Vollendet – Neal Shusterman

Spannende Jugendbuch-Dystopie, die sich mit dem Thema Leben und Tod und vorrangig der Frage beschäftigt: wielange lebt oder existiert man? Wovon hängt es ab, wieviel kann man verlieren, ohne sich selbst zu verlieren? Organspende und das Verbot von Abtreibung werden hier als Aufhänger für eine klassisch gestrickte Geschichte benutzt und bieten viel Stoff zum Nachdenken, wäre vielleicht sogar als Schullektüre interessant. Für mich einziger Wermutstropfen: der eine Band wäre für mich vollauf ausreichend gewesen, eine ganze Trilogie hatte ich nicht erwartet und werde wohl auch die weiteren Bände nicht lesen – dafür reicht mir die Thematik nicht weit genug.

Nichts Weisses – Ulf Erdmann Ziegler

Hier hatte mich die Leseprobe sehr angesprochen, leider muss man sagen: auch etwas in die Irre geführt, denn sie findet erst weit hinten im Buch statt. Das Buch selbst war wie eine Achterbahnfahrt: manche wunderschöne Sätze, gerade über das Kunsthandwerk, was die Hauptfigur lernt, waren so toll geschrieben. Und vieles andere war für mich eher ein Grund, das Buch erstmal beiseite zu legen, die Achterbahn bleibt stehen, ruckelt, zuckelt nach unten. So richtig kam ich in die Geschichte nicht rein, die Motive der Personen, die Personen selbst blieben mir fremd, unnahbar. Verstärkt wurde mein Eindruck (leider) auch durch die Lesung der sechs Finalisten: Herr Ziegler las, eine zwar recht witzige, aber auch etwas abstruse Episode vor – in der seine Hauptperson nicht einmal vorkommt. Ob er sich damit einen Gefallen getan hat, weiss ich nicht, ich fand es irritierend. Im Interview reagierte er relativ schnell auf nur leiseste Andeutungen von Kritik bzw. manchmal nur reine Nachfrage, recht…ungehalten, mit Gegenfragen, mit einem gewissen verletzten Stolz, das kam nicht sehr sympathisch rüber, zumal sein Interviewer sehr positiv eingestellt war. Es mag sicherlich auch damit zu tun haben, dass mir die Zeit, die Ziegler einzufangen versucht, nicht nahesteht, das möchte ich nicht ausschliessen.

Der Gefangene des Himmels – Carlos Ruiz Zafón

Der dritte Teil der insgesamt vier Bände der Barcelona-Saga oder soll man sagen – rund um den Friedhof der vergessenen Bücher? Der erste Teil (Der Schatten des Windes) war wirklich ein eindrucksvolles Buch, der Nachfolger (Spiel des Engels) wurde von vielen kritisch beurteilt, ich mochte ihn, trotz kleiner Durststrecken. Hier verhält es sich nun so: es hat nicht die Dichte des ersten Bandes, aber liest sich sehr viel leichter, als der doch sehr verworrene zweite Teil. Es hat eine Leichtigkeit, die es einen schnell wegschmökern lässt. Vorallem hat mir dieser Band aber einige Aha-Erlebnisse im Bezug auf Teil 1&2 erbracht, er schliesst einiges an Lücken. Ich würde einem Neueinsteiger fast empfehlen, erst Band Eins, dann Band Drei und dann Band Zwei zu lesen – mal schauen, wie sich der vierte Band in dieses Gefüge packen lässt. Jedenfalls: toller Schmöker, humorvoll und spannend!Und Barcelona…es ist einfach so toll, wenn man viele dieser Orte im Buch bereits mit eigenen Augen gesehen hat – man fühlt sich, als wäre man dort!

Internet – Segen oder Fluch? – Sascha Lobo/Kathrin Passig

Ein Sachbuch zu einem Thema, was mich selbst ja immer wieder umtreibt. Ich schätze beide Autoren, sie haben unterschiedliche Hintergründe und ihr Buch („Dinge geregelt kriegen“) habe ich mit großem Vergnügen gelesen. Das Thema hier ist sperriger, schwerer zu fassen und hier bietet sich Humor auch etwas weniger an. Ein paar kleine Längen hat es, trotzdem ist der Informationsgehalt sehr hoch, viel Stoff zum Nachdenken ist enthalten. Auch gefällt mir gut, dass sie versuchen, das Problem differenzierter zu betrachten – in allen Facetten, die es zwischen Schwarz und Weiss gibt, zwischen Fuch und Segen. Sie bieten nicht unbedingt Lösungen an, wohl aber Ansätze, in die man hineindenken, weiterdenken kann. Ein guter Einstieg ins Thema, sowohl für Digital Natives als auch Digital Immigrants ;-)

Da geht ein Mensch – Alexander Granach

(Lesekreis): Was für ein Buch! Ich bin sehr, sehr angetan. Und das mir, ich lese superselten Biographien. Aber hier ist so ein toller Stil vorhanden, die Seiten fliegen nur so dahin. Was ich faszinierend finde: der junge Granach hat ja schon die ein oder andere Schote auf dem Gewissen. Aber man verzeiht es ihm doch sehr schnell (Klauen, Prügeleien, Weglaufen), weil er so charmant, geradezu mit verzeihlichem Augenaufschlag erzählt. Das fasziniert mich. Und wie genau diese Bilder in meinem Kopf entstehen, ich habe auch zwischendurch die Augen geschlossen und sah alles vor mir, immer ein gutes Zeichen wenn ein Buch mich auch tagsüber begleitet.
Auch spannend wie man die unterschiedlichsten Stationen durchläuft in seinem Leben und es wirklich von sovielem abhängt was man später tut, wen man liebt, wer man wird. Es hätte für Granach auch komplett anders ausgehen können. Am liebsten war mir (von wirklich vielen Stellen) aber der Theaterbesuch und diese Begeisterung! Da geht mir das Herz auf, wie er schwärmt und weiss: das isses jetzt! Wow!

Gerade im ersten Teil (allein schon der Anfang) stecken einige so sprachlich besondere Sätze, auch ist die Sprache so bildhaft – vor meinem inneren Auge sind viele Bilder entstanden, was ich bei einer Biographie wirklich gut finde, ein Roman hat es da einfacher. Was mich zum Schluss hin sehr erstaunte – durch die Fotos wusste man ja schon, dass er später verheiratet ist und auch einen Sohn hat. Das dieser Teil seines Lebens komplett hintenüberfiel, hat mich erstaunt. Zunächst dachte ich, vielleicht ist es gewollt, die Familie nicht in den Mittelpunkt stellen, da aber sein Sohn ja auch ein Buch schrieb – vielleicht doch nur eigene Eitelkeit? ;-)  Er wirkt ja nicht wirklich wie ein eitler Geck, aber ist schon sehr selbstbewusst aufgetreten.
Der Kriegsteil war für mich auch anstrengender zu lesen. Andererseits war er auch wichtig für sein Leben und trotzte mir Respekt ab, wie er diese schwierige Zeit überstanden hat. Das er da rausgekommen ist – uff! Insgesamt war ich immer wieder erstaunt, wieviel passierte, wie sich an kleinsten Entscheidungen die Lebenswege verändern. Da denkt man dann schonmal – das Leben kann schon die verrücktesten Wege nehmen. Ein bisschen zu „charmant“ überspielt waren mir viele Diebstähle. Vielleicht war es die Zeit, allerdings hatte ich da das Gefühl, es wurde eher als Kavaliersdelikt gehandelt, so schreibt er auch darüber.

Shopaholic & Baby – Sophie Kinsella

Je weiter die Reihe voranschreitet, desto weniger muss ich dazu schreiben ;-) Ich poliere damit mein Englisch auf und schmunzle über den Einfallsreichtum der Autorin was Fettnäpfchen angeht. Insgesamt war ich hier ein wenig gedämpfter Stimmung, mag sein, weil so langsam das Ende der Fahnenstange erreicht ist oder der Band mich einfach nicht so angesprochen hat wie die vorherigen. Trotzdem werde ich den letzten Band auch noch lesen, die Reihe wird abgeschlossen.

Unser Haus am Meer – Polly Horvath

Ich habe eine Schwäche für Kinderbücher, die skurril daherkommen. Als ich bei der wunderbaren Ada Mitsou dann von diesem Buch las, war klar: musste auch haben. Und ich bin sicher noch eine ganze Weile dankbar für diesen Tipp: das Buch hat soviel Herz, schräge Figuren und eine große Portion Witz und die ein oder andere wirklich ungewöhnliche Szene. Klasse! Und beim Schreiben sehe ich gerade, dass sie bereits den zweiten Band rezensiert hat und genauso begeistert war…na…der kommt dann wohl auch bald zu mir ;-)

Wieviel Leben passt in eine Tüte? – Donna Freitas

Ein sensibel erzähltes Jugendbuch über das Leben einer Familie nach dem Verlust der Mutter – mit der wunderschönen Idee eines Survival-Kits, welches die Mutter vor ihrem Tod für die Tochter anfertigt – wohlwissend, dass ihr Kind diesen Anker brauchen wird. Die Gegenstände darin geben Rose zunächst Rätsel auf, aber mit jedem Tag ohne ihre Mutter ergeben sie nach und nach Sinn. An einigen Stellen wurde mir der Unterschied der Kulturen sehr bewusst, da gibt es schon einige Unterschiede zwischen den USA und Deutschland. Der Tod und der Umgang damit kennt keine Regeln und so ist es für mich in Ordnung, das Freitas ihren Figuren ganz unterschiedliche Arten der Trauer mitgibt, die vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar sind.

Hikikomori – Kevin Kuhn

Es mag daran liegen, dass ich 2012 bereits ein anderes Buch zur Thematik las, was mich tief berührte (Ich nannte ihn Krawatte), dass mich dieses Buch nicht komplett überzeugen konnte. Der Anfang gefiel mir gut, auch die Aufmachung machte mich neugierig, aber im Verlaufe des Buches konnte ich Till, der sich in seinem Zimmer geradezu einbunkert, einfach nicht mehr fassen. Anfangs hatte ich das Gefühl, es ginge ihm um eine Art Demonstration des einfachen Lebens, ein bisschen wie Thoreau oder um eine Leistungsverweigerung. Mit Fortschreiten des Buches, verlor aber, so glaube ich, selbst Till aus den Augen, was genau er bezwecken wollte (da könnte man nun ketzerisch fragen, ob denn alles Zweck und Sinn haben muss, aber gut…) – und liess mich mit einem gewissen Frust zurück. Schade, weil ich nicht sicher bin, ob es an mir liegt – am besten selbst rausfinden ;-)

Blutsverdacht – Marie-Aude Murail

Die französische Autorin, die ich seit „Simpel“ sehr schätze, hat hier einen Jugendkrimi geschrieben. Und der hat alles, was es braucht: eine spannende Hintergrundgeschichte, Gänsehaut-Momente, die große Frage, wem man eigentlich trauen kann und ob die jahrelang für bare Münze gehaltenen Familiengeschichten einer Internetrecherche standhalten können… Spannend bis zur letzten Seite und der Fall durchaus nicht unknifflig – tolle Krimi-Empfehlung für Jugendliche!