ich schön, dass Sendker hier klarmacht, das Julia in „Herzenhören“ zwar viel lernte und ihr Leben veränderte, aber nur den halben Weg ging – wie es oftmals ist, nach wichtigen Ereignissen, die im Laufe der Jahre und im Stress des Alltages doch wieder untergehen.

Jetzt – Morris Gleitzman

Nachdem ich zu den beiden Vorgängerbänden soviel schrieb, weil sie mich dermaßen beeindruckt haben, war ich ein wenig erstaunt, das dieser dritte Band in der Jetzt-Zeit spielen sollte, noch dazu weder in Deutschland, noch in Polen, sondern in Australien. Das tut meiner Begeisterung aber keinen Abbruch, im Gegenteil: Felix ist erwachsen geworden, er hat sich in Australien ein neues Leben aufgebaut. Gleitzman schafft es, Erinnerungen und die prägenden Erlebnisse in Felix‘ Leben mit den heutigen Ereignissen in Australien (Stichwort Buschfeuer) in Verbindung zu bringen – und mit den Sorgen und Nöten seiner Enkelin, die Zelda heisst…damit hat er für mich nicht nur einen überzeugenden Bogen geschlagen und eine ungewöhnliche Perspektive eingenommen sondern mich auch nochmal mehr sensibilisiert, für alles, was heute noch und wieder passiert. Also: gehört definitiv auch in eine Liga mit „Einmal“ und „Dann“.

Ein menschliches Herz – Irvin D. Yalom/Bob Berger

Eigentlich mehr ein Essay oder eine Novelle, als gleich ein ganzes Buch – aber oft ist ja nicht die Länge entscheidend. Yalom erzählt in wenigen Worten, dafür mit Kraft die Geschichte seines Kollegen und Freundes Bob Berger, der seit Jahrzehnten die Erlebnisse des Holocausts in sich trägt und lässt den Leser dabei selbst entscheiden, wo die Grenze zwischen Gespräch, Erzählung, Erinnerung liegen mag. Beeindruckend.

Elfrid & Mila: Das Weihnachtswichtelwunder – Pernilla Oljelund

Wer sich nicht in die muffelige, dauermüde dafür aber umsomehr von sich überzeugte Weihnachtswichtelin Elfrid verliebt, ist selber schuld! So ein schönes Kinderbuch für die Weihnachtszeit. Mila mag ihr Weihnachtsfest so wie es immer war: sie und Mama, auf der Couch. Als sich für dieses Jahr der Nachbar ankündigt, den ihre Mutter eindeutig zu sehr mag, wünscht sich Mila nichts sehnlicher, als dass er verschwindet und sie wie immer feiern können…zu dumm nur, dass der Wunsch ausgerechnet an Elfrid übertragen wird – denn damit geht das Chaos erst los…Elfrid ist zwar der Meinung, eine der begabtesten ihres Faches zu sein – leider steht ihr diese Überzeugung mehr als einmal im Weg und je mehr sie versucht, den Wunsch zu erfüllen, desto mehr überschlagen sich die Ereignisse…. Sensibel erzählt, spannend und einfach herrlich komisch!

Als Gott ein Kaninchen war – Sarah Winman

Ich verreisse selten ein Buch. Oftmals komme ich auch gar nicht in die Situation, weil mir meist mein Lesestoff zumindest ganz gut gefällt. Hier stand das Leseexemplar lange im Schrank, irgendwann dachte ich: der Titel ist so nett, es klingt doch nach schönem Wegschmökern, also her damit. Warum ich es überhaupt beendet habe, frage ich mich mittlerweile. Vielleicht wollte ich wissen, ob die Autorin das wirklich so bis zum Ende durchzieht? Die Sprache war mir oft zu flapsig, zu belanglos, zu platt. Die Erzählerin nicht wirklich sympathisch und was mich am meisten nervte – was den Figuren alles zustößt, da wurde wirklich nicht ein Klischee ausgelassen. Ein Drama jagte das nächste, bis zum unvermeidlichen Schluss, da hab ich wirklich nur noch den Kopf geschüttelt. Zum Teil passierten wirklich schlimme Dinge, die dann lapidar nicht wieder auftauchten. Irving kann ich sowas abnehmen, hier fragte ich mich wirklich oft, ob ich nun nicht einfach aufhöre. Ich habe das Buch danach noch zwei Kollegen mitgegeben, die durchaus einen anderen Geschmack haben als ich und beide brachten mir das Buch nach zehn bzw. zwanzig Seiten wieder. Ich kann einem Buch so manches sprachliche Details verzeihen, wenn es mich gut unterhält. Oder die ein oder andere Länge, wenn es mich durch Wortwahl und Satzbau anspricht. Für mich – Fehlgriff, Fehlgriff.